Von der Kleinigkeit zur Katastrophe: Elektrobrände wirksam verhindern

Kleine Ursache, große Wirkung: Das ist leider allzu oft das Fazit der Feuerwehr, wenn es um die Ursachen von verheerenden Bränden geht. So wie beispielsweise in der Nacht des 21.11.2010, als die Lagerhalle der Fa. HMS Easy Stretch in Heilbronn trotz des Einsatzes von 135 Feuerwehrleuten komplett den Flammen zum Opfer fiel. Nicht nur die schmerzlichen Folgen für Leben und Gesundheit vieler Menschen, sondern auch die wirtschaftlichen Konsequenzen sind oft immens: So führt etwa jeder dritte Brand in der Industrie nach Angaben der Versicherungswirtschaft zu Sachschäden von mehr als 500.000 € – für das betroffene Unternehmen nicht selten das Aus. Lesen Sie hier, auf welche Schwachstellen in Ihrem Betrieb Sie als Sicherheitsfachkraft achten müssen, um wirksam dagegen vorzu- beugen.

Die meisten Elektrobrände entstehen durch scheinbare Kleinigkeiten wie beschädigte Isolierungen oder Überlastungen an elektrischen Leitungen und Anschlüssen. Sie können Sie am besten vermeiden, indem Sie die folgenden 5 einfachen Regeln konsequent anwenden. Machen Sie deshalb alle Mitarbeiter in Ihrem Betrieb durch eine Unterweisung damit vertraut.

1. Lassen Sie schadhafte Isolierungen sofort melden

Knicken oder Quetschen der Kabel kann die Isolierung beschädigen.Auch Umgebungseinflüsse wie beispielsweise Gase oder Dämpfe können den Schutzmantel angreifen. Ein gequetschter elektrischer Leiter hat einen höheren Widerstand: Die Leitung kann sich an dieser Stelle gefährlich erhitzen. Brüche der Isolierung können Kriechströme und Kurzschlüsse bewirken.

Fazit: Alle Kollegen, die Leitungen versehentlich beschädigen oder defekte Leitungen entdecken, müssen dies sofort Ihnen als Sicherheitsfachkraft oder einer dafür benannten Elektrofachkraft melden. Diese muss die schadhaften Leitungen sofort außer Betrieb nehmen (stromlos machen oder notfalls Warnschilder anbringen!), bis der Schaden fachgerecht repariert ist.

2. Vermeiden Sie Überlastungen

Auch die Überlastung eines Leiters kann zu einer übermäßigen Erwär- mung führen, z. B. wenn zu viele Geräte mit zu hoher Nennleistung an derselben Steckdose angeschlossen werden. Besonders riskant sind zusätzliche, nicht fest verlegte Mehrfachsteckdosen, an denen dann
oft zu viele Verbraucher hängen. Vorsicht ist auch bei Stromfressern wie
z. B. Elektroheizern geboten, die manchmal von den Kollegen privat mitgebracht werden!

Darum: Veranlassen Sie, dass Mehrfachsteckdosen und auch alle privaten Geräte grundsätzlich vor Inbetriebnahme beim Vorgesetzten anzumelden sind. Dieser sollte unter Hinzuziehung einer Elektrofachkraft entscheiden, ob das Gerät am Arbeitsplatz erlaubt ist!

3. Sorgen Sie dafür, dass defekte Kontakte instand gesetzt werden

Sie führen zu erhöhten Widerständen und damit zu Wärmeentwicklung. Ursachen können unter anderem schadhafte Steckdosen, Stecker oder Schalter (Wackelkontakt) sein, aber auch Verschmutzungen. Bei einem Wackelkontakt in der Steckdose kann ein Lichtbogen mit sehr hoher Temperatur entstehen und eine Wand aus Pressspanplatten in Brand setzen.

Das bedeutet: Jeder im Betrieb, dem augenscheinlich fehlerhafte Kontakte auffallen, sollte sofort Sie oder die zuständige Elektrofachkraft informieren. Die schadhaften Stecker oder Schalter müssen bis zur erfolgten Instandsetzung außer Betrieb genommen werden.

Fehlende oder schadhafte Überglocken an Lampen, insbesondere in Kühl- und Feuchträumen, schnellstens austauschen! Andernfalls setzen sich an den Kontakten Schmutz und Feuchtigkeit ab – das erhöht die Brandgefahr.

4. Überbrücken Sie keine Sicherungen

Sicherungen haben die Funktion, bei einem Defekt den Stromkreis zu unterbrechen und so eine übermäßige Erhitzung des Leiters zu verhin- dern. Das geht nur dann, wenn sie funktionieren. Sie dürfen aus diesem Grund niemals „geflickt“ oder überbrückt werden. Wenn sich nach einem Brand herausstellt, dass eine manipulierte Sicherung die Ursache war, lehnt die Versicherung den Schadensersatz grundsätzlich ab! Außerdem droht dem Verantwortlichen eine Anzeige wegen fahrlässiger Brand- stiftung.

Fazit: Auch hier gilt ähnlich wie oben: Wenn beim Einschalten eines Geräts die Sicherung herausspringt, die Sicherheitsfachkraft oder Elektrofachkraft informieren und das Gerät bis zur Schadensbehebung nicht mehr benut-zen.

5. Lassen Sie die vorgeschriebenen Prüfungen für elektrische Betriebsmittel immer rechtzeitig durchführen.

Als Richtschnur sind folgende Mindestintervalle zu empfehlen (Durchfüh- rungsanweisung zur Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ – BGV A 3):

für ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel alle 4 Jahre
für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel, einschließlich Verlängerungs- und Anschlussleitungen mit Stecker/Steckdose • in Fertigungsstätten, Werkstätten usw. jährlich
• in Büros alle 2 Jahre

_Rafael de la Roza_

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