Umweltmanagement nach DIN EN ISO 14001

Umweltmanagement nach DIN EN ISO 14001

Seit Februar 2005 gibt es die aktuelle Umweltnorm. Daher ist es für viele Unternehmen notwendig, zusätzlich ein Umweltmanagementsystem (UMS) nach DIN EN ISO 14001:2005 einzuführen. Das Prozessmodell nach DIN EN ISO 9001:2000 verknüpft die Gestaltungsaspekte „Führung“, „Ressourcenmanagement“, „Prozessmanagement“ und „Messung, Analyse und Verbesserung“, um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu ermöglichen. Umweltrelevante Aspekte werden in dieser Norm allerdings nicht erwähnt. Das erreichen Sie erst durch die Kombination beider Managementsysteme

Das Umweltmanagementmodell: aktive Umweltpolitik

Mit einem Umweltmanagementsystem setzen Sie die Umweltpolitik durch Ihre Planung im Unternehmen um und betreiben aktive Schutzmaßnahmen. Durch die regelmäßigen Umweltmanagement-Audits überprüfen Sie die Funktionstüchtigkeit des Umweltmanagementsystems. Anschließend findet eine Managementbewertung statt. Dieser Prozess wir nun von Ihnen ständig verbessert. Dabei fordert das Umweltmanagementsystem die Beschreibung aller umweltrelevanten Vorgänge eines Unternehmens. Darüber hinaus bezieht das System auch Ihre hergestellten Produkte mit ein.

Grundlegende Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Systeme

Beide Systeme haben das Ziel, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzuleiten und aufrechtzuerhalten. Doch bedenken Sie, dass die beiden Systeme unterschiedliche Zwecke haben: Das Qualitätsmanagement-(QM-)system stellt durch die festgelegten Prozesse den Kundennutzen nach vorne und misst die Kundenzufriedenheit. Das Umweltmanagementsystem dagegen stellt die Umsetzung der Umweltaktivitäten eines Unternehmens in den Mittelpunkt.

Sie können die Audits der beiden Systeme zur selben Zeit durchführen. Die Gültigkeit der Zertifikate beträgt bei beiden Systemen 3 Jahre. Überwachungs-Audits finden im jährlichen Abstand statt. Wiederholungs-Audits müssen Sie alle 3 Jahre vornehmen.

Die gemeinsame Basis: der PDCA-Zyklus

PDCA steht für den Zyklus aus Plan (Planen) – Do (Ausführen) – Check (Prüfen) – Act (Verbesserung, Korrektur) (siehe Ausgabe 9/2008). Diesen Zyklus können Sie auf alle Prozesse anwenden. Beide Normen sind untereinander kompatibel, da sie beide auf einem prozessorientierten Ansatz beruhen. Für alle Schritte des Umweltmanagementsystems finden Sie die entsprechenden Schritte im Qualitätsmanagementsystem wieder.

Fazit: Wenn Sie das Qualitätsmanagement- mit dem Umweltmanagementsystem zu einem integrierten Managementsystem zusammenführen, ergeben sich folgende Vorteile: Sie definieren die Zuständigkeiten, erhöhen die Transparenz und sparen mit einer gemeinsamen Dokumentation Kosten und Zeit.

Selbst-Test: Benötigen Sie ein Umweltmanagementsystem?

 

JA Nein
1. Besteht in Ihrem Unternehmen die Möglichkeit von Umweltrisiken wie z. B. bei der kontrollierten Ableitung von Abwasser oder bei der Einhaltung von Grenzwerten von Immissionen?    
2. Kann Ihr Unternehmen mehrere umweltbedingte Schäden finanziell gleichzeitig tragen?    
3. Hat Ihr Unternehmen umweltrelevante gesetzliche Auflagen in der Produktion bzw. im sonstigen Unternehmen zu erfüllen?    
4. Sind Aufwand und Komplexität der zu kontrollierenden Prozesse gering?    
5. Kann sich Ihr Unternehmen Stillstand in der Produktion auf Grund von umweltbedingten Klärungsfällen leisten?    
6. Führt in Ihrem Unternehmen jeder umweltbedingte Schaden schnell zu einem Verlust des positiven Images in der Öffentlichkeit?    
7. Ist Ihr Unternehmen auf die kooperative Zusammenarbeit mit Umweltschutzorganisationen angewiesen?    
8. Ergeben sich in Ihrem Unternehmen auch finanzielle Gewinne oder Potenziale zur Kostenreduktion durch den Einsatz von ökologisch positiv bewerteten Investitionen in neue Maschinen, durch die Einsparung von Ressourcen wie Wasser, Energie etc.?    
9. Wollen Sie mögliche Haftungsfolgen auf Grund von umweltrelevanten Ereignissen für das Unternehmen, die oberste Leitung oder einzelne Personen reduzieren?    
10. Können Sie bei Eintritt des größten umweltbedingten Schadensfalls in Ihrem Unternehmen diesen aus dem verfügbaren Cash Flow bezahlen?    
11. Wenn in Ihrem Unternehmen mit vielen Gefahrenstoffen umgegangen wird, ist dann eine klare Definition der Verantwortlichkeiten im Umweltschutz sowie der jeweiligen Ansprechpartner sinnvoll?    
12. Besteht die berechtigte Möglichkeit einer bevorzugten Wahl als Lieferant durch potenzielle oder bestehende Kunden, wenn Ihr Unternehmen durch ein Umweltmanagementsystem zertifiziert ist?    

