So vermeiden Sie Fehlhandlungen mit Poka Yoke

So vermeiden Sie Fehlhandlungen mit Poka Yoke

Das Poka Yoke-Konzept gilt als wesentliche Me- thode, um Fehlhandlungen (Ausschuss und Nach- arbeit) zu vermeiden und damit wesentlich zur Wertschöpfung beizutragen.

Wie oft haben Sie sich angesichts von Reklama- tionen, Nacharbeit und Ausschuss schon gefragt: „Muss das denn sein? – Können wir denn nicht fehlerfrei arbeiten?“

Kein Mensch ist in der Lage, Fehler vollständig auszuschließen und in allen Situationen fehlerfrei zu arbeiten.

Aber es liegt an den Verantwortlichen, Systeme zu implementieren, die Fehlhandlungen weitestgehend vermeiden. Der japanische Ausdruck „Poka Yoke“ bedeutet „Fehler vermeiden“ und bezeichnet ein Konzept, das technische Vorkehrungen und Einrichtungen zur Fehlervermeidung bzw. Fehleraufdeckung beinhaltet. Als Erfinder gilt der Japaner Shigeo Shingo, der wesentliche Anteile des Toyota-Produktionssystems entwickelt hat.

Shingo stellte fest, dass fertigungsbegleitende Qualitätsprüfungen nichts anderes bewirken können, als Fehler zu finden, die in der Produktions- phase erzeugt wurden. Prüfungen und Kontrollen werden aber durch die Kunden nicht bezahlt und stellen somit keine wertschöpfende Tätigkeit dar.

Warum passieren Fehler?

Menschen begehen Fehlhandlungen weil sie:

* unaufmerksam sind,

* Arbeitsschritte auslassen,

* Teile vertauschen bzw. vergessen,

* Informationen falsch ablesen,

* Aussagen fehlinterpretieren.

Welche Ziele hat Poka Yoke?

In allen Produktphasen werden durch Poka Yoke menschliche Fehlhand- lungen verhindert bzw. erkennbar gemacht. Damit kann die schicksal- hafte Verknüpfung von menschlicher Fehlhandlung und Produktfehlern unterbrochen werden.

Konsequenterweise sollten Sie Entwicklung, Konstruktion, Produktions- planung und Fertigung, aber auch Produktanwendung mit einschließen.

Was zeichnet gute Poka-Yoke-Lösungen aus?

* Die Lösung verbessert die Produktqualität.

* Die Lösung ist einfach realisierbar und erfordert geringe Investitionen.

* Die Lösung ist kein zusätzlicher Arbeitsschritt, sondern Teil des Prozesses.

* Die Lösung macht eine Endkontrolle unnötig.

Wo können Sie Poka-Yoke- Lösungen einsetzen?

Bei den Poka-Yoke-Lösungen sollten Sie besonderes Augenmerk auf die präventiven Lösungen legen. Wenn Fehler durch konstruktive Maßnahmen erst gar nicht entstehen können, müssen sie im weiteren Prozess nicht ermittelt werden. Es gilt auch hier: Prävention vor Reaktion!

Wo können Sie Poka-Yoke-Lösungen einsetzen?
Poka-Yoke-Ansatz Produktorientiert Prozessorientiert Fehlerorientiert
Ausrichtung

zukunfts

orientiert

gegenwarts

orientiert

vergangenheits

orientiert

Besonders wirkungsvoll in Entwicklung,
Konstruktion

Produktion,

Fertigung

Anwendung
Ansatz Lösung im Produkt Unterbrechung der Fehlerkette im Prozess Bekannte Fehlhandlungen werden am Produkt identifiziert.
Hinweise und Bewertung Präventive Fehler-bekämpfung durch konstruktive Maßnahmen Falls die produkt orientierte Lösung nicht möglich oder unwirtschaftlich ist, muss die Lösung im Prozess gesucht werden. Fehler sollen zukünftig durch produkt- und prozess orientiertes Poka Yoke vermieden werden.
Vorgehen In der Planungsphase werden mögliche Fehlhandlungen identifiziert. Durch konstruktive oder organisatorische Maßnahmen wird das Auftreten des Fehlers verhindert. Mögliche Fehler und Fehlhandlungen werden in den Prozessschritten identifiziert. Durch Vorrichtungen, Werkzeuge und Hilfsmittel werden fehlerhafte Prozessschritte verhindert. Die einzelnen Prozessschritte werden rückwärts bis zum Ort des Fehlerentstehens untersucht.
Dabei werden Einbau, Montage und Anwendung berücksichtigt.
Besonderheiten Optimale Lösung! Fehlerver-hinderung bei verschiedenen Fehlerbildern; evtl. sind zusätzliche Prüfungen erforderlich. Bei wiederkehrenden Fehlerbildern ist ein höherer Aufwand gerechtfertigt.

Lernen Sie aus Fehlern – der Weg zum Null-Fehler- Konzept

Um ein weiteres Auftreten von schon einmal entdeckten Fehlern aus- schließen zu können, wird Poka Yoke in Verbindung mit einer Inspek- tionsmethode eingesetzt. Als besonders effektiv hat sich dabei die ebenfalls von S. Shingo entwickelte Fehlerquelleninspektion erwiesen.

Hier erkennen die beteiligten Personen, die einen Fehler machen, durch ein unmittelbares Feedback ihre Fehlhandlung. Die Wiederholung der entdeckten Fehlhandlung kann so vermieden werden.

