Poka Yoke: Wie Sie das Prinzip der Fehlerverminderung in Ihren Produktionsprozess integrieren

Poka Yoke: Wie Sie das Prinzip der Fehlerverminderung in Ihren Produktionsprozess integrieren

Sicher gibt es auch in Ihrem Unternehmen Fehler, die Sie zwar erkannt haben, die aber trotzdem wiederholt werden. Ein Werkzeug zur Vermeidung von Irrtümern und Fehlleistungen ist das Poka (vermeiden) Yoke (zufällige Fehler). Dies kann durch meist einfache, technische Vorkehrung oder Vorgehensweisen erreicht werden. Doch wie integrieren Sie dieses Prinzip praktisch in Ihren Prozess?

Irrtümer sind menschlich: Ursachen sind beispielsweise Vergessen, Verwechseln, Vertauschen, Missverständnisse, Lesefehler oder beruhen auf Informations- und Kommunikationsmängeln. Deshalb liegt es bei Ihnen, dass Sie Ihre Prozesse „narrensicher“ gestalten und die Qualität sicherstellen.
Das Werkzeug Poka Yoke steht in der Tradition der Null-Fehler-Strategie. Ziel ist es Prozessen, Produkten und Betriebsmittel so zu gestalten, dass fehlerhaftes Bedienen entweder gar nicht möglich ist, oder zumindest nicht zu fehlerhaften Produkten oder Gefährdungen führt.

Wo Sie diese Fehlervermeidung einsetzen können

Einsatzgebiete liegen in der Produktion vor allem in der Auftragsabwicklung, der Logistik und der kontinuierlichen Verbesserung. Hierbei soll vor allem folgendes erreicht werden:

* Ausschuss und Nacharbeit vermeiden,
* Arbeitsunfälle reduzieren sowie
* die Robustheit der Prozesse stärken und
* Fehlhandlungen vermeiden und
* Fehler verhindern werden.

Schritt 1: Analysieren Sie die Fehler und ihre Ursachen

Zerlegen Sie den gewählten Prozessabschnitt in kleinere Abschnitte und analysieren Sie die bekannten und möglichen Fehler und Ursachen. Unterstützen Sie die Analyse, indem Sie z. B. mittels des Ishikawa-Diagramms die Ursache-Wirkungs-Beziehung der Fragestellung in Form von Hauptästen und Nebenästen visuell übersichtlich darstellen.

Schritt 2: Lassen Sie Ihre Kreativität spielen

Hier geht es darum, Ansätze zur Fehlerverhinderung oder Fehlerminimierung zu entwickeln. Sie können hierbei vielfältige Kreativitätstechniken einsetzen. Stellen Sie am besten ein interdisziplinäres Team zusammen, um die Chance auf möglichst unterschiedliche Perspektiven und ungewöhnliche Ansätze zu erhöhen.

Für Gestaltungsansätze in der Fertigung:
* Unterstützung von notwendigen Zuordnungen durch Farben
* Vermeidung von Symmetrien wenn Verwechslungsgefahr besteht Bereitstellung von Teilen im Set
* um Gefahr des Vergessens zu vermeiden Nutzen von Form und Größenunterschieden
* um der Gefahr der Verwechslung vorzubeugen
* Nutzen von elektrischen oder mechanischen Verriegelungsmechanismen
* Bedienung einer Maschine nur mit beiden Händen

Schritt 3: Entwickeln Sie die Ansätze zu Lösungen weiter

Achten Sie bei der Weiterentwicklung der gefundenen Gestaltungsansätzen insbesondere darauf, dass einfache Lösungen, die schnell eingeführt werden können, zu bevorzugen sind.

Die 3 Mechanismen der Poka-Yoke-Lösung:

# Prüfmethode: Wann und wo wird der Fehler entdeckt?
# Auslösemechanismus: Was ist der Fehler?
# Reguliermechanismus: Wie wird die Fehlerfolge unterbrochen?

Für Poka Yoke in der Fertigung:

A. Türenfertigung: Auf einer Produktionsstraße werden Automodelle mit 3 und 5 Türen hergestellt. Damit hier nicht die falschen Türen eingebaut werden, wurde die Spannvorrichtung so gebaut, dass ein Aufladen eines 5-Türers beim Laufen des 3-Türen-Prozesses nicht möglich ist und umgekehrt.

B. Montage von Türgummis in der Autofertigung. Die Türschlusskräfte variierten aufgrund der Art und Weise der Montage der Türgummis. Hier wurde durch konstruktive Änderung eine Nase angeformt, die in eine bereits vorhandene Vertiefung des Fahrzeuges greift. Hierdurch wurde eine formschlüssige Positionierung gefunden, wodurch die Kundenreklamationen entfielen.

C. Automatisches Abfüllen von Cornflakes-Packungen. Eine Waage überprüft fortlaufend die Füllmenge (Sollwert: 500 g), ob diese im Toleranzbereich von 490 g und 510 g liegt. Wenn sich ein Trend feststellen lässt, dass die Füllmenge stetig sinkt oder steigt, macht ein Lichtsignal auf diesen Trend aufmerksam, so dass der Mitarbeiter den Fehler beseitigen kann. Der Prozess läuft allerdings trotz Lichtsignal weiter.

D. Montage von Antriebsrädern
Vor der Einführung der Poka-Yoke-Lösung sah der Prozess so aus, dass ein Werker die Montageanleitung sah, dann das entsprechende Antriebsrad Typus A aus dem Teileregal entnimmt und an das Aggregat montiert. Bei kleinen Ablenkungen wurde ein falsches Antriebsrad aus dem Teileregal entnommen. Der Prozess wurde nun so geändert, dass 2 Werker, die an gleichen Fahrzeugteilen arbeiten direkt hintereinander positioniert werden und gemeinsam ein Teileregal besitzen. Sie schauen auf die Montageanleitung, drücken eine Taste für das Antriebsrad Typus A. Nur wenn Beide die gleiche Taste drücken, wird das Fach im gemeinsamen Teileregal geöffnet. Wenn ein Fehler unterlaufen ist, ertönt ein Tonsignal, so dass die Werker wissen, dass ein Fehler gemacht wurde. Hierdurch entsteht eine automatische Fehlerkontrolle.

Schritt 4: Legen Sie fest, was zur Umsetzung getan werden muss

Stellen Sie einen Maßnahmenplan nach dem Muster „Wer, was, bis wann, in welcher Weise zu erledigen hat“ auf. Stellen Sie sicher, dass alle Beteiligten entsprechend geschult werden und die Wirkung der Lösung nachgewiesen und dokumentiert wird. Falls Sie neue Gestaltungsansätze gefunden haben, nehmen Sie diese in die Liste der „best-practice“-Beispiele auf.

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