Qualifikationen bei der Arbeit mit Gefahrstoffen

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Der feine Unterschied zwischen Fachkunde und Sachkunde

Für bestimmte Aufgaben im Zusammenhang mit Gefahrstoffen benötigen Sie spezielle Qualifikationen. Die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) regelt genau, wann Sie den Nachweis der Sachkunde oder der Fachkunde erbringen müssen.

Wer fachkundig ist, besitzt die Befähigung zur Ausübung einer bestimm- ten Aufgabe. Dabei orientieren sich die Anforderungen an die Fachkunde an der jeweiligen Art der Aufgabe. Zu den Anforderungen können eine entsprechende Berufsausbildung, Berufserfahrung, zeitnahe berufliche Tätigkeit und die Teilnahme an speziellen Weiterbildungsmaßnahmen zählen. Von der „Fachkunde“ zu unterscheiden ist die „Sachkunde“. Die Sachkunde wird im Unterschied zur Fachkunde stets durch die Teilnahme an einem behördlich anerkannten Sachkundelehrgang und durch das Ablegen einer speziellen Prüfung nachgewiesen.

Keine Regel ohne Ausnahme

Die REACH-Verordnung (EG) Nr.1907/2006 verlangt, dass ausschließlich sachkundige Personen Sicherheitsdatenblätter erstellen. Das dort Gemeinte entspricht aber der „Fachkunde“ im Sinne der Gefahrstoff- verordnung 2010.

Auf Verlangen haben Sie Ihrer zuständigen Behörde die in Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 geforderte Fachkunde für die Erstellung von Sicherheitsdatenblättern nachzuweisen. Daher sollten Sie sich die Teilnahme an entsprechenden Seminaren stets bescheinigen lassen.

Die SiFa ist fachkundig

Die Gefährdungsbeurteilung darf ausschließlich von fachkundigen Perso- nen durchgeführt werden. Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit, aber auch Ihr Betriebsarzt können diese Aufgabe übernehmen, weil Sie fach- kundig im Sinne der Gefahrstoffverordnung sind.

Arbeitsplatzmessungen

Wer Arbeitsplatzmessungen durchführt, muss fachkundig sein. Die Anforderungen an die Fachkunde sind in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 402 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen
bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition“ beschrieben.

Öffnen begaster Einheiten

Begaste Fahrzeuge, Waggons, Container, Tanks oder andere begaste Transportbehälter dürfen nur unter Aufsicht einer fachkundigen Person geöffnet werden, die in der Lage ist, mögliche Gefährdungen von Beschäf-tigten oder anderen Personen zu ermitteln, zu beurteilen und die erfor- derlichen Schutzmaßnahmen zu veranlassen. Begasungen dürfen aus- schließlich von Personen mit Sachkundenachweis durchgeführt werden.

Giftstoffe gehören nur in fachkundige Hände

Die Gefahrstoffverordnung 2010 verlangt, dass Sie „Totenkopf-Stoffe“ unter Verschluss aufbewahren oder so aufbewahren oder lagern, dass nur fachkundige Personen Zugang haben. Tätigkeiten mit diesen Stoffen und Zubereitungen mit atemwegsensibilisierenden Stoffen und Zuberei- tungen dürfen nur von fachkundigen oder besonders unterwiesenen Personen ausgeführt werden.

Wichtig für Sie: Diese Regelung gilt nicht für Kraftstoffe an Tankstellen.

Lehrgang + Prüfung = Sachkunde

Begasungen

Für Tätigkeiten mit Begasungsmitteln, wie z. B. Cyanwasserstoff (Blau- säure) oder Phosphorwasserstoff, benötigen Sie die Erlaubnis der zuständigen Behörde. Damit Sie diese Erlaubnis erhalten, sind die erforderliche Sachkunde und ausreichende Erfahrung für Begasungen nachzuweisen. Die Kriterien hierfür sind in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 512 „Begasungen“ festgelegt.

ASI-Arbeiten unter Aufsicht von Sachkundigen

Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten) mit Asbest dürfen nur von geeigneten Fachbetrieben durchgeführt werden.

Bei den Arbeiten ist dafür zu sorgen, dass mindestens eine weisungs- befugte sachkundige Person vor Ort tätig ist. Dieser Sachkundenachweis wird durch die erfolgreiche Teilnahme an einem von der zuständigen Behörde anerkannten Sachkundelehrgang erbracht.

Die Kriterien sind in der TRGS 519 „Asbest: Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten“ festgelegt.

Schädlingsbekämpfung

Für die Schädlingsbekämpfung mit sehr giftigen, giftigen und gesundheits-schädlichen Chemikalien benötigen Sie sachkundige Personen.

Sachkundig sind beispielsweise Personen, die die Berufsausbildung zum Schädlingsbekämpfer erfolgreich abgeschlossen haben und „Geprüfte Schädlingsbekämpfer“ sind. Ihre zuständige Behörde kann aber auch andere Qualifikationen als gleichwertig anerkennen.

Die TRGS 402, 512 und 519 können Sie kostenlos von unserer Web- site www.bwr-media.de im Premiumbereich unter „Gefahrstoff & Gefahrgut“ herunterladen.

Wenn Sie Zweifel haben, ob Sie für eine Aufgabe ausreichend qualifiziert sind, sollten Sie Ihre zuständige Behörde kontaktieren. Das Amt für Arbeitsschutz und die Gewerbeaufsicht sind nicht nur für die Überwachung der Einhaltung der Gefahrstoffverordnung zuständig, sondern beraten auch.

_Gabriele Janssen_

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