Warum Sie die Ersatzstoffprüfung bei Gefahrstoffen systematisieren sollten – und wen Sie mit ins Boot holen müssen

Ersatzstoffprüfung, Gefahrenstoffe, Umweltschutzbeauftragter

Als Umweltschutzbeauftragter im Unternehmen haben Sie es mit einer Vielzahl von Verordnungen und Vorschriften zu tun, die Ihre Arbeit mehr oder weniger unmittelbar betreffen. Eine dieser Verord- nungen ist die so genannte Gefahrstoffverordnung. Sie schreibt dem Arbeitgeber vor, dass er dafür Sorge zu tragen hat, dass gefahrstoffbedingte Gefährdungen beseitigt oder wenigstens auf ein Mindestmaß reduziert werden müssen.

Hier spielt für den Gesetzgeber auch der betriebliche Umweltschutz eine wichtige Rolle. Denn je mehr umweltfreundliche und beispielsweise weniger wasserproblematische Stoffe im Unternehmen zum Einsatz kommen, umso besser für die Umwelt – aber auch für die Mitarbeiter!

Damit verbunden ist die Verpflichtung, für alle im Unternehmen einge- setzten Gefahrstoffe eine beständige Ersatzstoffprüfung vorzu- nehmen. In Zusammenarbeit mit dem oder den Gefahrstoff- und Arbeitsschutz- verantwortlichen im Unternehmen sollten Sie deshalb ein Konzept erarbeiten und durchsetzen, mit dem eine systematische Ersatzstoff- prüfung ermöglicht werden kann. Denn verbesserter Umweltschutz ist schließlich nicht das Ergebnis einer einzigen großen Maßnahme – sondern das Ergebnis vieler kleiner Aktivitäten, die erst zusammen die beachtlichen Fortschritte für die Umwelt bringen.

Der Pferdefuß an der Sache

In der Praxis stellt sich die Suche nach einem weniger umweltbelastenden Ersatzstoff häufig schwierig dar. Prüfen Sie deshalb, ob für Ihr Ersatz- stoffproblem bereits eine Ersatzstofflösung existiert.

Ersatzstoffempfehlungen finden Sie beispielsweise in

* Technischen Regeln zu Ersatzstoffen
(TRGS der 600er-Reihe)

* LASI-Leitfäden

* BG/BGIA-Empfehlungen

* Produkt-Codes wie z. B. GISCODES

* weiteren Branchenregelungen

In den seltensten Fällen kann im Unternehmen eine umweltschädliche oder umweltbelastende Chemikalie 1:1 durch eine andere Chemikalie ersetzt werden. Trotzdem sollten Sie bei der Suche nach einem alter- nativen Einsatzstoff zuerst auf die Kennzeichnung achten. In Ihre ab- schließende Bewertung fließen letztlich auch wirtschaftliche Aspekte mit ein.

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Komplettdarstellung unter Download

Ihr Votum für einen Gefahrstoff – ob pro oder kontra – darf keine Bauchentscheidung sein. Sie müssen Ihre Gefahrstoffauswahl nachvollziehbar dokumentieren.

So vergleichen Sie Ihre Gefahrstoffe

Das in der TRGS 440 beschriebene Spalten-Modell erlaubt einen schnellen Vergleich von Stoffen und Zubereitungen anhand weniger Informationen. Die benötigten Angaben finden Sie im Sicherheitsdatenblatt oder zum Teil auf dem Kennzeichnungsschild. Sie füllen die Spaltenmodell-Tabelle jeweils für einen beurteilten Gefahrstoff aus.

In 5 Schritten beurteilen Sie Ihre mögliche Alternative

1. Drucken Sie die Spaltenmodelltabelle entsprechend der Anzahl der zu
betrachtenden Produkte aus.

2. Entnehmen Sie dem Sicherheitsdatenblatt die erforderlichen Informa- tionen. Die Angaben zu Gesundheits- und Umweltgefahren sind in den Abschnitten 3 und 15 enthalten. In Abschnitt 9 finden Sie Angaben zu Brand- und Explosionsgefahren und dem Freisetzungsvermögen.

3. Übertragen Sie die Angaben im Sicherheitsdatenblatt auf die Spaltenmodelltabelle.

4. In der letzten Spalte kreuzen Sie das in Ihrem Betrieb angewendete
Verfahren an.

5. Vergleichen Sie die Ergebnisse innerhalb einer Spalte.

Führen Sie vergleichende Bewertungen jeweils nur innerhalb einer Spalte und keinesfalls innerhalb einer Zeile durch. Die Spalten „akute Gesund- heitsgefahren“ und „chronische Gesundheitsgefahren“ gelten als eine Spalte.

Das sagt Ihnen die Tabelle

* Schneidet das potenzielle Ersatzprodukt in allen 5 Spalten besser ab als das verwendete Produkt, haben Sie die Ersatzstofffrage eindeutig geklärt.

* Zeigt der Stoffvergleich in einigen Spalten eine höhere und in anderen eine niedrigere Gefährdung, legen Sie fest, welche Spalten das größere Gewicht haben. Hierbei spielen auch sekundäre Gefahren eine Rolle.

Beispiel: Lassen sich Zündquellen bei der Verwendung brennbarer Flüssigkeiten nicht ohne weiteres ausschließen, so müssen Sie bei der Ersatzstoffentscheidung auch auf die Brand- und Explosionseigen- schaften des alternativen Stoffes achten.

Wichtig: Sie müssen bei der Verringerung des Risikos vor allem krebserzeugenden, fortpflanzungsgefährdenden und erbgutverändernden Stoffen ein großes Gewicht geben.

Substitution nicht um jeden Preis!

In der Praxis ist das Gefährdungspotential eines Stoffs nicht das einzige Kriterium. Ihre Ersatzstofflösung muss auch auf der Kostenseite vertret- bar sein. Die unten stehende Entscheidungstabelle hilft Ihnen bei der Ermittlung der Zumutbarkeit der zu berücksichtigen- den Einflussfak- toren. Vermerken Sie in der Tabelle, ob sich die ins Auge gefasste Ersatzlösung positiv (+), negativ (–) oder neutral (O) auswirkt. Sie können die Tabelle selbstständig erweitern. Listen Sie zusätzlich Einflussfaktoren auf, die für Ihren Betrieb von besonderer Bedeutung sind. Beispiele für individuelle Faktoren sind Versicherungskosten, Sicherheitsbewusstsein oder Genehmigungsauflagen.

Sobald eine hohe Exposition gegeben ist, sind im Einzelfall höhere Kosten zumutbar als bei Stoffen mit geringerem Risiko und geringerer Exposition. Verzichten Sie dennoch auf die Substitution, müssen Sie dies schriftlich begründen.

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