Warnung: Viele Qualitätssicherungsvereinbarungen sind unvollständig

Warnung: Viele Qualitätssicherungsvereinbarungen sind unvollständig

Im Schadensfall ist der Ärger groß – und wenn z. B. die Haftung oder der Geltungsbereich nicht geklärt ist, kann das sehr teuer werden. Lesen Sie deshalb, welche 8 Punkte Sie unbedingt in jeden Lieferantenvertrag aufnehmen sollten.

Wenn Sie als Hersteller eines bestimmten Produkts regelmäßig mit einem Zulieferer zusammenarbeiten, kennen Sie das Procedere: Sie lassen sich mittels einer Qualitätssicherungsvereinbarung bescheinigen, dass die Produkte der Zulieferfirma möglichst fehlerfrei sind. Umgekehrt erstellen Sie selbst eine Qualitätssicherungsvereinbarung, wenn Ihr Betrieb einem anderen bestimmte Produkte liefert. Eine Qualitätssicherungsvereinbarung benennt und regelt so die qualitätssichernden Maßnahmen zwischen 2 Vertragspartnern.

Qualitätssicherungsvereinbarungen haben für sich allein keine rechtliche Bedeutung, sondern gewinnen eine solche erst und nur in Verbindung mit dem „Hauptvertrag“ (z. B. einem Kauf- oder Liefervertrag). Beide zusammen sollten die Herstellung und Lieferung eines qualitätsgesicherten, nachweisbar fehlerfreien Produkts bewirken.

*Hinweis:*
Rechtlich gesehen handelt es sich bei Qualitätssicherungsvereinbarungen um sogenannte Individualvereinbarungen oder um Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB). Das Bürgerliche Gesetzbuch und andere Gesetze kennen den Begriff der Qualitätssicherungsvereinbarung nicht.

Der Inhalt einer Qualitätssicherungsvereinbarung hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Es existieren keine vorgeschriebenen Mindestinhalte, die es zu beachten gilt. Als rechtliche Grundlage kann allenfalls das AGBGesetz herangezogen werden. Daher gibt es nicht die eine Qualitätssicherungsvereinbarung, sondern nur individuelle Vereinbarung. Dennoch gibt es einige Grundregeln, die Sie immer wiederfinden:


1. Geltungsbereich

Dieser bestimmt, auf welche Bereiche oder Produkte die Qualitätssicherungsvereinbarung Anwendung findet.

„Diese Qualitätssicherungsvereinbarung gilt für alle zwischen der Firma XY und der Firma YZ bestehenden und künftigen Einkaufsverträge. Sie soll durch geeignete Maßnahmen die Beschaffung und Fertigung von einwandfreien Produkten sicherstellen.“

2. Verpflichtung zur Qualitätssicherung

In diesem Teil verpflichten Sie und der Lieferant sich zur permanenten Anwendung eines Qualitätsmanagementsystems. Meistens ist dieser Teil mit der Verpflichtung verbunden, die Null-Fehler-Toleranz anzustreben und die Leistungen kontinuierlich zu optimieren.

„Der Lieferant verpflichtet sich, ein zeitgemäßes Qualitätsmanagementsystem, aufbauend auf der internationalen Norm ISO 9001:2000, aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Zielsetzung ist die Null-Fehler- Toleranz und eine kontinuierliche Verbesserung sämtlicher Prozesse.“

3. Erstlieferung oder Bemusterung von Prototypen

In diesem Absatz regeln Sie,

* wie die einzelnen gelieferten Teile gekennzeichnet werden,
* wie Bauabweichungen genehmigt werden,
* wie notwendige Angaben in den Lieferpapieren auszusehen haben,
* welche Vorgaben es für Messberichte gibt.


4. Prozesse zur Freigabe von Serien

Klären Sie, welche Pflichten der Lieferant in Hinblick auf gesetzliche Anforderungen an Material, Umwelt und besondere Vorschriften für Verpackung, Transport, Lagerung und Entsorgung erfüllen muss.


5. Serienfertigung und Rückverfolgbarkeit

Die Fertigungsprozesse müssen laufend überwacht, beurteilt und gelenkt werden. Sie können den Lieferanten dazu verpflichten, die Rückverfolgbarkeit der Lieferung bis zum Unterlieferanten sicherzustellen.

6. Dokumentation und Information des Lieferanten an Sie als Kunden

In diesem Absatz klären Sie, wie lange relevante Dokumente aufzubewahren sind. Darüber hinaus beschreiben Sie, worüber Sie vom Lieferanten unaufgefordert informiert werden wollen, z. B. wenn getroffene Vereinbarungen nicht eingehalten werden können, wenn Änderungen im Fertigungsverfahren, an Materialien oder Zulieferteilen entstehen oder wenn technische Unterlagen, Normen oder Regelungen aktualisiert werden.


7. Audits

Legen Sie fest, ob Sie Prozess- oder Produktaudits beim Lieferanten durchführen wollen und wie diese mit dem Lieferanten abzustimmen sind. Sie verpflichten sich, die Ergebnisse des Audits dem Lieferanten mitzuteilen und die Korrekturmaßnahmen mit ihm zu besprechen. Legen Sie fest, ob Sie auch Unterauftragnehmer vom Lieferanten in das Audit einbeziehen wollen.


8. Haftung und Versicherung

In diesem Teil weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass trotz aller Bemühungen Ihrerseits fehlerhafte Produkte in den Handel gelangen können. Sie verpflichten sich daher, eine Versicherung abzuschließen, die jedes Haftungsrisiko (also auch die Produkthaftung) ausreichend deckt.

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