*Auswertung:* Notieren Sie die Anzahl der Ja-Antworten zu den Fragen 1, 3, 6, 7, 8, 9, 11 und 12. Notieren Sie die Anzahl der Nein-Antworten zu den Fragen 2, 4, 5 und 10. Addieren Sie die Punkte. Wenn Sie mehr als 4 Punkte haben, dann sollten Sie über die Einführung eines Umweltmanagementsystems bzw. Integration dieses in Ihr bestehendes Qualitätsmanagementsystem ernsthaft nachdenken. Insbesondere, wenn zu Ihrer Punktzahl die Fragen der Nummern 1, 3, 6 und 9 gehören. Wenn Sie mehr als 9 Punkte haben, führen Sie ein Umweltmanagementsystem in Ihrem Unternehmen ein.

Die Integration der UM-Norm DIN EN ISO 14001:2005 in die DIN EN ISO 9001:2000 des QM-Systems

Die UM-Norm lässt Ihnen mehr Gestaltungsfreiheit im Vergleich zur Qualitätsmanagementnorm wie z. B. bei der Dokumentationsstruktur oder bei der Ablauflenkung. Es ist Ihnen freigestellt, wie Sie Vorgänge und Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit Umweltaspekten stehen, beschreiben. Sie können daher direkt die Struktur aus Ihrem bestehenden Qualitätsmanagementsystem übernehmen.

1. Planung: Umweltpolitik festlegen

Mit der Umweltpolitik legt das Unternehmen die Richtlinien fest für alle Aktionen und Ergebnisse, mit denen die Umweltziele des Unternehmens erreicht werden sollen. Als Qualitätsmanagementbeauftragter machen Sie dazu entscheidende Vorschläge. So können Sie regelmäßig überprüfen, ob diese Ziele erreicht wurden. Sie definieren, wie Sie die darin festgelegten Umweltziele verfolgen und den Zielerreichungsgrad bewerten. Ihre Bestandsaufnahme der bedeutenden umweltrelevanten Aspekte ergänzen Sie um die qualitätsrelevanten Prozesse Ihres Qualitätsmanagements in allen Bereichen und stimmen die Ziele aufeinander ab.

2. Verwirklichung und Betrieb: Verantwortlichkeiten klären

Die Norm fordert, dass Sie klar festlegen, wer mit welcher Befugnis wofür in welchen Situationen verantwortlich ist. Wer entscheidet über die zur Verfügung stehenden Ressourcen? Die Einzelheiten dokumentieren Sie im Qualitätsmanagement-Handbuch. Sie stellen sicher, dass die Verantwortlichen auf ihre Arbeitsinhalte hin geschult werden, und regeln die internen und externen Kommunikationswege. Sie legen alle umwelt- und qualitätsrelevanten Vorgänge fest und beschreiben diese Vorgänge sowie ein Verfahren zum Notfallmanagement.

3. Überprüfung: So gehen Sie mit umweltrelevanten Fehlern um

* Sie stellen sicher, dass die rechtlichen Vorschriften eingehalten werden, und bewerten die Prozesse nach klaren Anforderungen.
* Gleichen Sie die Verfahren zum Umgang mit umweltrelevanten Fehlern und Vorbeugemaßnahmen an die entsprechenden Qualitätsvorgaben an.
* Klären Sie die Kommunikation im Prozess, falls Fehler festgestellt werden.
* Zeichnen Sie diese Vorgänge auf und verteilen Sie die Dokumente an alle Beteiligten.

