TRBS 2121-1 – Achtung, Haftungsfalle: Nutzung von Gerüsten

Gerüst, TRBS 2121-1, Haftungsfalle

Unfälle im Umgang mit Gerüsten ereignen sich bei- nahe täglich in Deutschland – so auch dieser: Bei einem Metallbauunternehmen wurde von einem Bauunternehmen ein Gerüst aufgebaut, damit betriebseigenen Techniker Wartungsarbeiten an einer Abluftanlage vornehmen konnten. Das Unternehmen besaß kein eigenes Gerüst und kaufte sich diese Leistung ein. Während der Wartungsarbeiten stürzte ein Techniker des Metallbauunternehmens 3 m in die Tiefe und verletzte sich schwer.

Im Verlauf der nachfolgenden Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Absturzsicherung an einer Gerüstecke nicht ordnungsgemäß ausgeführt war. An einem 90-Grad-Übergang von einem Gerüstteil zum nächsten fehlten sowohl die Bohle als auch die Absturzsicherung.

Der Metallbauunternehmer hat seinen Mitarbeitern ein Gerüst als Arbeits-mittel zur Verfügung gestellt, das nicht sicher war. Er haftet für diesen Schaden.

Wenn in Ihrem Betrieb ein Gerüst für Ihre Mitarbeiter aufgestellt wird, müssen Sie auf jeden Fall dafür sorgen, dass dies sicher ist und dem Stand der Technik entspricht. Die TRBS 2121 Teil 1 konkretisiert diesen Stand der Technik.

Gefahren ermitteln

Unter Anwendung der TRBS 1111 „Gefährdungsbeurteilung und sicher- heitstechnische Bewertung“ müssen Sie mithilfe einer Gefährdungsbe- urteilung (§ 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 3 Betriebssicherheits-verordnung (BetrSichV)) alle notwendigen Maßnahmen für die sichere Bereitstellung und Benutzung eines Gerüstes ermitteln und treffen.

Sofern es sich nicht um ein „Fertiggerüst“ handelt, das wie ein Bausatz mithilfe einer Montageanleitung zusammengebaut werden kann, müssen Sie die Brauchbarkeit des erstellten Gerüstes prüfen und dokumentieren.

Achten Sie darauf, dass „Fertiggerüste“, die Sie als Bausatz kaufen, immer anhand der Montageanleitung vollständig aufgebaut werden. Unterweisen Sie Ihre Mitarbeiter entsprechend und legen Sie in einer Montage- und Betriebsanweisung fest, dass keine Bauteile vorübergehend entfernt oder nicht eingebaut werden dürfen. Vermeiden Sie auf diese Weise Regressansprüche, wenn ein solches Gerüst unvollständig zusammengebaut wurde und es zu einem Schaden kommt.

Diese Dokumente muss Ihnen der Gerüstbauer liefern, damit Sie die Brauchbarkeit des Gerüstes prüfen können:

■ Standsicherheitsnachweis (Statik)

■ Montageanweisung (Plan für Auf-, Ab- und Umbau)

■ Plan für die Benutzung mit Angaben zum Gerüstbauer, seiner Erreich- barkeit und möglichen Nutzungseinschränkungen

Anforderungen an Gerüste

Ab einer Aufstiegshöhe von mehr als 10 m oder bei aufwändigen Arbeiten müssen Sie einen Zugang zu den Arbeitsplätzen in der Höhe über einen Aufzug, Transportbühnen oder einen Treppenturm herstellen. Der Trans- port von Lasten (einschließlich Werkzeug und anderer Arbeitsmittel) über innenliegende Leitern ist nicht zulässig.

Nicht gegen Absturz gesicherte Bereiche müssen gesperrt werden. Diese Sperrung ist deutlich zu kennzeichnen. Ist der innen liegende Bereich eines Gerüstes nicht mehr als 30 cm von der Gebäudewand entfernt, ist auf dieser Seite keine Absturzsicherung erforderlich. Auf der anderen Seite benötigen Sie eine 3-teilige Sicherung aus

■ Bordbrett (≥ 15 cm), damit keine Gegenstände herunterfallen können,

■ Zwischenholm, damit niemand durchrutschen kann (mittig zwischen Bordbrett und Geländerholm)

■ Geländerholm (Oberkante 100 cm von der Gerüstbohle aus)

Prüfung vor Übergabe

Bevor Sie ein Gerüst vom Gerüstbauer übernehmen, muss dieser sicher- stellen, dass das Gerüst nach Abschluss aller Montagearbeiten durch eine befähigte Person nach Abschnitt 4.7.2 der TRBS 2121-1 geprüft worden ist. Für diese Prüfung muss der Plan für Auf-, Um- und Abbau (Montage- anweisung) vorliegen. Fordern Sie in jedem Fall den zugehörigen Prüf- bericht ein, wenn Sie sich von der ordnungsgemäßen Montage und der sicheren Funktion des Gerüstes überzeugen wollen. Nehmen Sie diesen Prüfbericht als Dokumentation zu Ihren Unterlagen.

Prüfung vor Benutzung nicht vergessen

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 3 der Betriebssicherheits-verordnung (BetrSichV) müssen Sie ermitteln, ob eine Prüfung des Gerüs- tes vor der Benutzung erforderlich ist. Sie werden mir sicher zustimmen, wenn ich diese Frage pauschal mit „Ja“ beantworte. Folglich müssen Sie auch vor der Benutzung das Gerüst durch eine befähigte Person erneut prüfen lassen. Die Prüfung hat den Zweck, sich von der sicheren Funktion in Abhängigkeit der jeweiligen Nutzung der Gerüste zu überzeugen.

Lassen Sie sich von Ihrem Gerüstbauer eine Prüfliste für die arbeits- tägliche Überprüfung Ihres Gerüstes aushändigen. Lassen Sie diese von einem geeigneten Meister oder Vorarbeiter abarbeiten und dokumentieren Sie auf diese Weise die regelmäßige Prüfung des Anwenders.

_Holger Kück_

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