Neue Arbeitsstättenrichtlinie: Wie Sie Flucht- und Rettungswege jetzt richtig kennzeichnen

Neue Arbeitsstättenrichtlinie: Wie Sie Flucht- und Rettungswege jetzt richtig kennzeichnen

Mit Veröffentlichung der Arbeitsstättenregel ASR A3.4/3 hat der Gesetzgeber die Anforderungen an die Kennzeichnung von Flucht- und Rettungswegen weiter konkretisiert. Lesen Sie hier, welche Pflichten auf Ihr Unternehmen zukommen und was Sie jetzt zum Schutz Ihrer Kollegen unternehmen müssen.

Unternehmen müssen jetzt in ihrem Betrieb die richtige Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswege überprüfen. Verantwortlich dafür ist der Unternehmer!

Feuerwehren und Bauordnungsämter wenden in der Regel das Bauordnungsrecht bei ihren Begehungen an. Sie prüfen nicht, ob auch die Vorschriften des Arbeitsstättenrechts nach Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) eingehalten wurden.


Unternehmer trägt die Verantwortung

In § 3 ArbStättV wird der Unternehmer in die Verantwortung genommen. Er muss für ausreichende und geeignete Flucht- und Rettungswege, Notausgänge und Orientierungssysteme sorgen.

Sie müssen für Ihre Bewertung unabhängig von den Feststellungen der Bauaufsicht und Brandschutzbehörden zusätzlich die ArbStättV und ihre nachgeordneten Regelwerke heranziehen.

Diese Regelwerke müssen Sie anwenden:

*ASR A1.3* „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“
*ASR A2.3* „Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“
*ASR A3.4/3* „Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme“


Gefährdungsbeurteilung zwingend erforderlich

Der Unternehmer muss eine Gefährdungsbeurteilung anfertigen. Diese Beurteilung soll ergeben, welche möglichen Gefahren in der Arbeitsstätte im Hinblick auf eine mögliche Räumung (Entfluchtung) bestehen und wie diesen zum Schutz der Mitarbeiter begegnet werden soll.

Stellen Sie sich folgende Frage, wenn Sie den Unternehmer bei seiner Gefährdungsbeurteilung unterstützen:
„Gibt es Gründe oder Anlässe, die Arbeitsstätte aus Sicherheitsgründen schnell verlassen zu müssen?“

Sie würden fahrlässig handeln, wenn Sie diese Frage mit „Nein“ beantworten.

ASR A1.3

In der ASR A1.3 finden Sie, wie die Kennzeichnungsschilder für Flucht- und Rettungswege auszusehen haben (Abbildung 1).

1. Sie müssen „alte“ Schilder nach BGV A8 nicht austauschen, solange und soweit sie langnachleuchtend sind.
2. Sie dürfen elektrisch betriebene Fluchtwegkennzeichnungen nicht einfach durch langnachleuchtende Schilder ersetzen.

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ASR A2.3

Die ASR A2.3 „Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungswege“ stellt unter Punkt 4.1 ausdrücklich klar, dass diese Regel in Arbeitsstätten zusätzlich zum Bauordnungsrecht der Länder anzuwenden ist. Sie müssen zukünftig darauf achten, dass die Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswege mit langnachleuchtenden Schildern vorgenommen wird.

Ordnungsgemäße Schilder erkennen Sie daran, dass auf dem Schild der Hersteller sowie die angewandte Norm (DIN 67510) angegeben sind (Abbildung 2).

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Alternativ zu langnachleuchtenden Schildern dürfen auch elektrisch beleuchtete Zeichen zur Anwendung kommen, wenn diese bei Stromausfall batteriegepuffert mindestens 60 Minuten weiterleuchten.

Vergleichen Sie möglichst schon in der Planungsphase die Kosten für Montage, Wartung und Betrieb. Verschiedene Untersuchungen haben bei einer Betriebsdauer von 10 Jahren für elektrisch betriebene Systeme etwa die 3- bis 5fachen Kosten gegenüber langnachleuchtenden Systemen ermittelt.

Elektrische Schilder haben auch laufende Betriebs-, Wartungs- und Verschleißkosten. Bei langnachleuchtenden Systemen fallen diese in der Regel nicht an. Eine Vergleichsrechnung (Beschaffungskosten + Wartungskosten + Betriebskosten) über 5 oder 10 Jahre kann sich daher durchaus lohnen.

Für den Fall, dass von der Arbeitsstätte eine erhöhte Gefährdung ausgeht, schreibt die ASR A2.3 die Einrichtung eines Sicherheitsleitsystems vor.

Prüfen Sie mithilfe der folgenden Fragen, ob die ASR A2.3 für Ihren Betrieb eine erhöhte Gefährdung vorsieht:

Checkliste: Erhöhte Gefährdung nach ASR A2.3
Nr. Aufgabe/Frage erledigt/
zutreffend
Maßnahmen
zu erledigen bis
Ja Nein
1. Handelt es sich um große zusammenhängende oder mehrgeschossige Gebäudekomplexe?      
2. Befindet sich ein hoher Anteil ortsunkundiger Personen regelmäßig im Gebäude?      
3. Hält sich häufig eine größere Personenzahl mit eingeschränkter Mobilität im Gebäude auf?      
4. Müssen große Räume bei der Flucht durchquert werden?      
5. Gibt es explosions- und brandgefährdete Bereiche?      
6. Gibt es Bereiche ohne Tageslichteinfall?      

