Schwere Lasten: Gesundes Heben und Tragen

Schwere Lasten: Gesundes Heben und Tragen

Der Umgang mit schweren Lasten wird in vielen Unternehmen auf die leichte Schulter genommen. Die Folge sind Abnutzungserscheinungen am Muskel-Skelett-System, insbesondere an der Lendenwirbelsäule. Oft endet dies für Betroffene mit einer Berufsunfähigkeit. Mit diesen 5 Tipps reduzieren Sie die Belastung Ihrer Mitarbeiter.

30 % aller Männer und etwas unter 20 % aller Frauen heben regelmäßig am Arbeitsplatz schwere Lasten. In typischen Herstellerbetrieben arbeiten sogar zwischen 40 und 70 % der Arbeitnehmer mit Lasten. In Deutschland gilt hierfür das Arbeitsschutzgesetz in Verbindung mit der Lasthandhabungsverordnung. Diese Verordnung dient in Verbindung mit dem Arbeitsschutzgesetz der Umsetzung folgender Richtlinie: Richtlinie 90/269/EWG des Rates vom 29. Mai 1990 über die Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der manuellen Handhabung von Lasten, die für die Arbeitnehmer insbesondere eine Gefährdung der Lendenwirbelsäule mit sich bringt.


So reagiert der menschliche Körper auf manuelle Lastenhandhabung

Wer mit Lasten arbeitet, beansprucht seinen Organismus in besonderer Form. Die körperliche Arbeit führt nicht nur zu Beanspruchungsreaktionen im Muskel-Skelett-System. Auch Sauerstoffaufnahme und -transport sind bei körperlich schwerer Arbeit einem Extremzustand ausgesetzt. Sowohl bei andauernden Überbeanspruchungen des Muskel-Skelett-Systems als auch bei akuten Überlastungen entstehen irreparable Schäden am Körper.

An diesen Stellen treten akute Gesundheitsschädigungen besonders häufig auf:

# Im unteren Rückenbereich (durch akute Überlastungen, wie Verheben)
# Im Bereich der Arme und Schultern (durch akute Überlastung der Muskulatur, der Bänder und Sehnen
# Durch Unfallereignisse hervorgerufene Verletzungen wie Quetschungen, Prellungen, Stauchungen etc.)

Chronische Gesundheitsschädigungen durch fortwährende Tätigkeiten:

# Bandscheibenerkrankungen durch langjähriges Heben und Tragen schwerer Lasten
# Halswirbelsäulenschäden durch das Tragen auf Schultern
# Erkrankungen der Knie- und Hüftgelenke

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Tipp 1: Verringern Sie das Lastgewicht

Reduzieren Sie das Lastgewicht auf handhabbare Größen. Teilen Sie die Last dazu in mehrere kleine Lasten auf, verringern Sie das Verpackungsgewicht oder verwenden Sie andere Materialien.
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Eine Faustformel gilt immer: nicht mehr als 15 % des Körpergewichtes bei länger andauernden Belastungen.

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Tipp 2: Nutzen Sie Hilfsmittel

Ist eine Reduzierung der Last nicht möglich, gibt es meistens geeignete Hilfsmittel. Das Beladen einer Sackkarre kostet nicht viel Zeit, die Anschaffung ist günstig und es erspart Ihren Mitarbeitern schweres Tragen. Haltevorrichtungen beispielsweise beim Befüllen von Material oder Transporttische mit Rollzylindern auf der Abstellfläche wie beispielsweise bei der Gepäckkontrolle auf dem Flughafen erleichtern den Transport mit einfachen Mitteln


Tipp 3: Fördern Sie eine gute Körperhaltung

Auch wenn die Last nicht so schwer scheint, kann Ihr Mitarbeiter bei regelmäßiger Belastung Schäden davontragen, wenn er keine günstige Körperhaltung einnehmen kann. Muss er beispielsweise Steine vom Fußboden aufheben, fällt ihm das viel schwerer, als wenn er die Steine in Höhe des Bauchbereiches greifen könnte. Achten Sie zusätzlich darauf, dass Ihre Mitarbeiter sich während des Hebevorgangs nicht drehen müssen.

