Neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG: Was die Verlängerung der Sicherheitsnorm EN 954-1 um 2 Jahre für Sie bedeutet

Neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG: Was die Verlängerung der Sicherheitsnorm EN 954-1 um 2 Jahre für Sie bedeutet

Die neue Sicherheitsnorm ISO 13849-1 ist nicht wie erwartet am 29.12.2009 in Kraft getreten. Sie haben jetzt bis Ende 2011 Zeit für die Umstellung. Warum Sie trotzdem so früh wie möglich umstellen sollten, lesen Sie hier.

Seit dem 29.12.2009 gilt die neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.
Mit der neuen Maschinenrichtlinie sollte auch die Norm EN ISO 13849-1 „Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen“ in Kraft treten und die gleichlautende Norm EN 954-1 ersetzen. Im Dezember 2009 hat nun die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten auf der Sitzung des Europäischen Maschinenausschusses beschlossen, die Gültigkeit der alten Norm um 2 Jahre zu verlängern. Stichtag für die Umstellung auf die neue Norm ist jetzt der 31.12.2011.
Bis zu diesem Tag bleibt die alte Norm parallel zur neuen bestehen.

Auch wenn die Frist Ihrem Betrieb bei der Umstellung auf die neue Norm noch etwas Luft schafft: Die neue Sicherheitsnorm sollten Sie trotzdem schon jetzt kennen. Ein Mangel der EN 954-1 ist nämlich, dass sie insbesondere bei programmierbaren elektronischen Steuerungssystemen keine ausreichenden Anforderungen an die Sicherheit definiert und keine Aussagen über Ausfallwahrscheinlichkeiten enthält.

Diese Änderungen müssen Sie beachten

Nach den Allgemeinen Grundsätzen des Anhangs I Nr. 1 der 2006/42/EG müssen Sie bei der Konstruktion einer Maschine eine Risikobeurteilung (bisher: Gefahrenanalyse) durchführen, um alle geltenden Sicherheits und Gesundheitsschutzanforderungen zu ermitteln. Die Risikobeurteilung muss sich dabei auf alle Lebensphasen (z. B. Wartung, Test, Materialentsorgung) der Maschine erstrecken.

Das bedeutet:
In jeder Lebensphase der Maschine müssen Sie die Gefährdungen, die von der Maschine ausgehen können, ermitteln und die Risiken bewerten, um eine eventuelle Risikominimierung einzuleiten (sogenanntes iteratives Verfahren).

Die EN 954-1 sah bisher eine Bewertung des Risikos nach Steuerungskategorien vor. Diese werden in der neuen Sicherheitsnorm EN ISO 13849-1 durch sogenannte Performance Levels (PL) abgelöst (siehe Grafik). Entsprechend diesen PL-Werten müssen Sie technische und organisatorische Maßnahmen ergreifen, damit die Maschine sowohl während des Betriebs als auch innerhalb aller anderen Lebensphasen sicher arbeitet.

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Neben diesen Bewertungskriterien müssen Sie in die PL-Werte außerdem folgende Betrachtungspunkte einfließen lassen:

* die Ausfallrate: Diese kann in Form der Angabe der Ausfälle pro Zeiteinheit oder in Form der Angabe von mittleren Lebensdauern angegeben werden. Von Bedeutung sind dabei vor allem MTBF (mean time between failure = mittlere Zeit zwischen 2 Ausfällen) und MTTF (mean time to failure = mittlere Zeit bis zum ersten Ausfall). Heute wird dabei oft kein Unterschied mehr zwischen MTBF und MTTF gemacht, weil nur die Zeitspanne bis zum ersten Ausfall betrachtet wird;

* den Diagnosedeckungsgrad: Dieser gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit
sich Fehler durch einen Test überhaupt zeigen;

* die Vermeidung von Fehlern gemeinsamer Ursache: Damit sind Einflussgrößen gemeint, die sich auf mehrere Systeme gleichzeitig auswirken.

Fazit:
Auch wenn Sie noch Schonfrist haben: Stellen Sie die Risikobewertung so bald wie möglich auf die neue Norm EN ISO 13849-1 um. Nach der Meinung vieler Experten entspricht die alte Norm zwar dem Stand der Technik und ist damit geeignet, die Anforderungen an die neue Maschinenrichtlinie zu erfüllen. Ob das aber im Einzelfall wirklich so ist, müssen Sie als Hersteller nun selbst prüfen. Die Umstellung auf die neue Norm erleichtert Ihnen deshalb die Arbeit: Sie gibt auf jeden Fall den Stand der Technik wieder, der als Maßstab für eine Produktprüfung durch die Aufsichtsbehörde gilt. Das ist gerade vor dem Hintergrund der Produkthaftung von besonderer Wichtigkeit.

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