Welche Vor- und Nachteile die 4 häufigsten flexiblen Arbeitszeitmodelle haben

Welche Vor- und Nachteile die 4 häufigsten flexiblen Arbeitszeitmodelle haben

Flexible Arbeitszeit gewinnt 2010 weiter an Bedeutung. In Ihrem Verantwortungsbereich hat die optimale Auslastung höchste Priorität. Daher finden Sie hier eine übersichtliche Entscheidungshilfe, welches Modell sich für Ihre Anforderungen am besten eignet.

Immer mehr Betriebe gehen dazu über, starre Arbeitszeitregelungen zugunsten flexibler Arbeitszeitmodelle aufzugeben. Wer in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben will, muss die Arbeit im Betrieb so strukturieren und organisieren, dass die Beschäftigten optimal für die Umsetzung von Kundenwünschen und -aufträgen eingesetzt werden. Die Vorteile flexibler Arbeitszeiten liegen auf der Hand:

* Wenn Ihre Mitarbeiter eigenverantwortlich bestimmen können, wie sie ihre Arbeitszeit einteilen, arbeiten sie motivierter und engagierter.
* Sie werden als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen. Dadurch haben Sie bessere Chancen, Fach- und Führungskräfte zu rekrutieren.
* Sie verbessern Ihre Wettbewerbsfähigkeit, da Sie Ihre Mitarbeiter optimal an die Auftragslage anpassen können.


Diese flexiblen Arbeitszeitmodelle gibt es

Flexible Arbeitszeitmodelle lassen sich nach 2 Kriterien kategorisieren:

Nach der Dauer der Arbeitszeit:

Die Dauer der Arbeitszeit wird im Arbeitsvertrag vereinbart. Sie kann nur im Rahmen gesetzlicher und tariflicher Regelungen verkürzt oder verlängert werden. Darunter fallen folgende Arbeitszeitmodelle:

* Teilzeit
* Job-Sharing
* Kurzarbeit
* Mehrarbeit


Nach der Lage und Verteilung der Arbeitszeit:

Die Lage der Arbeitszeit bezieht sich auf den Beginn und das Ende der zu leistenden Arbeitszeit. Sie kann pro Tag, Woche, Monat oder Jahr vereinbart werden. Diese Arbeitszeitmodelle werden häufig auch als die „klassischen“ flexiblen Arbeitszeitmodelle angesehen, denn Arbeitszeitbeginn und -ende können (im Gegensatz zu den oben genannten Arbeitszeitmodellen) flexibel gestaltet werden. Zu ihnen zählen:

* Gleitzeit
* Funktionszeit
* Jahresarbeitszeit
* Wahlarbeitszeit
* Vertrauensarbeitszeit
* Telearbeit
* Versetzte Arbeitszeit


Voraussetzungen für flexible Arbeitszeitmodelle

Voraussetzung für flexible Arbeitszeitmodelle ist (mit wenigen Ausnahmen) die Einrichtung eines Arbeitszeitkontos für jeden Mitarbeiter. Dabei handelt es sich um ein persönliches Zeitkonto, in dem die täglichen Abweichungen von der tatsächlich geleisteten und der vereinbarten Arbeitszeit festgehalten werden. Der „Kontostand“ jedes einzelnen Beschäftigten kann ausgeglichen sein oder Plus- bzw. Minusstunden aufweisen. Die meisten Arbeitzeitkonten in der betrieblichen Praxis sind Kurzzeitkonten, die am Ende des Monats oder Jahres ausgeglichen sein müssen. Für den Fall, dass ein Arbeitszeitkonto im vereinbarten Zeitraum zu starke Schwankungen in den Plus- oder Minusbereich aufweist, müssen Regelungen getroffen werden. Bewährt hat sich dafür das Ampelkontomodell, das 3 Phasen definiert:

Grünphase (+/- 25 Stunden): Diesen Bereich verwalten die Mitarbeiter eigenverantwortlich.