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Tipp 4: Schulen Sie richtiges Verhalten beim Heben

Die richtige Technik erleichtert die Arbeit mit Lasten. Schulen Sie Ihr Personal anhand von Praxisbeispielen. Eine Last aus der Hocke zu heben schont den Rücken sehr im Vergleich zum Heben mit gebeugtem Rücken Trotzdem begegnet Ihnen die 2. Variante in der Praxis weit häufiger – dieser Bewegungsfehler kann mit kurzer Schulung sofort abgestellt werden.


Tipp 5: Sorgen Sie für eine vernünftige Zeiteinleitung

Der Einsatz von Muskelkraft bringt Ermüdungserscheinungen mit sich. Die Arbeit wird dadurch als schwerer empfunden. Gewähren Sie Ihren Mitarbeitern deshalb ausdrücklich viele kleine Pausen. Oft machen Mitarbeiter ihre Pausen lieber, wenn gerade keiner hinschaut – oft in unregelmäßigen Abständen. Regelmäßige kurze Pausen schützen am wirksamsten vor Ermüdungen.

Schauen Sie sich alle Faktoren an, die auf den jeweiligen Arbeitsplatz zutreffen. Fast jeden Belastungsfaktor können Sie beeinflussen, sei es die Zeit, die ein Mitarbeiter mit andauernden Tätigkeiten beschäftigt ist, die Vielzahl oder auch die Schwere der Last.


Schätzen Sie die Gefährdung von schweren Lasten richtig ein

Die Gefahr, die von schweren Lasten ausgeht, wird häufig von Ihren Mitarbeitern nicht beachtet. Als Qualitätsmanager oder Arbeitsschutzbeauftragter kennen Sie die Folgen und müssen Ihre Mitarbeiter manchmal auch vor sich selbst schützen. Lesen Sie, wie Sie die Gefährdung von schweren Lasten richtig beurteilen und damit auch vor den Kontrolleuren der Berufsgenossenschaften bestehen.

Die Beurteilung von Hebe- und Tragetätigkeiten war bis zum Inkrafttreten des Arbeitsschutzgesetzes in Deutschland nur für bestimmte Berufsgruppen vorgeschrieben. Nach dem Arbeitsschutzgesetz ist jedes Unternehmen dazu verpflichtet, arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhindern. Weitere Mindestvorschriften zur Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit mit Lasten sind in der Lastenhandhabungsverordnung festgeschrieben.


Der Gesetzgeber empfiehlt die Leitmerkmalmethode (LLM)

Um die gesetzlichen Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes und der Lastenhandhabungsverordnung optimal zu erfüllen, wird die Leitmerkmalmethode zur Einschätzung von Arbeit mit schweren Lasten empfohlen. Darauf haben sich Arbeitgeber, Arbeitnehmervertreter, Unfallversicherungsträger und der staatliche Arbeitsschutz auch einvernehmlich geeinigt. Etablieren Sie die Leitmerkmalmethode auch in Ihrem Unternehmen als Kernelement Ihrer vollständigen Gefährdungsbeurteilung.

*Achtung:* Die Leitmerkmalmethode dient der Ermittlung der tatsächlich vorhandenen Arbeitslast beim Heben und Tragen. Vom Beurteilenden wird erwartet, dass er sehr gute Kenntnis von den Teiltätigkeiten hat, da grobe Schätzungen und Vermutungen über Teiltätigkeiten zu falschen Ergebnissen führen. Holen Sie sich bei Bedarf Hilfe durch Arbeitssicherheitsingenieure oder Ansprechpartner in Ihren Berufsgenossenschaften!


