Wie Sie mit der ConWIP-Methode Bestände und Durchlaufzeiten deutlich reduzieren

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Durch nicht synchronisierte Prozesse entstehen Staus an einzelnen Produktionslinien. Die Folge: Sie können die fertigen Produkte kaum noch termingerecht ausliefern. Die ConWIP-Methode hilft Ihnen, dagegenzusteuern.

Viele Produktionsbetriebe verfahren nach folgendem Muster: Geht ein Auftrag ein, wird sofort mit der Produktion begonnen. Ist der Liefertermin sehr eng gesteckt, wird in vielen Fällen schon einmal mit Teilen der Produktion angefangen. Das alles aber führt selten zu dem erhofften Ergebnis – nämlich dass Sie das Produkt ohne Terminschwierigkeiten beim Kunden ausliefern können. Auf diesem Grundproblem aufbauend ent- wickelten Wallace J. Hopp und Mark L. Spearman die ConWIP-Methode (ConWIP = ConstantWork-In-Process).

ConWIP ist eine Art Kanban für Prozessabschnitte

Das Besondere an der ConWIP-Methode: Im Gegensatz zu anderen bekannten Produktionsverfahren werden nicht primär Termine gesteuert, sondern die Mengen des Materialbestands in der Produktion. Dieser Materialbestand wird weitestgehend konstant gehalten. Die durchschnittlichen Durchlaufzeiten bleiben so stabil.

Das Verfahren ähnelt Kanban. Ähnlich wie bei Kanban werden bei der ConWIP-Methode auch Karten genutzt (ConWIP-Karten). Diese repräsentieren die Bestände. Geben Sie einen Auftrag in die Produktion, erhält dieser eine ConWIP-Karte. Verlässt der Auftrag die Linie, wird diese Karte wieder frei für den nächsten Auftrag. Die Zahl der ConWIP-Karten inner- halb einer Produktion ist konstant. Der wichtigste Grundsatz von ConWIP lautet daher auch: Es geht nur dann ein neuer Auftrag in die Produktion, wenn ein fertiger Auftrag das System verlässt. Das gewährleistet weit- gehend stabile Durchlaufzeiten. Je geringer die Bestände im System sind, desto kürzer ist die Durchlaufzeit eines Auftrags. Darüber hinaus beginnen Sie Produktionsaufträge erst zum spätestmöglichen Zeitpunkt. Produktionsaufträge, die kurzfristig terminiert wurden, haben Vorrang vor denen, die weniger dringlich sind. Die Dringlichkeit des Auftrags bestimmt also die Reihenfolge der Bearbeitung in der Produktion, nicht der Auftragseingang.

Diese Voraussetzungen muss Ihr Betrieb erfüllen

1. Ihre Produktion wird durch ein Pull-System gesteuert

Es ist nicht ohne weiteres möglich, die ConWIP-Methode in ein bestehen- des Produktionssystem zu integrieren. Die wichtigste Voraussetzung ist die, dass die Produktion Ihres Betriebs durch ein Pull-System gesteuert wird. Das ist dann der Fall, wenn Ihr Betrieb mit einem Lean- Production-Verfahren arbeitet. Nur so ist es möglich, Materialbestände zu reduzieren und eine hohe Termintreue zu erreichen. Hauptcharakteristikum des Pull- Systems (to pull = ziehen) ist, dass der Nachfolgeprozess den davorliegenden Prozess steuert. Das heißt: Ausgehend von der Endmontage produzieren alle vorgelagerten Bereiche nur das nach, was gerade verarbeitet wurde. Bei der ConWIP-Methode entsteht das Pull-Signal durch eine freie ConWIP-Karte. Im Gegensatz dazu wird bei einem Push-System (to push = drücken) ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Bedarf des nachgeordneten Prozesses produziert und dieses Material vorausgeschoben.

2. Sie können Engpässe gut auslasten

Typischerweise setzt sich die Produktion aus mehreren ConWIP-Regelkreisen zusammen, die sich intern selbst regeln. Kritisch für den Auftrags- durchlauf sind Produktionsabschnitte, die potenzielle Engpässe darstellen, besonders solche mit wechselnden Engpasskapazitäten. Diese definierten Engpässe sollten Sie möglichst gut auslasten, vorausgesetzt, es liegen ausreichend Kundenbestellungen vor. Sie steuern die davorliegende Produktion.

3. Sie produzieren kleine Losgrößen

Optimal ist der Einzelstückfluss (One Piece Flow). Voraussetzung dafür ist die Fließfertigung. Das bedeutet: Das Produkt fließt ohne Unterbrechung vom Rohmaterial bis zum fertigen Endprodukt durch die Produktion, wenn es einigermaßen gleichmäßig über die Arbeitsstationen eines Con-WIP-Regelkreises verteilt ist.

*Fazit:* ConWIP ist mit dem Verkehrsfluss vergleichbar: Je langsamer der Verkehr an Knotenpunkten fließt, desto weniger Staus entstehen. Erfüllen Sie in Ihrem Betrieb die o. g. Voraussetzungen, lohnt es sich, über die Einführung der Methode nachzudenken und mehr Informationen dazu zu recherchieren.

_Michaele Gartz_

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