Gelbphase (+/- 26 bis ca. +/- 50 Stunden): Der Mitarbeiter vereinbart gemeinsam mit dem Vorgesetzten und der Gruppe Maßnahmen zum Ausgleich des Zeitkontos.

Rotphase (+/- ca. 51 bis ca. +/- 70 Stunden): Diese Phase tritt ein, wenn der Mitarbeiter in der Gelbphase die Plus- oder Minusstunden nicht ausgleichen kann. Der Mitarbeiter vereinbart gemeinsam mit der Geschäftsführung, dem Vorgesetzten und der Gruppe Maßnahmen zum Ausgleich des Zeitkontos, z.B. Freizeitausgleich bei einem zu hohen Plus.


Die 4 wichtigsten flexiblen Arbeitszeitmodelle für Produktionsbetriebe im Überblick

Modell 1: Gleitzeit

Üblicherweise besteht die Gleitzeit aus einer Kernarbeitszeit (meistens 9:00 bis 15:00 Uhr), zu der alle Beschäftigten anwesend sein müssen, und den Ein- und Ausgleitzeiten, in denen die Mitarbeiter Arbeitsbeginn und -ende individuell festlegen können. Gleitarbeitszeit wird im Arbeitsvertrag festgelegt.

*Vorteile:* Die Beschäftigten können Zeitguthaben ansparen und diese für private Zwecke nutzen, was nachhaltig zur Motivation beiträgt. Durch die individuelle Gestaltung von Arbeitsbeginn und –ende müssen unaufschiebbare private Termine wie Behördengänge und Arztbesuche nicht mehr in der Arbeitszeit wahrgenommen werden. Das gilt zumindest für Büroarbeitsplätze. Bei Schichtarbeit sind allerdings vorherige Absprachen der Schichtarbeiter und ggf. der Einsatz eines Springers notwendig.

Modell 2: Funktionszeit

Die Funktionszeit ist die wesentlich freiere Variante der Gleitarbeitszeit, denn sie verzichtet auch auf Kernarbeitszeiten. Stattdessen gibt es betrieblich vereinbarte Funktionszeiten, zu denen die einzelnen Betriebsbereiche „funktionsfähig“ sein müssen. Diese Vorgabe ist die einzige Voraussetzung für die Regelung der Arbeitszeit. Alles andere wie z. B. Anwesenheitszeiten oder Urlaub regelt das Team oder die Arbeitsgruppe vollkommen autonom. Das setzt bei den Mitarbeitern eines Teams eine hohe soziale Kompetenz voraus.

*Vorteile:* Bei diesem Arbeitszeitmodell steht das Arbeitsergebnis im Vordergrund und nicht die geleistete Arbeitszeit. Das kommt gerade hoch qualifizierten Menschen entgegen, die über die alltäglichen Routinearbeiten hinaus auch kreative Arbeit erledigen müssen (z. B. Entwicklungsingenieure, Industrie-Designer etc.).

*Nachteile:* Der wohl größte Nachteil des Funktionsarbeitszeitmodells ist der, dass Ihre Mitarbeiter nicht immer greifbar sind – und im Zweifelsfall dann nicht greifbar sind, wenn Sie sie dringend brauchen. Dieses Arbeitszeitmodell ist daher nur dann empfehlenswert, wenn Sie kreativen Köpfen größtmögliches Entwicklungspotenzial bieten möchten, auf konkrete Arbeitszeitvorgaben aber verzichten können.

Modell 3: Versetzte Arbeitszeit

Bei diesem Arbeitszeitmodell bieten Sie den Beschäftigten verschiedene Arbeitsblöcke mit festen Anfangs- und Endzeiten an. Diese Blöcke decken den gesamten täglichen Betriebszeitbedarf ab. Beschäftigtengruppen können sich für das Zeitfenster entscheiden, in dem sie die nächsten Wochen oder Monate arbeiten möchten.