So funktioniert die Leitmerkmalmethode

Mit der Leitmerkmalmethode betrachten Sie einen kompletten Arbeitstag und seine Teiltätigkeiten. Zunächst gehen Sie von der Gesamttätigkeit aus. Treten innerhalb der Gesamttätigkeit Teiltätigkeiten auf, deren Lastenhandhabung sehr unterschiedlich ist, dann müssen Sie die Gesamttätigkeit auf die Teiltätigkeiten herunter brechen. Schätzen Sie diese getrennt voneinander ein und dokumentieren sie diese. Gegebenenfalls stellen Sie fest, dass auch innerhalb einer Teilaufgabe Körperhaltungen oder die Last selbst wechseln. Bilden Sie in diesem Fall einen Mittelwert.


Beurteilen Sie die Gesamttätigkeit und die Teiltätigkeiten

Schritt 1: Bestimmen Sie den Einfluss der Zeit

Es wird zwischen 3 verschiedenen Formen der Lastenhandhabung unterschieden:

* a) Bei Tätigkeiten, die durch regelmäßiges Wiederholen kurzer Hebe-, Absenk- oder Umsetzvorgänge gekennzeichnet sind, ist die Anzahl der Vorgänge bestimmend für die Zeitwichtung.
* b) Bei Tätigkeiten, die durch Halten einer Last gekennzeichnet sind, wird die Dauer des Haltens zugrunde gelegt. Als Gesamtdauer gilt die Anzahl der Haltevorgänge x Dauer eines einzelnen Haltevorgangs.
* c) Für Teiltätigkeiten, die durch Tragen einer Last gekennzeichnet sind, wird der Gesamtweg mit der Last bei der Berechnung zugrunde gelegt. (Die Laufgeschwindigkeit wird mit 1 m/s bzw. 4 km/h angenommen.

Schritt 2: Bestimmen Sie die Gewichtung von Last, Haltung und Ausführungsbedingungen

* a) Berücksichtigen Sie die Obergrenzen bei Lastgewichten: Männer dürfen nicht mehr als 40 Kilogramm heben, Frauen nicht mehr als 25 Kilogramm. Werden unterschiedliche Lasten gehoben, dann muss ein Mittelwert gebildet werden. Schwerere Lasten müssen entweder mit mehreren Personen oder mit technischen Hilfen (z. B. Flaschenzug) gehoben werden . Legen Sie bei Hebe-, Halte, Trage- und Absetztätigkeiten die wirksame Last zugrunde. Die wirksame Last ist die Gewichtskraft, die der Arbeiter tatsächlich ausgleichen muss. Die Last weicht also vom Gewicht des Gegenstands ab. Werden Gegenstände gekippt, setzen Sie 50 % des Gewichts an.
* b) Bestimmen Sie die Körperhaltung: Wie Sie die Körperhaltung wichten entnehmen Sie den Darstellungen in der Grafik in der Tabelle zur Gefährdungsabschätzung. Erfordert die Teilarbeit verschiedene Körperhaltungen, bilden Sie auch hieraus einen Mittelwert.
* c) Bewerten Sie die Ausführungsbedingungen: Wenn Sie die Ausführungsbedingungen wichten, dann bewerten Sie bitte den Teil, der zeitlich überwiegt.

Schritt 3: Bewerten Sie und ergreifen Sie Maßnahmen

Bilden Sie nun die Summe aus den Ergebnissen Ihrer Wichtungen und multiplizieren Sie das Ergebnis mit der Zeitwichtung. Dann erhalten Sie den Punktwert, den Sie den 4 Risikobereichen zuordnen können.

Leiten Sie vom vorliegenden Ergebnis nun Ihre Gestaltungsnotwendigkeiten ab. Versuchen Sie die Ursachen hoher Wichtigkeiten zu beseitigen. Treibt die Zeit z. B. den Punktwert in die Höhe, dann müssen Sie organisatorische Maßnahmen ergreifen. Bei hoher Lastwichtung können Sie die Last reduzieren oder den Einsatz von Hilfsmitteln prüfen.

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