In diesen Fällen liegt ein Arbeitsunfall vor

In diesen Fällen liegt ein Arbeitsunfall vor

Die Berufsgenossenschaften sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie treten sowohl bei Unfällen als auch im Todesfall ein – allerdings nur, wenn folgende 4 Voraussetzungen erfüllt sind:

* Ihr Mitarbeiter unterliegt dem Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaft.
* Der Unfall hat sich bei einer betrieblichen Tätigkeit ereignet.
* Es besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Arbeitsunfall und Schaden.
* Der Unfall ist durch eine äußere Einwirkung entstanden; dazu gehören neben körperlichen Verletzungen auch ansteckende Krankheiten oder seelische Einwirkungen.

Otto Hahn, langjähriger Fahrer eines Geldtransport-Unternehmens, wird auf seiner Tour von 2 maskierten Tätern als Geisel genommen, um die Herausgabe der Tageseinnahmen zu erpressen. Herr Hahn kann danach nicht mehr die gleiche Tätigkeit ausführen, da er unter lang anhaltenden krankhaften Angstzuständen leidet. Die gesetzliche Unfallversicherung tritt ein.

Arbeitsunfall mit Todesfolge

Stirbt einer Ihrer Mitarbeiter innerhalb von 30 Tagen nach dem Arbeitsunfall, so erhalten dessen Hinterbliebenen Versorgungsleistungen (§§ 63 ff. SGB VII). Dies gilt jedoch nicht, wenn der Körperschaden nur zufällig während der Arbeitszeit aufgetreten ist.

Eine Putzfrau fällt beim Fensterreinigen plötzlich von der Trittleiter und verstirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Bei der anschließenden Untersuchung stellen die Ärzte fest, dass sie einen schweren Herzfehler hatte, der zum Tod führte. Die Folge: Es handelt sich nicht um einen Arbeitsunfall, da die äußere Einwirkung fehlt. Oder anders ausgedrückt: Die Putzfrau starb nur durch Zufall während ihrer Arbeit.

Ein solcher äußerer Anlass fehlt auch beispielsweise bei epileptischen Anfällen, Ohnmacht, Kreislaufversagen oder wenn ein sonstiges konstitutionelles Grundleiden bei Ihrem Mitarbeiter vorliegt (BSG, Urteil vom 02.02.1999, Aktenzeichen: B 2 U 6/98 R; in: SGB 1999, Seite 247). Anders sieht die Sachlage hingegen aus, wenn etwa ein Kreis-laufversagen durch körperlich oder psychisch überanstrengende Arbeit ausgelöst wird.

Führt der Arbeitnehmer seine Verletzung mutwillig, das heißt in Selbstbeschädigungs-, Selbstverstümmelungs- oder Selbsttötungsabsicht (so genannte absichtliche Eigenverletzung) herbei, liegt kein Unfall vor.


Während eines Festes

Nehmen Ihre Mitarbeiter an Jubiläumsfeiern oder am Betriebsfest teil, sind diese Besuche wie alle Gemeinschaftsveranstaltungen nur dann unfallversichert, wenn

* dadurch die Verbundenheit zwischen Führungskraft und Mitar-beitern gepflegt werden soll,
* die Veranstaltung von Ihnen als Vorgesetztem veranstaltet, gefördert oder gebilligt wird und
* die Veranstaltung allen Teammitgliedern offen steht.

Bereichsleiter Erhard Oskar hat alle Mitarbeiter zu einer „Fahrt ins Blaue“ eingeladen. Beim abendlichen Kegeln fällt der studentischen Aushilfskraft eine Kugel auf den Fuß. Sie bricht sich dadurch 3 Zehen. Die Unfallkosten werden von der Berufsgenossenschaft übernommen.

Anders sieht es aus, wenn sich einige Kollegen selbstständig machen, weil sie noch „`was erleben“ wollen, und dabei zu Schaden kommen.

Während der Mahlzeit

Unversichert ist auch das Essen und Trinken Ihrer Mitarbeiter. Der Grund: Es wird dem persönlichen und nicht dem betrieblichen Lebensbereich zugerechnet. Das gilt auch für Mahlzeiten in der Betriebskantine.