*Vorteile:* Sie können Ihre Beschäftigten schneller als im klassischen Schichtsystem an die Auftragslage anpassen. Kosten- und Organisationsaufwand halten sich in Grenzen.

*Nachteile:* Zwar ist dieses Arbeitszeitmodell im Vergleich zu einem festen Schichtsystem deutlich flexibler handhabbar. Durch die festen Anfangs- und Endzeiten stellt es für die Beschäftigten allerdings trotzdem
ein starres System dar.

Modell 4: Telearbeit

Telearbeit wird (größtenteils) von zuhause aus erbracht. Es wird unterschieden zwischen Teleheimarbeit und alternierender Telearbeit. Im ersten Fall erledigt der Beschäftigte die Arbeit ausschließlich von zuhause aus, im 2. Fall sind Präsenztage im Betrieb vorgesehen. Für Telearbeit sind ausschließlich Arbeiten vorgesehen, die am PC erledigt werden können und für die eine Anwesenheit des Mitarbeiters vor Ort nicht notwendig ist (also z. B. die Programmierung von Software oder der Entwurf eines bestimmten Designs). Darüber hinaus muss der Arbeitsplatz zuhause telearbeitkompatibel eingerichtet werden.

*Vorteile:* Die Mitarbeiter haben keine An- und Abfahrtszeiten zu und vom Betrieb. Das erhöht die Motivation und die Produktivität des Beschäftigten. Kosten für Arbeitsräume, die der Betrieb zur Verfügung stellen muss, entfallen.

*Nachteile:* Sie können Telearbeit nur für bestimmte Arbeiten wie z.B. Sacharbeiten oder Buchhaltung einsetzen. Für Tätigkeiten in der Produktion ist Telearbeit nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Diese flexiblen Arbeitszeitmodelle gibt es außerdem
  Definition Wann geeignet?
Jahresarbeitszeit Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit wird im Laufe eines Jahres erbracht.

Vorteil: Auf schwankende Auftragslagen kann flexibel reagiert werden. Das Modell ist außerdem kostengünstig, denn Mehrarbeit im Rahmen der Jahresarbeitszeit muss nicht zusätzlich vergütet werden.

Dieses Arbeitszeitmodell ist nur dann geeignet, wenn es stark (saisonal) schwankende Auftragslagen gibt. Gibt es Auftragsspitzen, wird viel gearbeitet, bei Flauten gibt es Freizeit.
Wahlarbeitszeit
(Bausteinsystem)
Der Personalbedarfsplan wird offen ausgehängt. Der Plan ist so angelegt, dass zu Stoßzeiten des Tages mehr Mitarbeiter anwesend sind, während bei Flauten weniger nötig sind. Die Mitarbeiter sprechen sich individuell ab, wann sie arbeiten möchten. Alle Einsatzzeiten müssen vergeben werden.

Vorteil: Die Mitarbeiter erhalten mehr Zeitsouveränität. Bei optimaler Planung können Sie Personalkosten einsparen, da Sie Mitarbeiter nicht mehr „auf Verdacht“ bestellen müssen.

Nachteil: Die Wahlarbeitszeit ist vor allem für Betriebe mit vielen Teilzeitkräften geeignet.

Die Wahlarbeitszeit ist vor allem für Gewerbe mit Stoßzeiten geeignet (z. B. Einzelhandel oder Bäckereien).
Vertrauens-arbeitszeit Es gibt keine formale Zeiterfassung. Der Vorgesetzte vertraut darauf, dass die Arbeit termingerecht erledigt wird.

Vorteil: Durch das in sie gesetzte Vertrauen motivieren Sie die Mitarbeiter zu Höchstleistungen. In der Regel missbrauchen Mitarbeiter dieses Vertrauen auch nicht. Für Ihren Betrieb kann das einen bedeutenden Imagegewinn bedeuten, der sich positiv auf die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften auswirkt.

Dieses Arbeitszeitmodell ist am ehesten für kreative Köpfe, z. B. in der Forschung & Entwicklung, geeignet.

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