ASR A3.4/3

Wie Sie ein solches Sicherheitsleitsystem umsetzen müssen, defi niert bereits seit Sommer 2009 die Arbeitsstättenregel ASR A3.4/3 „Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme“. Die wichtigsten Punkte sind nachfolgend für Sie zusammengefasst.

Sicherheitsleitsysteme (Abbildung 3) können langnachleuchtend, elektrisch oder in einer Kombination aus beidem ausgeführt sein. Entscheidend ist, dass die Fluchtrichtung jederzeit – also auch bei Verrauchung – erkennbar bleiben muss.

Abhängig von Weglängen und Raumgrößen erfahren Sie aus der ASR A3.4/3 die Größe der Kennzeichnung und die maximal zulässigen Abstände.

Bei einem Sicherheitsleitsystem müssen Sie darauf achten, dass die Markierungen auch in Bodennähe erfolgen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Funktion auch im Fall der Verrauchung noch gegeben ist.

Kennzeichnungen sind an den Wänden (in Bodennähe) durchgängig auszuführen. Türen sind langnachleuchtend zu umranden. Türgriffe sind entweder langnachleuchtend auszuführen oder zu hinterlegen.

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Werden Leitmarkierungen auf dem Boden angebracht, so müssen sich mindestens 3 Stück davon innerhalb eines Abstands von 100 cm gleichmäßig verteilen. Sie dürfen eine Kantenlänge bzw. einen Durchmesser von 5 cm nicht unterschreiten.

Treppen, Treppenwangen und deren Handläufe müssen Sie langnachleuchtend so kennzeichnen, dass Beginn, Verlauf und Ende der Treppe erkennbar sind.

Die Arbeitsstättenregel gibt vor, welche Leuchtdichte diese langnachleuchtenden Materialien in welchem Zeitraum erreichen müssen.

Die erreichte Leuchtdichte muss bei Ihnen vor Ort gemessen und dokumentiert werden.
Nur so können Sie später nachweisen, dass Ihr Leitsystem die Anforderungen der ASR A3.4/3 erfüllt.

Sicherheitsbeleuchtung

Sowohl die ASR A2.3 als auch die ASR 3.4/3 schreiben in Arbeitsstätten unter bestimmten Umständen eine Sicherheitsbeleuchtung
vor. Diese ist immer dann erforderlich, wenn bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung ein sicheres Verlassen der Arbeitsstätte ohne Licht nicht mehr möglich ist. In der Mitte des Fluchtwegs und in einer Höhe von 20 cm muss die Beleuchtungsstärke dabei mindestens 1 lx (Lux) betragen. Bei besonderen Unfallgefahren dürfen sogar 15 lx nicht unterschritten werden.

Sie müssen das Erreichen der vorgeschriebenen Beleuchtungsstärke ebenfalls durch dokumentierte Messungen nach der Montage belegen. Diese Messungen sind durch sachkundige Personen mit geeigneten Messgeräten durchzuführen.

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ist es aber möglich, zugunsten eines Sicherheitsleitsystems aus langnachleuchtenden Materialien auf eine Sicherheitsbeleuchtung zu verzichten.

Betrieb, Wartung und Instandhaltung

Sicherheitsbeleuchtung und Sicherheitsleitsysteme müssen in regelmäßigen Abständen hinsichtlich ihrer Funktion und Leistungsfähigkeit überprüft werden. Die zeitlichen Abstände müssen Sie dabei im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festlegen.

Bei elektrisch betriebenen Systemen können durchaus tägliche, wöchentliche oder monatliche Funktionskontrollen erforderlich sein. Die Durchführung dieser Kontrollen ist natürlich zu dokumentieren.

Defekte Lampen in elektronischen Systemen sind ebenso sofort auszutauschen, wie heruntergefallene oder beschädigte langnachleuchtende Schilder zu ersetzen sind.

Check

Die folgenden Fragen sollten Sie mit „Ja“ beantworten können. Ist das nicht der Fall, haben Sie Handlungsbedarf:

# Sind alle Flucht- und Rettungswege mit langnachleuchtenden Schildern gemäß ASR A1.3 gekennzeichnet?
# Ist jeder Richtungswechsel im Verlauf eines Fluchtwegs durch ein entsprechendes Schild gekennzeichnet?
# Führt der erste Fluchtweg auf dem schnellsten Weg ins Freie?
# Sind Notausgangstüren im Verlauf von Fluchtwegen eindeutig erkennbar?
# Sind die neuen Forderungen der ASR A1.3, ASR A2.3 und ASR A3.4/3 berücksichtigt?

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