Six Sigma: In 5 Schritten zur Prozessverbesserung

Messen ist das A und O bei Six Sigma. Was Sie messen können, können Sie genau verstehen und austesten. Was Sie genau verstanden haben, können Sie auch verbessern. Um die optimalen Ansatzpunkte für Six-Sigma-Projekte zu finden, brauchen Sie ein zuverlässiges Messsystem. Gehen Sie in den folgenden 5 Schritten vor:

Schritt 1: Beginnen Sie bei den Qualitätsanforderungen aus Kundensicht

Entwickeln Sie ein Verfahren, wie Sie kontinuierlich im Auge behalten, welche Qualitätserwartungen Ihre Kunden haben.
* Passgenaue Größen?
* Griffigkeit der Hebel?
* Angenehmer Geruch?
* Termingerechte Lieferung?
* …

Verlassen Sie sich nicht auf eigene Annahmen oder Aussagen der Kundenberater. Messen Sie die Zufriedenheit mit Ihren Produkten und Leistungen bei den Kunden selbst. Führen Sie zum Beispiel Kundenbefragungen durch oder analysieren Sie Reklamationen. Stellen Sie auch fest, wenn sich die Erwartungen verändern. *Ergebnis:* Sie wissen zuverlässig, was die Kunden als Qualität ansehen. Darauf kommt es letztlich für Ihren Markterfolg an.


Schritt 2: Messen Sie die Qualität Ihrer Ergebnisse

Betrachten Sie nicht nur die Produkte oder Leistungen, die bei den Kunden ankommen. Schauen Sie auch vorher, was zum Beispiel am Ende einer Produktionsstraße oder eines Arbeitsvorgangs herauskommt:
* Wie viele Ergebnisse sind genau richtig?
* Wie viele Ergebnisse weichen vom Zielwert ab?
* Wie wirken sich Einflussfaktoren auf Prozesser¬gebnisse aus?

Es reicht Ihnen nicht, dass die Kunden mit dem Gelieferten zufrieden sind. Sie wollen auch verhindern, dass Ihrem Unternehmen unnötige Kosten durch zu hohen Ausschuss oder vermeidbare Nacharbeiten entstehen. *Ergebnis:* Sie wissen, welche Qualität Ihre Prozesse produzieren. Sie kennen auch die Abhängigkeiten zwischen der erreichten Qualität und dem, was dem Prozess zugeführt wird.


Schritt 3: Setzen Sie die akzeptablen Limits fest

Welche Abweichungen von den Qualitätsmerkmalen sind für die Kunden noch akzeptabel?

Sie stellen für Ihre Kunden Kolben her. Um wie viel dürfen einzelne Kolben im Durchmesser nach oben und unten vom Sollmaß abweichen und sind doch noch akzeptabel?

Messen Sie nach, wie viele der produzierten Kolben nicht in den Toleranzgrenzen liegen. Ist die Fehlerquote so minimal, dass die Kosten zu vernachlässigen sind? Oder würde eine Reduzierung der Fehlerquote deutliche Einsparungen ermöglichen? *Ergebnis:* Sie sehen, welche Prozesse unverändert laufen können und welche für ein Verbesserungsprojekt in Frage kommen.

Schritt 4: Messen Sie die Erfolge von Verbesserungen

Jede Veränderung, die Sie durch ein Six-Sigma-Projekt einführen, soll die Zahl der Fehler pro Million Möglichkeiten (FpMM) senken und somit den Prozess auf ein höheres Sigma-Niveau heben. Messen Sie nach! Rechnen Sie aus, welche Einsparungen das Projekt durch mehr Qualität gebracht hat. Gegebenenfalls ermitteln Sie durch Kundenbefragungen oder Reklamationsanalysen, wie die Zufriedenheit Ihrer Kunden gestiegen ist. *Ergebnis:* Sie wissen, was die Verbesserungsprojekte gebracht haben.


Schritt 5: Behalten Sie Ihre Prozesse unter Kontrolle

Sie wollen nicht, dass bisher gute oder inzwischen verbesserte Prozesse schleichend nachlassen, immer mehr Abweichungen vom Soll produzieren und womöglich unbemerkt zurück auf ein niedrigeres Sigma-Niveau sinken. Setzen Sie innerhalb der Toleranzgrenzen der Kunden Ihre eigenen Toleranzgrenzen fest. Kontrollieren Sie dann den Prozess im Alltag.

