Wie Sie MRE typisieren

Wie Sie MRE typisieren

MRE (multiresistente Erreger) sind sehr heterogen und vor allem lebensgefährlich. Mit der zuverlässigen Typisierung schaffen Sie die Voraussetzung für erfolgreiche Gegenmaßnahmen.

Sicher haben auch Sie die Entwicklung verfolgt, dass in den vergangenen 3 Jahrzehnten gegen bestimmte Antibiotika resistente Mikroorganismen (ARM) oder auch MRE verstärkt zugenommen haben. Diese gehören zu den fakultativ pathogenen Erregern aus der Umwelt (z. B. Pseudomonas spp., Acinetobacter spp.) und zu den Erregern der endogenen (Schleim-)Hautflora (Staphylococcus spp., Enterococcus spp.) des Menschen selbst und können Ursache von Infektionen sein.

Einige Spezies sind sehr heterogen. So gibt es unter den gegen Methicillin resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) Stämme, die vorwiegend in Krankenhäusern selektiert werden und sich dort ausbreiten (hospitalacquired = haMRSA), andere, die ein genuines erhöhtes Krankheitspotenzial (Virulenz) besitzen (communi ty-acquired = caMRSA), oder wieder andere, die sich in Tierbeständen und von dort auf den Menschen ausbreiten (livestock-associated = laMRSA). Zum Einsatz korrekter Gegenmaßnahmen ist es notwendig, die verschiedenen Stämme der gleichen Spezies „S. aureus“ voneinander zu unterscheiden.


So bestimmen Sie den Subtyp des Erregers

Heutzutage werden vor allem molekulare sequenzbasierte Typisierungsmethoden eingesetzt. Die Entscheidung darüber, welche Methode Sie in Ihrem Labor als Typisierungsmethode einsetzen, hängt von der Fragestellung und danach von den Parametern der Methode (Typisierbarkeit, Reproduzierbarkeit, Vergleichbarkeit) sowie von Aufwand und Kosten ab.


Mit der spa-Typisierung zum MRSA-Subtyp

Die Typisierungsmethode der Wahl bei MRSA ist die spa-Typisierung. Die spa-Typisierung nutzt die Vorteile der Sequenzierung (Vergleichbarkeit, Reproduzierbarkeit) und des Internets (Datenkommunikation, Schnelligkeit). Sie kann für unterschiedliche krankenhaushygienische Fragestellungen genutzt werden. So können Sie beispielsweise folgende praxisrelevante Fragestellungen in Ihrem Labor bearbeiten:

# Unterscheidung einer vermeintlichen Häufung unterschiedlicher MRSA von einem echten Ausbruch
# Hinweise auf das Vorliegen von caMRSA
# Erkennen eines tierischen Reservoirs

Die spa-Typisierung lässt sich zudem als epidemiologisches Rückgrat der regionalen MRSA-Netzwerkbildung nutzen. Dabei hängt die Nutzbarkeit der spa-Typisierung von der lokalen und regionalen Häufigkeit einzelner spa-Typen ab.

Vergleich verschiedener Methoden der molekularen Typisierung bakterieller Infektionserreger
Typisierungs-methode Typisier-barkeit
in %

Repro-

duzier-

barkeit

Arbeitsauf-

wand
(Kosten
in € pro
Typisierung)

Diskrimi-nierungs-fähigkeit

Vergleich-

barkeit

Multilocus-
Sequenz-
Typisierung
(MLST)
100 sehr hoch aufwändig
(ca. 350–550)
gut sehr gut
spa-
Typisierung
99,9 sehr hoch moderat
(ca. 30–60)
(sehr) gut sehr gut
Pulsfeldgel-elektro-phorese
(PFGE)
95 hoch aufwändig
(75–120)
sehr gut gut
Rep-PCR und
andere
PCR-basierte
Methoden
85 hoch gering
(10–20)
moderat schlecht
RAPD 82 moderat gering
(10–20)
gut moderat

Sequenztypisierung von S. aureus Protein A

Die spa-Typisierung ist eine sequenzbasierte Methode, die mittels PCR und Sequenzierung von sich wiederholenden kurzen Genabschnitten (variable tandem repeats) des für das Protein A codierenden Gens von S. aureus genutzt wird. Protein A ist seit langem als Protein in der Immunant wort bekannt, die Nutzbarkeit seiner Variabilität als Typisierungsmethode bei S. aureus wurde Mitte der 90er Jahre von einer niederländischen Arbeitsgruppe beschrieben.

Die überwiegende Mehrheit der Repeats ist 24 Basenpaare lang. Das 1. sowie das letzte Repeat identifizie ren Sie mittels Gensequenzen. Da bisher mindestens 3 solcher Repeats in unterschiedlicher Kombination vorkommen, ergibt sich hieraus eine wiedererkennbare Repeat-Folge, die Ihnen mittels Analysesoftware und Nutzung einer gemeinsamen Datenbank (Ridom spa-Server) eine weltweit vergleichbare Nomenklatur ermöglicht. Durch Training in Sequenziertechnik und Qualitätskontrolle (korrekte Durchführung eines spa-Ringversuchs) ist es gelungen, ein internationales Netzwerk der spa-Typisierung (SeqNet.org) aufzubauen.

Zur Information: Hauptziel von SeqNet.org ist die Schaffung einer eindeutigen elektronischen transportablen (online) und einfach vergleichbaren Datenbank mit exzellenter Datenqualität zu MRSA. Diese soll so vielen Laboratorien wie möglich europa- und weltweit zur Verfügung stehen, um lokale krankenhaushygienische, regionale, aber auch internationale Fragestellungen zur MRSA-Epidemiologie beantworten zu können.

spa-Typisierung von S. aureus Protein A
Vorteile Nachteile
Zeitnahe und kontinuierliche Erfassung aller MRSAIsolate Intensives Training in PCR und Sequenziermethoden
Gesamtepidemiologische Einordnung (z. B. um caMRSA von ha- und laMRSA zu unterscheiden) Analysesoftware erforderlich
Rasche Differenzierung zwischen klonalen Clustern und zufälligen Häufungen epidemiologisch unabhängiger MRSA-Isolate, die regelmäßig im Klinikum vorkommen. Reduzierte Nutzbarkeit für kleinraumepidemiologische Fragestellungen aufgrund hochendemischer Stämme
evidenzbasierter und ressourcenschonender Einsatz von Hygienemaßnahmen

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