Erfolgskontrolle in der Produktion: Wie Sie Kennzahlen effektiv einsetzen

Erfolgskontrolle in der Produktion: Wie Sie Kennzahlen effektiv einsetzen

Kennzahlen sind etwas für das Controlling Ihres Betriebs? Ganz und gar nicht, denn auch als Betriebsleiter können Sie vom richtigen Einsatz der Kennzahlen profitieren – auch wenn Sie sich bisher kaum Gedanken über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge gemacht haben.

Kennzahlen dienen der Erfolgskontrolle von Zielvereinbarungen Ihres Betriebs und sind damit Grundlage für Planungs- und Steuerungsentscheidungen.

Eine Kennzahl ist eine in Zahlen transformierte Information. Meistens handelt es sich um einen absoluten Wert oder einen Prozentwert. Mehrere Kennzahlen zusammen ergeben ein Kennzahlensystem. Herausragendes Merkmal eines Kennzahlensystems ist, dass die Kennzahlen in einer Beziehung zueinander stehen.


Diese Kennzahlen gibt es

Bis heute gibt es kein einheitliches Kennzahlensystem für den Produktionsbereich. Deshalb müssen Sie auf andere Kennzahlensysteme zurückgreifen, in denen Sie Kennzahlen aus der Produktion finden. Diese können Sie in produktionszielbezogene und produktionsmanagementbezogene Kennzahlen unterteilen.


Die produktionszielbezogenen Kennzahlen

Die produktionszielbezogenen Kennzahlen leiten Sie aus den Zielen ab, die Ihr Betrieb verfolgt. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die Unternehmensziele, die meist an der Maximierung des Gewinns orientiert sind.

1. Wirtschaftlichkeit

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip können Sie in ein Maximum- und ein Minimumprinzip aufteilen:

* Maximumprinzip: Sie erreichen mit einem vorgegebenen Betrag eine maximale Leistung.
* Minimumprinzip: Sie halten die Kosten so gering wie möglich, um eine fixe Leistung zu produzieren. Die Wirtschaftlichkeit lässt sich wie folgt darstellen:

*Wirtschaftlichkeit = Leistung : Kosten = Aufwand : Ertrag*

Beispiele für Kennzahlen in der Produktion
Zielgröße Kennzahl
Wirtschaftlichkeit
  • Kosten
  • Ertrag
  • Durchlaufzeit
  • Umsatz
Produktivität
  • Qualitätsrate
  • Ausschussquote
  • Termintreue
Rentabilität
  • Eingesetztes Kapital
  • Betriebsgewinn

2. Produktivität

Die Produktivität ist das mengenmäßige Verhältnis zwischen dem Ertrag (Output-Menge) und dem Einsatz (Input-Menge).

*Produktivität = Output-Menge : Input-Menge*

Häufig können Sie die Gesamtproduktivität nur sehr schwer bestimmen, weil Sie dafür zu viele Kennzahlen benötigen. Ein Weg, um die Produktivität zu messen, ist deshalb die Bildung von sogenannten Teilproduktivitäten. Dabei setzen Sie die gesamte Output-Menge mit der Menge der jeweils betrachteten Input-Art ins Verhältnis. Häufig verwendete Teilproduktivitäten sind:

* Arbeitsproduktivität (Output-Menge : Mitarbeiter)
* Maschinenproduktivität (Output-Menge : Maschinenstunden)

Durch die so ermittelten Teilproduktivitäten lassen sich die einzelnen Fertigungsstätten in Bezug auf die Produktivität vergleichen, ohne durch andere Größen verfälscht zu werden.

3. Rentabilität

Die Rentabilität ist das Verhältnis des Erfolgs zum eingesetzten Kapital. Je nachdem, ob Ihr Betrieb Gesamt-, Eigen- oder Fremdkapital verwendet, unterscheiden Sie auch zwischen Gesamt-, Eigen- und Fremdkapitalrentabilität.

Die allgemeine Formel der Rentabilität lautet:

*Rentabilität = Erfolg : Kapitaleinsatz*


Die produktionsmanagementbezogenen Kennzahlen

Es gibt keine Kennzahlen, die das Produktionsmanagement als Komplex beschreiben. Deshalb müssen Sie auf Kennzahlen zurückgreifen, die die Aufgabenbereiche des Produktionsmanagements beschreiben (z. B. bestehend aus Planung, Organisation, Controlling). Grob können Sie diese Kennzahlen in monetäre und nichtmonetäre Kennzahlen unterteilen.