Sie stellen für Ihre Kunden Kugeln mit einem Sollgewicht von 30 g her. Die Toleranzgrenzen der Kunden sind 28 bis 33 g. Sie legen Ihre eigenen Toleranzgrenzen bei 29,2 bis 32,5 g fest.

Solange die Abweichungen in diesen Grenzen bleiben, ist alles „im grünen Bereich“. Sie haben den Prozess unter Kontrolle. Stellen Sie jedoch im Laufe der Zeit fest, dass zunehmend Kugeln mit ihrem Gewicht Ihre eigenen Toleranzgrenzen unter- oder überschreiten, dann sollten „Alarmglocken“ läuten. Der Prozess ist gefährdet, in der Qualität nachzulassen. Sie sollten Verbesserungen durchführen, bevor Sie Kugeln produzieren, die für die Kunden nicht mehr akzeptabel wären. *Ergebnis:* Sie behalten im Blick, ob ein Prozess einwandfrei läuft oder verbessert werden sollte.

Bitte bedenken Sie, dass Aufbau und Pflege eines Six-Sigma-Messsystems kein „Ein-Mann-Job“ sein kann. Das können Sie nicht allein auf die Beine stellen und der Qualitätsmanager oder der Controller auch nicht. Es funktioniert nur, wenn Fachleute aus allen Bereichen, inklusive Vertrieb, Produktion und Verwaltung, mitziehen.

Sprechen Sie zuerst mit dem verantwortlichen Bereichsleiter, in dessen Verantwortungsbereich Sie einen verbesserungswürdigen Prozess sehen. Ihm wird zuerst daran gelegen sein, durch mehr Qualität die Kosten zu reduzieren. Schließen Sie sich bei der Identifizierung und Analyse der Einflussfaktoren mit dem Qualitätsmanager und mit Fachleuten des Prozesses zusammen. Bezüglich der Qualitätsanforderungen der Kunden und der bisherigen Zufriedenheit mit den Produkten kommunizieren Sie mit dem Vertrieb oder den Kundenberatern.

Suchen Sie Ihr Projekt zur Prozessverbesserung nach folgenden Kriterien aus:

# Der Prozess hat einen Verantwortlichen, der bereit ist, sich auf die Idee von Six Sigma einzulassen.
# Es gibt ausreichend Fachleute, die kreativ und erfahren genug sind, über gewohnte Routine hinaus neue Ideen zu entwickeln.
# Die Ergebnisse des Prozesses haben deutlichen Einfluss auf die Qualitätswahrnehmung Ihrer Kunden.
# Der Prozess ist nicht zu sehr mit anderen verzahnt. Dieses Kriterium ist vor allem wichtig, wenn Sie und das Team noch erste Erfahrungen mit Six Sigma sammeln müssen.
# Der Prozess verursacht aktuell durch zu viel Ausschuss zu hohe Kosten.


Checkliste: So starten Sie Ihr Six-Sigma-Projekt

1 Ermitteln Sie zumindest auf bestimmte Produkte bezogen die Kosten durch Fehler und Unzufriedenheit der Kunden.  
2 Ermitteln Sie die Qualitätserwartungen Ihrer Kunden.  
3 Ermitteln Sie zumindest bei einigen der wichtigsten Prozesse die Häufigkeit von Abweichungen der Ergebnisse vom Qualitätssoll  
4 Schließen Sie sich mit Kollegen aus Controlling, Vertrieb und Qualitätsmanagement zusammen. Entwickeln Sie gemeinsam Ideen, wie sich durch Verbesserungen Kosten einsparen und Qualitätserwartungen der Kunden besser erfüllen lassen.  
5 Überzeugen Sie Ihr Management von der Idee des Six Sigma als Null-Fehler-Toleranz. Schlagen Sie ein konkretes Projekt zur Prozessverbesserung vor.  
6 Weisen Sie durch Ihren Projekterfolg dem Management den Nutzen von Six Sigma nach.  
7 Entwickeln Sie mit den Kollegen der Personalabteilung ein Konzept zum Training im Hinblick auf die Rollen und „Gürtel“ nach Six Sigma.  

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