Ute Franken geht mittags häufig in den Fischimbiss neben ihrem Unternehmen. Eines Tages bleibt ihr eine Gräte so im Hals stecken, dass sie einen Arzt aufsuchen muss, der die Gräte entfernt. Da Essen immer Privatsache ist, übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung nicht die Kosten.

Der Weg zur und von der Betriebskantine, den Ihre Teammitglieder zurücklegen, um das Mittagessen einzunehmen, steht dagegen grundsätzlich unter Versicherungsschutz – vorausgesetzt, der Weg ist nicht länger als 3 Kilometer.


Unterwegs

Neben dem Kernbereich des Unfallversicherungsschutzes, der eigent-lichen Arbeit im Betrieb, sind auch alle Unfälle versichert, die Ihren Mitarbeitern auf Dienstreisen oder bei dienstlichen Botengängen oder Fahrten passieren. Ausnahme: Der Weg wird aus privaten Gründen unterbrochen, wie beispielsweise wenn Ihre Mitarbeiter auf dem Nachhauseweg Einkäufe erledigen.

Die Angestellte Rita Michaelsen macht auf dem Weg von ihrem Arbeitsplatz zu ihrer Wohnung einen Umweg von 100 Me-tern, um bei einer Bank Geld abzuheben. Kurz vor Erreichen der Bank verunglückt sie und erleidet eine Knieverletzung. Die Folge: Der Unfall ist kein Arbeitsunfall, da Frau Michaelsen ihren unmittelbaren Nach-hauseweg verlassen hat und dies aus privaten Gründen geschah.

Dagegen sind Ihre Mitarbeiter versichert, wenn sie Kinder wegen ihrer beruflichen Tätigkeit zu Kindertagesstätten oder Tagesmüttern bringen (§ 8 Absatz 2 Nr. 2a SGB VII). Das gilt ebenso für Umwege, die im Rahmen von Fahrgemeinschaften erforderlich sind.


Auf Grund eines persönlichen Disputs

Auch wenn sich ein Unfall während der Arbeitszeit oder auf dem Werksgelände ereignet – nicht immer ist dies auch ein Arbeitsunfall. Vielmehr muss die betriebliche Tätigkeit die Ursache für den Unfall gewesen sein.

Die Bauhelfer Schmidt und Köfler neigen zu Wutausbrüchen. Nachdem sie über die Leistungen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unterschiedlicher Auffassung sind, haben beide Fußballfans am Ende blutige Nasen.

Unter gesetzwidrigen Umständen

Verhält sich Ihr Mitarbeiter gesetzwidrig, schließt das einen versicherten Arbeitsunfall grundsätzlich nicht aus. Selbst wenn der Versicherte in vollem Bewusstsein gegen ein Verbot verstoßen hat, liegt höchstens eine fahrlässige Handlung vor, da er in der Regel damit rechnet, dass sein Unterfangen gut ausgehen wird.

Gustav Lungmoos ist spät dran. Um rechtzeitig im Betrieb zu sein, fährt er sein Auto mit weit überhöhter Geschwindigkeit. Dabei kommt er von der Straße ab und landet verletzt auf einer Wiese. Sein Unfall wird als Arbeitsunfall anerkannt. Der Grund: Wer sich durch vernunftwidriges Verhalten gefährdet und dadurch einen Unfall erleidet, ist nicht unfallversichert. Es muss sich dann aber um eine besonders herausragende Selbstgefährdung handeln, die sich deutlich von Leichtsinn oder Leichtfertigkeit abhebt. Mit der Fahrweise hat Herr Lungmoos bewusst gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Seine Verletzung hat er sich jedoch nicht vorsätzlich, sondern nur fahrlässig zugezogen.
Checkliste: So erkennen Sie schnell und sicher versicherte Arbeitsunfälle
Liegt ein Unfall vor?  
Ist ein körperlicher Schaden entstanden?  
War der Verletzte für Ihren Betrieb tätig?  
Hat der Verletzte zum Unfallzeitpunkt eine betriebliche Tätigkeit ausgeführt?  
War diese vor dem Unfall ausgeübte Tätigkeit ursächlich für die Verletzung?  

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