Mutterschutz im Labor – Das sollten Sie als Führungskraft wissen

Mutterschutz im Labor – Das sollten Sie als Führungskraft wissen

In Kürze treten verschärfte Bestimmungen in Kraft mit dem Ziel, Schwangere und Ungeborene besser vor schädlichen Stoffen zu schützen. Als Arbeitgeber kommt Ihnen hier eine große Verantwortung zu. Lesen Sie hier, worauf es im Einzelnen ankommt.

MAK-Werte und Schwangerschaft

Die Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe legt für nicht krebser- zeugend wirkende Stoffe maximale Arbeitsplatzkonzentrationen (MAKWerte) und Biologische Arbeitsstofftoleranzwerte (BAT-Werte) fest. Unter www.dfg.de ( > DFG Im Profil > Struktur > Gremien > Senat > Kommissionen und Ausschüsse des Senats > „Prüfung gesundheits- schädlicher Arbeitsstoffe“) finden Sie neben den aktuellen MAK- und BATWerten auch die Liste der Neuaufnahmen und geplanten Änderungen.

Die MAK-Werte-Liste enthält eine Spalte „Schwangerschaft, Gruppe“, in der eine Zuordnung in folgende 4 Gruppen erfolgt:

Gruppe A: Eine fruchtschädigende Wirkung ist beim Menschen sicher nachgewiesen und auch bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes zu erwarten.

Gruppe B: Mit einer fruchtschädigenden Wirkung muss nach den vorliegenden Informationen auch bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes gerechnet werden.

Gruppe C: Eine fruchtschädigende Wirkung braucht bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes nicht befürchtet zu werden.

Gruppe D: Für die Beurteilung der fruchtschädigenden Wirkung liegen entweder keine Daten vor oder die Daten reichen für eine Einstufung in A, B oder C nicht aus.

Schutzausrüstung und Schulungen

In der großen Zahl von Stoffen, die einen MAK-Wert haben, gibt es nur wenige wenige, die nachweislich oder vermutlich fruchtschädigend sind. Selbst bei dem als fruchtschädigend bekannten Stoff Blei ist die gefähr- liche Konzentration nicht genau bekannt. Gehen Sie auch davon aus,
dass krebserregende Arbeitsstoffe, die keinen MAK-Wert haben, zu Missbildungen führen können.

Informieren Sie mindestens einmal jährlich Ihre Mitarbeiterinnen über:

1. § 12 Arbeitsschutzgesetz

2. § 14 Abs. 2 und 3 Gefahrstoffverordnung

3. § 4 UVV (Unfallverhütungsvorschriften) „Grundsätze der Prävention“ (BGV (Berufsgenossenschaftliche Vorschriften) A1) und

4. § 12a Abs. 1 Gentechnik-Sicherheitsverordnung

5. Arbeitsplatzbezogene Probleme einer Schwangerschaft

Entscheidend dabei sind das sichere Verhalten am Arbeitsplatz, das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung und das Beachten der üblichen arbeitshygienischen Maßnahmen im Labor.

Einstufung nach europäischem und nationalem Recht

Seit dem 20.1.2009 gilt für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union die Verordnung (EG) Nr. 1272/2009 über die Einstufung und Verpackung von Stoffen und Gemischen. Die Richtlinien 67/548/EWG1 (Stoffrichtlinie) und 1999/45/EG2 (Zubereitungsrichtlinie), die bisher gültige rechtliche Basis zur Einstufung und Kennzeichnung, werden zum 1.6.2015 zurück- gezogen. Im Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG 1 sind EU-Legal- einstufungen für ca. 3.500 Stoffe festgeschrieben. Die gesamte Liste wurde in den Anhang VI der neuen GHS-Verordnung (Globally Harmonized System) mit rechtlich verbindlicher Wirkung aufgenommen. Sie steht Ihnen deshalb weiterhin für Ihre tägliche Laborpraxis zur Verfügung. Hier finden Sie die als fruchtschädigend (RE) eingestuften Stoffe.

Für diesen Monat ist eine erste Anpassung der GHS-Verordnung geplant, bei der die Stoffe aus der 30. und 31. ATP (Anpassungsrichtlinie an den technischen Fortschritt (progress)) in den Anhang VI der GHSVerordnung übernommen werden.

Bitte informieren Sie sich unter www. baua.de > Gefahrstoffe > Rechtstexte Gefahrstoffe > EG-Richtlinien über die aktuelle Stoffliste.

In der Gefahrstoffverordnung werden die Bezüge zur Einstufung nach 67/548/EWG und 1999/45/EWG bis zum Außer-Kraft-Treten der beiden Richtlinien beibehalten. Auch die bestehenden Technischen Regeln können Sie zunächst unverändert anwenden. Die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 905 enthält im „Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe“ in der Spalte „RE“ gegenüber der 67/548/ EWG zusätzlich oder abweichend eingestufte Stoffe, (www.baua.de/de > Gefahrstoffe > Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS)).

Je früher Sie Bescheid wissen, desto besser

Laut Mutterschutzgesetz (MuSchG) sollen werdende Mütter ihre Schwanger- schaft dem Arbeitgeber mitteilen, sobald sie ihnen bekannt ist. Je früher Sie Bescheid wissen, desto eher können Sie prüfen, ob zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig sind oder ein komplettes Beschäf- tigungs- verbot gegeben ist. Ein schnelles Reagieren ist besonders auch deshalb wichtig, da das frühe Schwangerschaftsstadium am empfind- lichsten ist. Beachten Sie §§ 3, 4 und 6 MuSchG und §§ 3 bis 5 Mutterschutzrichtlinienverordnung.

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