Der Poka-Yoke-Baukasten

Für eine Problemlösung nach dem Poka- Yoke-Prinzip wählen Sie zwischen 3 grundsätzlichen Mechanismen: Prüfmethode, Auslösemechanismus und Reguliermechanismus.

Eine detaillierte, übersichtliche und praxisorientierte Beschreibung finden Sie in Tabelle 2.

Das Poka-Yoke-System im Überblick (Lösungsmatrix)

– Auf dem Weg zum Null-Fehler-Konzept

Lösungs-mechanismus Prüfmethode
Fehlhandlung prüfen –
wie lässt sich die Fehlhandlung erkennen?
Auslöse-mechanismus
Fehlhandlung identifizieren –
wo und wann lässt sich die Fehlhandlung erkennen?
Regulier-mechanismus
Fehlhandlung kenntlich machen –
wie erfährt der Mitarbeiter von der Fehlhandlung?
Methode Fehlerquellen-prüfung
Ursachenkon-trolle
Kontaktmethode
physikalische Größen
Eingriffsmethode
Stopp
Ziel Die Ursache, die zu einer Fehlhandlung führt, wird verhindert. Unzulässige Abweichungen von der Arbeitsfolge werden von Sensoren festgestellt. Beim Auftreten von Abweichungen wird der Vorgang unmöglich gemacht.
Prinzip Verhindern, dass falsches bzw. fehlerhaftes Material zum Arbeitsschritt gelangen kann. Der Fehler ist bestimmt durch physikalische Größen (wie z. B. Gewicht, Form, Temperatur) und kann durch Sensoren festgestellt werden. Der Arbeitsschritt lässt sich nicht vollziehen.
Beispiel Es wird an der Materialzu-führung ein Anschlag angebracht, der verhindert, dass eine falsche Rohrlänge in den Prozessschritt gelangt. Die korrekte Lage und Temperatur des Werkstücks werden durch Sensoren überprüft. Abweichungen werden aussortiert. Ein Rasenmäher muss sich automatisch nach dem Loslassen des Handschalters abschalten.
Methode Prüfung mit Feedback
(direkte) Selbstkontrolle

Fixwertmethode

Anzahl Teilarbeits- schritte

Alarmmethode
Signal
Ziel Die Fehlhandlung wird sofort erkannt.
So wird vermieden, dass der
Fehler geschieht.
Abweichungen oder Unregel-mäßigkeiten
im Fertigungs-prozess werden erkannt.
Fehlhandlungen werden dem
Bediener signalisiert.
Prinzip Das zu montierende Teil lässt sich
aufgrund seiner Abmessungen nicht
in einer falschen Orientierung montieren.
Der Fehler ist bestimmt durch die
Anzahl der Arbeitsschritte oder
Teile (zu viel/zu wenig). Die Anzahl
der Arbeitsschritte wird überwacht.
Optisches oder akustisches
Warnsignal beim Auftreten der
Fehlhandlung.
Beispiel Ein USB-Stecker lässt sich nicht verdreht stecken. Asymmetrie wird bewusst eingesetzt, um Verwechseln zu verhindern. Die technischen Mittel müssen
einfach und wirkungsvoll sein,
wie z. B. Zählein- richtungen.
Ein Warnsignal ertönt, wenn im
Betrieb eine Sicherheitssperre geöffnet wird.
Methode Prüfung mit Feedback
(indirekte) Folgekontrolle
Schrittfolgen-methode
Standardbe- wegungsabläufe
 
Ziel Ein Fehler kann sich nicht in den
nächsten Prozess- bzw. Arbeitsschritt fortpflanzen.
Der Standardbe- wegungsablauf
eines Arbeitsprozesses wird erkannt
und mit möglichst einfachen
Hilfsmitteln überprüft.
 
Prinzip Verhindern, dass fehlerhafte Werkstücke in den nächsten Arbeitsschritt gelangen. Der Fehler ist bestimmt durch die
Abfolge einzelner Arbeitsschritte.
 
Beispiel Die Weiterver- arbeitung eines Bauteils in den nächsten Arbeitsschritt
ist erst dann möglich, wenn der vorangegangene Arbeitsschritt abgeschlossen wurde.
Material wird in der Reihenfolge
der Verwendung zugeführt, z. B.
Bauteile bauen aufeinander auf.
Werkzeuge funktionieren nur in
der Reihenfolge der Verwendung.
 

Es ist notwendig, in jeder Spalte mindestens eine Methode oder Funktion anzuwenden und somit einen „horizontalen“ Pfad durch die Matrix zu finden. Wenn z. B. von den Messern eines elektrischen Rasenmähers keine Gefahr ausgehen soll, muss am Haltegriff ein Handtaster ange- bracht werden, dessen Loslassen den Rasenmäher automatisch ab- schaltet. Es wird eine Prüfmethode mit direktem Feedback (Fehl- handlung wird sofort erkannt), Auslösemechanismus nach der Kontaktmethode (Berührungstaster) und Reguliermechanismus nach der Eingriffsmethode (Mäher wird angehalten) eingesetzt. Bei konsequenter Anwendung der Poka-Yoke-Methodik wird es Ihnen gelingen, die Kundenzufriedenheit zu steigern und Ihre Kosten erheblich zu senken. Poka Yoke hilft Ihnen zu sparen.

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