1. Monetäre Kennzahlen

Monetäre Kennzahlen werden zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit herangezogen. Sie werden auch als Finanzkennzahlen bezeichnet und entstammen dem betrieblichen Rechnungswesen. Sie stehen Ihnen ohne größeren Aufwand zur Verfügung. Beispiele für Finanzkennzahlen sind Umsatzerlöse, Eigenkapital, Verbindlichkeiten oder das Betriebsergebnis.

2. Nichtmonetäre Kennzahlen

Nichtmonetäre Kennzahlen müssen durch Aufschreiben oder Auswerten vorhandener Daten ermittelt werden.

Die Gliederung der monetären wie nichtmonetären Kennzahlen erfolgt in

* inputbezogene,
* outputbezogene und
* Input und Output miteinander verknüpfende Kennzahlen.


So setzen Sie Kennzahlen in der Produktion ein

Materialbedarfsplanung

Ihr Betrieb plant die Produktion eines neuen Produkts. Dafür möchten Sie berechnen, wie viel Material Sie einsetzen müssen. Bei der Entscheidung können Sie z. B. die Kennzahlen der ABC-Analyse und die Teileverwendungsmöglichkeit anwenden, um zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen.

Die produktionsmanagementbezogenen Kennzahlen
Monetäre Kennzahlen
Inputbezogene Outputbezogene Input und Output
miteinander verknüpfende
  • Automatisierungs-
  • grad (Verhältnis zwischen Produktions-maschinen und Produktionslöhnen)
  • Materialintensität (Anteil der Materialkosten in Prozent der gesamten Kosten)
  • Maschinenstunden-
  • satz
  • Durchschnittlicher Wert der Anlagen
  • ABC-Analyse des Werts der im Lager vorhandenen Teile
Wert der Jahresproduktion eines Produktes
Wertmäßige Produktionsstruktur (wertmäßiger Anteil eines Produkts an der Gesamtproduktion)
Deckungsbeitrag (Anteil, den ein Produkt zur Deckung der Fixkosten beiträgt)
Umsatz oder Gewinn pro Mitarbeiter
Kostenstruktur (Kostenanteile der einzelnen Komponenten eines Produkts an den Gesamtkosten)
Nichtmonetäre Kennzahlen
Inputbezogene Outputbezogene Input und Output
miteinander verknüpfende
Durchschnittliches Anlagenalter
Beschäftigungs-struktur
Teilevielfalt

Ausschussquote

Kapazitätsauslastungs-

grad Durchlaufzeit
Effektive Ausbringungsmenge
Bestmögliche Ausbringungsmenge
Mengenmäßige Produktionsstruktur (Anteil, den ein Produkt an der Gesamtproduktion in Prozent besitzt)
Produktionsvolumen pro Tag (Menge der Gesamtproduktion an einem Tag)

Arbeitsstunden pro Stück (Zeit, die Sie benötigen, um eine Output-Einheit zu produzieren)
Teileverwendungs-möglichkeit (in wie vielen Produkten ein Teil verwendet werden kann)
Leistungsgrad (prozentuales Verhältnis zwischen effektiver Leistung und vorgegebener Leistung)
Terminplanung

Sie wollen berechnen, wann Sie mit der Produktion einer Losgröße beginnen müssen, um sie rechtzeitig an den Kunden zu liefern. Kennzahlen dafür könnten die Durchlaufzeit und die Kapazitätsauslastung sein.


Stellen Sie die Kennzahlen im Berichtswesen zusammen

Haben Sie die zur Planung und Steuerung erforderlichen Kennzahlen ermittelt, stellen Sie sie im Berichtswesen zusammen. Zweck des Berichtswesens ist es, die Informationen standardisiert aufzubereiten. In Berichten bilden Sie die tatsächliche Leistungsfähigkeit Ihres Betriebs ab. Damit liefern Sie das Datenmaterial für Zielerfolgskontrollen und Abweichungsanalysen.

*Hinweis:*
Das Berichtswesen dient nicht dazu, einen Schuldigen zu finden, wenn Unternehmensziele nicht erreicht wurden. Es hat vielmehr das Ziel, Verbesserungsbedarf zu analysieren und – in einem 2. Schritt – auch umzusetzen.

* **Selbstverständlich können Sie den Spezial-Report auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

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