Lieferantenverträge: So sichern Sie die Qualität Ihrer Zulieferer

Lieferantenverträge: So sichern Sie die Qualität Ihrer Zulieferer

Ist der Ruf erst ruiniert … – das Markenunternehmen Mercedes erlebte 2005 eine böse Überraschung, als es die größte Rückrufaktion seiner Unternehmensgeschichte durchführen musste. Unzählige Mängel der Mercedes-E-Klasse ramponierten das makellose Mercedes-Image gewaltig. Eckhard Cordes (Mercedes-Chef) steuerte dagegen. Cordes drohte mehreren 100 Lieferanten an, tägliche Qualitätsberichte an Mercedes liefern zu müssen, wenn bei Stichproben Fehler gefunden würden. Vor allem hatte er die Bauteilehersteller im Blick, deren Zulieferungen wiederholt beanstandet wurden. In Workshops mussten die Lieferanten ihre Qualitätssicherungsprozesse darlegen. Die Qualitätsoffensive von Mercedes, die Sanktionen und Ausschlüsse für Lieferanten zur Folge hatte, erzielte ihre Wirkung.

Zertifizierung ist der erste Schritt

Zulieferer aller Branchen wissen: Ohne Zertifizierungen kommen sie heute nicht aus. Sie sind in aller Regel einem hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die Zusammenarbeit mit Unternehmen in Niedriglohnländern verschärft die Situation. So ist die Zertifizierung für Automobilzulieferer nach ISO/TS 16949 Grundvoraussetzung für eine Zusammenarbeit. Setzen Sie bei der Wahl Ihrer Lieferanten auch Ihre eigenen Standards an. Ihnen ist z. B. ein Umweltmanagement wichtig, weil Sie Nachhaltigkeit als Marketing-Argument gegenüber Ihren Kunden nutzen. Dann lassen Sie sich Umweltstandards auch von Ihren Zulieferern garantieren (EN ISO 14001).

Warnung: Allein die Zertifizierungen sind keine Garantie für einwandfreie Bauteile, schon gar nicht eine Garantie dafür, dass Sie für Ihr Endprodukt nicht haften oder auf eine Eingangskontrolle Ihrer Lieferungen verzichten können. Regeln Sie Garantien über einen Lieferantenvertrag.

Koppeln Sie Ihren Vertrag mit dem Lieferanten an Bedingungen

Der ideale Vertrag sichert Ihnen eine bestimmte Qualität Ihrer gelieferten Waren zu. Denn so haben Sie später vor Gericht gute Aussichten auf Erfolg, wenn Sie wegen nicht eingehaltener Qualitätsversprechen oder einer zu späten Lieferung geschäftlich geschädigt wurden. Schaffen Sie sich eine Rechtsgrundlage, um Entschädigungen einfordern zu können.

Aufbau eines idealen Lieferantenvertrages (auch für Verträge mit ausländischen Unternehmen mustergültig)

Ein Lieferantenvertrag ist idealerweise modular aus folgenden Bausteinen aufgebaut:

1. Vertragsgrundlagen

1.1 Vertragspartner

Regeln Sie zunächst die Vertragsparteien und den Geltungsbereich des Vertrages.

1.2 Leistungsinhalt

Beschreiben Sie die Leistungen beider Vertragsparteien detailliert.

1.3 Leistungssicherung

Nehmen Sie an dieser Stelle auf, dass Ihr Zulieferer Ihnen Qualität nach den ihm bescheinigten Standards zu liefern hat und Sie über die Aufrechterhaltung und Änderungen der Zertifizierungen unverzüglich unterrichten muss. Nehmen Sie in diesem Part Bezug auf alle Gewährleistungen.

Widmen Sie diesen Teil auch möglichen Vertragsstrafen und Sanktionen. Lassen Sie sich Bankgarantien zusichern.

1.4 Durchführung des Vertrages

Nennen Sie Zeiträume, Dauer und Beendigung des Vertrages. Nehmen Sie mögliche Leistungsänderungen auf. Beschreiben Sie im Detail, wie beide Vertragsparteien die Leistungserbringung überwachen. Gehen Sie auch auf jeweilige Beziehungen gegenüber Dritten und wirtschaftlichen Umständen ein (z. B. Kunden, Beratern, Banken, Förderungen). Benachrichtigungspflichten in allen relevanten Unternehmenssituationen an Sie sind wichtig. Denn eine drohende Insolvenz Ihres Lieferanten hat gravierende Auswirkungen für Ihr Unternehmen. Schließlich haben Sie auch Lieferfristen einzuhalten.

1.5 Allgemeines

Der Allgemeine Teil beinhaltet eine salvatorische Klausel, das heißt, auch wenn Teile des Vertrags ungültig sein sollten, bleiben die gültigen Teile rechtskräftig. Darüber hinaus vereinbaren Sie in diesem Teil Rechtswahl, Gerichtsstand, Erfüllungsort und die Wahrung der Schriftform. Bei Verträgen mit ausländischen Geschäftspartnern wird auch die Sprache hier festgelegt.

2. Anlagen zum Vertrag

Technische Beschreibungen, Zertifizierungen und Nebenverträge als Anhänge sind das Herzstück des Vertrages zur Klärung von Qualitätskonflikten vor Gericht. Lassen Sie die Verträge nicht nur durch Ihre Rechtsabteilung, sondern gerade die technischen Details durch Ihre Ingenieure prüfen.

Qualitätsvereinbarungen als Präventionsmaßnahme

Der Vertrag schützt Sie nicht nur im Schadensfall. Er bietet Ihnen vielmehr die Möglichkeit, rechtzeitig ein Frühwarnsystem zu installieren (z. B. durch die Aufnahme gewisser Benachrichtigungspflichten oder Nachweispflichten in den Vertrag).

Fazit: Qualitätsmängel bei Ihren Produkten fallen auf Sie zurück und nicht auf den Zulieferer, der sie vielleicht verursacht hat. Mit einer Qualitätsvereinbarung reduzieren Sie die Gefahr eines Imageverlustes und können Schadensersatzansprüche vor Gericht besser durchsetzen.

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