Neue Arbeitsstättenregel zu Erste-Hilfe-Einrichtungen

Erste-Hilfe, Arbeitsstättenverordnung, Sanitätsräume, Erste-Hilfe- Einrichtungen

Nach der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass bei einem Unfall schnell und wirksam Erste Hilfe geleistet werden kann. Das geht nur, wenn – neben ausge- bildeten Ersthelfern – auch ausreichende und geeignete Erste-Hilfe-Einrichtungen zur Verfügung stehen. Bisher waren Einzelheiten dazu in den Arbeitsstätten-Richtlinien ASR 38/2 „Sanitätsräume“ und ASR 39/1, 3 „Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe“ geregelt, die jetzt ungültig wurden. Sie sind durch die neue Arbeitsstättenregel „Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe“ (ASR A4.3) ersetzt worden, die seit dem 27.12.2010 rechtswirksam ist. Sie präzisiert die entsprechenden Vorschriften der ArbStättV und hilft Ihnen, sie in Ihrem Betrieb praktisch umzusetzen.

Neben wichtigen Begriffsbestimmungen enthält die neue Arbeitsstätten- regel Festlegungen zu

• Mitteln und

• Einrichtungen zur Ersten Hilfe,

• zu Erste-Hilfe-Räumen und vergleichbaren Einrichtungen sowie

• Kennzeichnungsvorschriften.

Diese Begriffe sollten Sie kennen

• Mittel zur Ersten Hilfe umfassen das Erste-Hilfe-Material (etwa Wundver- bände) sowie ggf. erforderliche (Gefährdungsbeurteilung!) medizinische Geräte, die zur Ersten Hilfe benötigt werden, beispielsweise Defibrilla- toren und Beatmungsgeräte. Auch Arzneimittel (z. B. Antidote für Ver- giftungsunfälle) gehören dazu.

• Einrichtungen zur Ersten Hilfe sind technische Hilfsmittel zur Rettung aus Gefahren für Leben und Gesundheit, z. B. Meldeeinrichtungen, Rettungs- transportmittel und Rettungsgeräte.

• Unter Erste-Hilfe-Räumen sind speziell vorgesehene Räume zu verste- hen, in denen nach einem Arbeitsunfall Erste Hilfe geleistet oder die ärztliche Erstversorgung durchgeführt werden kann. Den Erste-Hilfe-Räumen vergleichbare Einrichtungen sind Rettungsfahrzeuge, transpor- table Raumzellen (Erste-Hilfe-Container) oder Arztpraxisräume.

Mittel zur Ersten Hilfe

Erste-Hilfe-Material ist in Verbandkästen oder geeigneten Taschen oder Schränken bereitzuhalten. Die Mindestanzahl der vorgeschriebenen Ver- bandkästen ergibt sich aus dieser Tabelle:

Mindestanzahl von Verbandkästen

Betriebsart  Beschäftigte Kleiner Großer
Verbandkasten
Verwaltungs- und
Handelsbetriebe
1-50 1
51-300 1
ab 301 2
für je 300 weitere Beschäftigte zusätzlich 1
Herstellungs-, Verarbeitungs-
und vergleichbare
Betriebe
(z. B. Küchen, Backbetriebe)
1-20 1
21-100 1
ab 101 2
für je 100 weitere Beschäftigte zusätzlich 1

Was jeder Verbandkasten enthalten muss, ist in Tabelle 2 der ASR A4.3 angegeben. Grundlage hierfür sind die Normen der DIN 13157 („Erste-Hilfe-Material – Verbandkasten C“) für den kleinen und in der DIN 13169 (Erste-Hilfe-Material – Verbandkasten E“) für den großen Verbandkasten. 2 kleine ersetzen dabei einen großen Verbandkasten.

Ein Kfz-Verbandkasten ist nicht für den betrieblichen Erste-Hilfe-Fall konzipiert und deshalb als Alternative nicht erlaubt. Ausnahme: Bei Tätigkeiten im Außendienst, z. B. bei Werkstattwagen, dürfen Sie anstelle eines kleinen auch einen Kfz-Verbandkasten nach DIN 13164 mit sich führen.

Achtung: Bei besonderen betriebsbedingten Gefahren können auch wei- tere Erste-Hilfe-Ausrüstungen erforderlich sein, z. B. Augenspülflaschen gegen Verätzungen. Fragen Sie dazu Ihren Betriebsarzt um Rat.