Übersicht: Integration eines Umweltmanagements in das Qualitätsmanagement

Gliederung der DIN EN ISO 14001:2005 Hinweise für die Integration des UM-Systems in das QM-System
4.1 Allgemeine Anforderungen Der Aufbau eines Managementsystems wird durch die UM-Norm gefordert. Legen Sie den Anwendungsbereich des UM-Systems fest und dokumentieren Sie diesen.
4.2 Umweltpolitik Eine ganzheitliche Unternehmenspolitik wird möglich, da sich die Umweltpolitik um die Qualitätspolitik ergänzen kann.
4.3 Planung  
4.3.1 Umweltaspekte

Die Ermittlung der bedeutenden umweltrelevanten Aspekte und eine Bestandsaufnahme fordert die ISO 14001. Dies wird durch die ISO 9001 nicht eindeutig gefordert, doch wird eine gemeinsame Bestandsaufnahme empfohlen.

4.3.2 Rechtliche Verpflichtungen Die für die Organisation geltenden Gesetze und Verordnungen sind einzuhalten, regelmäßig zu aktualisieren und auf die umwelt- und qualitätsrelevanten Gesetze abzustimmen.
4.3.3 Zielsetzung, Einzelziele und -programme Formulieren Sie auf allen Ebenen messbare Umwelt- und Qualitätsziele, stimmen Sie diese Ziele mit der Unternehmenspolitik und zwischen den einzelnen Ebenen ab. ISO 14001 fordert die Festlegung von Programmen für die Umweltziele; ISO 9001 fordert dieses nicht.
4.4 Verwirklichung und Betrieb  
4.4.1 Ressourcen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Befugnis Stimmen Sie die Verantwortlichkeiten und Ressourcen für einzelne Bereiche und alle Ebenen aufeinander ab. Es kann ein integrierter Managementbeauftragter (aus der obersten Führung) benannt werden, da ISO 9001 dies für das Qualitätsmanagement und ISO 14001 einen vom Top-Management benannten UM-Beauftragten fordert.
4.4.2 Fähigkeit, Schulung und Bewusstsein Stimmen Sie die Arbeitsinhalte von UM- und Qualitätsmanagementschulungen aufeinander ab. Vereinheitlichen Sie die Dokumentation und die Verwaltung.
4.4.3 Kommunikation Stimmen Sie die internen Kommunikationswege aufeinander ab. Die externe Kommunikation muss für die ISO 14001 geregelt werden.
4.4.4 Dokumentation

Führen Sie die Dokumentation zusammen und erstellen Sie ein gemeinsames Hand-buch. Fassen Sie Prozessbeschreibungen oder Verfahrensanweisungen zusammen.

4.4.5 Lenkung von Dokumentationen Erstellen Sie ein integriertes Lenkungssystem für Dokumente oder erweitern Sie ein bestehendes System.
4.4.6 Ablauflenkung ISO 14001 fordert die Festlegung aller umweltrelevanten Vorgänge. ISO 9001 fordert qualitätsrelevante Prozesse. Ergänzen Sie die qualitätsrelevanten Prozesse um die Umweltanforderungen. Spezielle UM-Abläufe müssen erstellt werden.
4.4.7 Notfallvorsorge und Gefahrenabwehr Erstellen Sie ein Verfahren zum Notfallmanagement. Dies ist in der ISO 9001 nicht enthalten.
4.5 Überprüfung  
4.5.1 Überwachung und Messung Koordinieren Sie die regelmäßigen Überprüfungen von Abläufen und Prozessen.
4.5.2 Bewertung und Messung ISO 14001 fordert von der Organisation ein Verfahren, dass die Einhaltung der rechtlichen Verpflichtungen sicherstellt und auswertet.
4.5.3 Nichtkonformität, Korrektur- und Vorsorgemaßnahmen Passen Sie die umweltrelevanten Vorgänge an Ihr Qualitätsmanagementverfahren der Fehlerbehandlung und der Vorbeugemaßnahmen an.
4.5.4 Lenkung von Aufzeichnungen Erweitern Sie Ihr Verfahren der Lenkung von Qualitätsmanagement-
aufzeichnungen um die Aufzeichnungen des UM.
4.5.5 Internes Audit Führen Sie regelmäßig interne Audits durch und stimmen Sie sowohl die Zyklen der UM- und die Qualitätsmanagementaudits als auch die Audit-Fragen aufeinander ab.
4.6 Management-bewertung Führen Sie eine Managementinformation für die Geschäftsführung vor. Hierzu bereiten Sie alle Audit-Berichte und alle weiteren Daten prozessbezogen auf. Beide Normen geben Input- und Output-Daten für die Bewertung des Managements vor. Eine gemeinsame Managementbewertung kann erstellt werden.

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