Unvollständige Maschinen – Das müssen Sie jetzt beachten!

Unvollständige Maschinen – Das müssen Sie jetzt beachten!

Nach wie vor ist die Unsicherheit groß, wenn es um die Frage der Beschaffung von Maschinen geht. Es ist erst wenige Tage her, da hat mich der Einkaufsleiter eines großen Unternehmens gefragt, wie er vorgehen soll. Er hat den Auftrag bekommen, Teilmaschinen zu erwerben, die von werkseigenen Kräften zu einer neuen Produktionsstraße zusammengebaut werden sollen. Man hat ihm gesagt, dass er sich an Art. 13 der Maschinenrichtlinie orientieren müsse.

*Definition:* Eine unvollständige Maschine ist eine Gesamtheit, die fast eine Maschine bildet, für sich genommen aber keine bestimmte Funktion erfüllen kann. Ein Antriebssystem stellt eine unvollständige Maschine dar. Eine unvollständige Maschine ist nur dazu bestimmt, in andere Maschinen oder in andere unvollständige Maschinen oder Ausrüstungen eingebaut oder mit ihnen zusammengefügt zu werden, um zusammen mit ihnen eine Maschine im Sinne dieser Richtlinie zu bilden. (Art. 2g Maschinenrichtlinie (MRL) 2006/42/EG) Betrachten Sie die Definition im Einzelnen, so stellen Sie fest, dass eine unvollständige Maschine 3 Merkmale erfüllen muss. Alle 3 Merkmale müssen erfüllt sein:

Diese „Teilmaschine“ bildet eine Gesamtheit, die

# fast eine Maschine darstellt,
# für sich betrachtet keine bestimmte Funktion hat,
# bestimmungsgemäß mit anderen unvollständigen Maschinen, Maschinen oder Ausrüstungen zu einer „funktionsfähigen“ Maschine zusammengefügt werden muss.

Beispiele für unvollständige Maschinen wären etwa die Maschine ohne Sicherheitseinrichtungen, die Maschine ohne Antriebssystem oder das Antriebssystem selbst.


Diese Anforderungen müssen erfüllt sein

In Art. 5 Abs. 2 MRL wird verbindlich festgelegt, dass unvollständige Maschinen vor dem Inverkehrbringen die Anforderungen des Art. 13 zu erfüllen haben. Der Art. 13 wiederum verweist zunächst einmal wieder auf verschiedene Anhänge. Fasst man diese Inhalte zusammen, hat der Hersteller der unvollständigen Maschine folgende Bedingungen zu erfüllen:

* Durchführung einer Risikobeurteilung, daraus resultierend
* Erstellung einer Aufl istung, welche grundlegenden Sicherheitsanforderungen (nach Wahl des Herstellers) angewandt wurden und eingehalten werden müssen
* Ermittlung und eindeutige Dokumentation vorhandener Restrisiken
* bei Serienfertigung unvollständiger Maschinen: Maßnahmen, um die Übereinstimmung der unvollständigen Maschine mit den angewandten Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen zu gewährleisten
* Durchführung von Prüfungen und Versuchen zur Festlegung des Vorgehens für den sicheren Zusammenbau
* Montagevorgaben ermitteln und eine Montageanleitung erstellen
* Durchführung von Prüfungen und Versuchen zur Festlegung des Vorgehens für das anschließende sichere Benutzen
* Sicherstellung, dass die in Anhang VII Absch. B genannten technischen Unterlagen für die zuständige Behörde verfügbar sind

Die bisher übliche Betriebsanleitung wird nach der neuen MRL nicht mehr gefordert; stattdessen ist eine Einbauerklärung nach Anhang II Teil 1, Abschn. B auszustellen und der unvollständigen Maschine beizufügen.

Die unvollständige Maschine darf nach der MRL keine CE-Kennzeichnung mehr erhalten. Diese darf vielmehr erst dann angebracht werden, wenn die unvollständige Maschine eingebaut und die neue Maschine insgesamt fertiggestellt wurde. Die CEKonformität ist für die neue Maschine als Gesamtheit zu erklären.

Andere Richtlinien, denen die unvollständige Maschine ebenfalls entsprechen muss, können aber eine CE-Kennzeichnung erfordern. Das muss sich dann jedoch aus den speziellen Erklärungen und Begleitunterlagen ergeben. Ein Beispiel wäre hier die Anwendung der EMVRichtlinie.

Dem Einkaufsleiter habe ich folglich dazu geraten, zunächst darauf zu achten, dass mindestens folgende Unterlagen vom Lieferanten der Teilmaschine mitgeliefert werden:

* die Montageanleitung (gemäß Anhang VI der MRL), aus der hervorgeht, wie diese Maschine einzubauen ist und welche Anforderungen an die Sicherheit dabei zu erfüllen sind, und
* die Einbauerklärung (gemäß Anhang II, Teil 1, Abschnitt B der MRL)

Diese Unterlagen sind anschließend als Teil der technischen Unterlagen der vollständigen Maschine beizufügen. Für die technische Dokumentation, die Risikobewertung der neuen Gesamtmaschine und die Abgabe der Konformitätserklärung ist das zusammenbauende Unternehmen verantwortlich. Auch darauf habe ich den Einkäufer hingewiesen.

Machen Sie die Lieferung der Montageanleitung und Einbauerklärung, aber auch die Mitlieferung der technischen Unterlagen zur unvollständigen Maschine zum Bestandteil Ihrer Ausschreibung. So stellen Sie sicher, dass Ihnen diese Unterlagen für die Erstellung der Gesamtkonformität zur Verfügung stehen und Sie doppelte Arbeit vermeiden.

Außerdem stehen diese Unterlagen dadurch auch dann noch zur Verfügung, wenn es den Hersteller der Teilmaschine möglicherweise nicht mehr gibt.

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