Stellen Sie schnelle Erreichbarkeit sicher

Das Erste-Hilfe-Material sollten Sie so in Ihren Betriebsräumen verteilen, dass der Weg von den Arbeitsplätzen zum nächsten Verbandkasten nicht länger als 100 m bzw. eine Geschosshöhe ist. Im Übrigen muss es selbst- verständlich so aufbewahrt werden, dass es vor schädigenden Einflüssen (z. B. Feuchtigkeit) geschützt ist.

Einrichtungen zur Ersten Hilfe

An erster Stelle stehen hier die Meldeeinrichtungen: Hierzu gehört ein Telefon (mit sichtbar angegebener Notfallnummer), je nach Ihren betrieb- lichen Erfordernissen aber auch andere Meldeeinrichtungen.

Darüber hinaus hat der Arbeitgeber (bzw. Sie als Sicherheitsfachkraft) zu prüfen, ob er eigene Transportkapazitäten bereitstellen muss oder der öffentliche Rettungsdienst ausreicht. Auch hier sind Ihre jeweiligen be- trieblichen Verhältnisse entscheidend: Wenn die potenzielle Unfall- stelle etwa in einem Steinbruch für die öffentlichen Rettungskräfte nicht in der erforderlichen Zeit erreichbar ist, müssen Sie selbst geeignete Transportmittel wie z. B. spezielle Krankentransport-Hängematten oder Schleifkörbe verfügbar halten.

Wann spezielle Rettungsgeräte Pflicht sind

Wenn in Ihrem Betrieb besondere Anforderungen an Rettungsmaßnahmen bestehen, müssen Sie dafür auch spezielle Rettungsgeräte vorhalten. Für die Rettung von Verunglückten an hoch gelegenen Arbeitsplätzen sollten Sie etwa Abseilgeräte in Betracht ziehen. In anderen Fällen können Rettungshubgeräte, Spreizer und Schneidgeräte notwendig sein.

Erste-Hilfe-Räume: Ab 1.000 Beschäftigten vorgeschrieben

Erste-Hilfe-Räume (oder vergleichbare Einrichtungen; s. o.) müssen alle Betriebe mit mehr als 1.000 Beschäftigten haben, aber auch Betriebe mit über 100 Beschäftigten, wenn dort besondere Unfall- oder Gesundheits- gefahren bestehen.

Beachten Sie die baulichen Anforderungen

Die sollen ebenerdig liegen und müssen mit einer Krankentrage leicht zu erreichen sein. Darüber hinaus müssen sie so gelegen sein, dass sie vor Einflüssen durch schädlichen Lärm, Stäube, Gase oder Dämpfe geschützt sind. Weitere bauliche Anforderungen betreffen vor allem

• ihre Größe (mindestens 20 m²),

• die ausreichende Belüftung und Beleuchtung,

• die Raumtemperatur und

• die Ausstattung mit Kalt- und Warmwasser.

Auch eine Toilette muss (zumindest in unmittelbarer Nähe) vorhanden sein. Fußböden und Wände müssen leicht gereinigt und desinfiziert werden können.

Die Ausstattung von Erste-Hilfe-Räumen

Sie hängt in erster Linie von den betriebsspezifischen Unfall- und Gesund- heitsrisiken ab, die Sie ja in Ihrer Gefährdungsbeurteilung erfasst haben.

Zum Grundinventar gehören – neben einem Telefon – eine Untersuchungs- liege und eine Sitzgelegenheit, ein Schreibtisch, Spender für Seife und Desinfektionsmittel. Auch ein Infusionsständer sowie ein Sicherheitsbehälter für spitze und scharfe Gegenstände (z. B. Kanülen) sollten nicht fehlen.

Darüber hinaus müssen hier die notwendigen Erste-Hilfe-Mittel verfügbar sein. Dazu gehört zu allererst der Verbandkasten. Je nach Ihren beson- deren Unfallgefahren benötigen Sie auch weitere Hilfsmittel wie Beat- mungsbeutel, Sauerstoffgeräte oder Schienen zum Ruhigstellen von Extremitäten. Klären Sie mit Ihrem Betriebsarzt ab, ob auch bestimmte Medikamente, Infusionslösungen oder anderes gebraucht werden.

Die ASR A4.3 und die ASR A1.3 können Sie im Premiumbereich unserer Website www.bwr-media.de downloaden.

_Rafael de la Roza_

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