Hygiene: Mit diesen Maßnahmen schützen Sie Ihre Mitarbeiter wirksam

Hygiene: Mit diesen Maßnahmen schützen Sie Ihre Mitarbeiter wirksam

In vielen Bereichen, wie z. B. in Lebensmittelbetrieben, Schlachthöfen, Reinigungsbetrieben und im Gesundheitswesen, sind passgenaue Hygienemaßnahmen für den Gesundheitsschutz der Beschäftigten unverzichtbar. Dies gilt besonders auch für den Operationsbereich in Krankenhäusern und in ambulant operierenden Arztpraxen, wo das Thema Hygiene gleich eine doppelte Herausforderung darstellt: Denn nicht nur die Patienten auf dem OP-Tisch müssen vor Infektionen geschützt werden, sondern auch das medizinische Personal ist erhöhten Ansteckungsgefahren durch vom Patienten ausgeschiedene Krankheitserreger ausgesetzt. Neben Infektionsrisiken bestehen für das OP-Team auch weitere Gefährdungen, z. B. durch Gefahrstoffe (Desinfektionsmittel) oder Strahlung (Röntgengeräte). Lesen Sie hier am Beispiel OP-Bereich, wie Sie mit welcher Schutzkleidung und Persönlicher Schutzausrüstung Ihre Kollegen dagegen wirksam schützen. Viele dieser Maßnahmen sind auch auf andere Tätigkeitsfelder übertragbar.

Nicht alle Kleidung, die im OP getragen wird, ist Schutzkleidung in dem Sinne, dass sie den Beschäftigten bei der „hier und jetzt“ ausgeübten Tätigkeit schützt.

* Arbeitskleidung ist eine Kleidung, die anstelle oder in Ergänzung der Privatkleidung bei der Arbeit getragen wird. Hierzu gehört z. B. der weiße Arztkittel ohne besondere Schutzfunktion.
* Bereichskleidung soll die Keimverschleppung innerhalb einer Einrichtung in den OP verhindern und schützt so indirekt die Beschäftigten und/oder den Patienten.
* Hygienebekleidung dient dem direkten Schutz des einzelnen Patienten vor Infektionen, so etwa der sterile OP-Kittel oder die sterilen OP-Handschuhe.
* Schutzkleidung dient wie Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) dem Schutz der Arbeitnehmer vor schädigenden Einwirkungen bei der Arbeit, z. B. der OP-Kittel, Schutzhandschuhe und Schutzbrille.

Damit PSA und Schutzkleidung ihre Schutzfunktion erfüllen können, müssen sie entsprechend ausgewählt und verwendet werden. Gesetzliche und berufsgenossenschaftliche Anforderungen hierzu sind in unterschiedlichen Vorschriften enthalten, z. B.

* in der Biostoffverordnung und der
* PSA-Benutzungsverordnung sowie
* in der Berufsgenossenschaftlichen Regel „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege“ (BGR 250).

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, aufgrund der Gefährdungsbeurteilung die geeignete Schutzkleidung und PSA auszuwählen und den Beschäftigten zur Verfügung zu stellen; die Beschäftigten haben diese bestimmungsgemäß zu benutzen. Sie als Sicherheitsfachkraft beraten den Arbeitgeber einerseits bei der Gefährdungsbeurteilung und der richtigen Auswahl der Schutzkleidung/-ausrüstung und sorgen andererseits dafür, dass die Mitarbeiter zu ihrer ordnungsgemäßen Verwendung unterwiesen werden.

Bei der Auswahl der Schutzkleidung und Schutzausrüstung für die Arbeit im OP sollten Sie folgende Anforderungskriterien im Auge behalten:

Die richtigen OP-Schuhe: nicht nur rutschsicher

OP-Schuhe müssen rutschsicher sein und den Träger vor Kontamination durch Flüssigkeit schützen, wenn mit dieser zu rechnen ist. Außerdem sollten sie maschinell zu reinigen und zu desinfizieren sein, um eine Keimverbreitung bei der Wiederaufbereitung zu verhindern. Und schließlich müssen OP-Schuhe antistatisch sein, denn eine elektrische Aufladung des Körpers (für die schon die Reibung von Textilien ausreicht) kann sensible medizinische Geräte ernsthaft gefährden. Sie erkennen antistatische OP-Schuhe an dem ESD-Zeichen („electrostatic discharge“) oder der Kennzeichnung „antistatisch“ am Schuh.

Aber nicht nur das ist wichtig. Fehlhaltungen des Fußes haben negative Auswirkungen auf die Wirbelsäule sowie auf die Gelenke der unteren Extremitäten, besonders bei Tätigkeiten wie im OP, die langes Stehen erfordern. Deshalb sollten die OP-Schuhe

* passgenau sein,
* durch hochgezogene Fersen oder/ und Fersenriemen Halt geben und
* durch Dämpfung die Füße entlasten.


Bereichskleidung im OP

Das Tragen von (farbiger) Bereichskleidung im OP soll die Gefahr der Verschleppung von nosokomialen Infektionserregern („Krankenhausinfektionen“) aus anderen Bereichen einer Einrichtung in die OP-Abteilung minimieren. Beim Betreten der OP-Abteilung legen alle Personen auf der „unreinen“ Seite des Personalumkleideraums ihre Oberbekleidung einschließlich der Schuhe ab. Nach der hygienischen Händedesinfektion wird auf der „reinen“ Seite des Umkleideraums die keimarme Bereichskleidung angelegt. Achten Sie darauf, dass die Bereichskleidung täglich, bei sichtbarer Kontamination oder Verunreinigung mit Blut oder anderem potenziell infektiösen Material sofort gewechselt wird. Die OP-Bereichskleidung kann zum Schutz vor Kälte oder Zugluft durch geeignete Kleidung ergänzt werden. Dazu gehört z. B. der Kälteschutzkragen.


Was auf die Nase: Mund-Nasen-Schutz

Wenn im OP-Saal die sterilen Instrumente bereits vorbereitet sind oder die OP unmittelbar bevorsteht bzw. bereits durchgeführt wird, muss vor Betreten des Operationssaals ein Mund-Nasen- Schutz (MNS) angelegt werden. Er soll primär die Verbreitung von Tröpfchen aus dem Nasen-Rachen-Raum des Beschäftigten verhindern. Gleichzeitig soll er diesen vor Spritzern von Körperflüssigkeit des Patienten schützen. Dazu muss der MNS ausreichend groß sein, Mund und Nase (und ggf. auch Barthaare) vollständig bedecken und eng am Gesicht anliegen. Verwenden Sie nur Masken, die die Anforderungen der Norm EN 14683 „Chirurgische Masken – Anforderungen und Prüfverfahren“ erfüllen. Sorgen Sie dafür, dass der MNS vor jeder Operation und bei sichtbarer Verschmutzung oder Durchfeuchtung erneuert wird.

*Achtung:* Leidet der Patient unter stark infektiösen Krankheiten wie z. B. offener Lungen-Tuberkulose, sorgen Sie für leistungsfähigere Masken (in diesem Fall z. B. eine FFP2-Maske ohne Ausatemventil oder eine FFP3-Maske mit geschütztem Ausatemventil).


Unter die Haube

OP-Hauben werden ebenfalls vor dem Betreten des OP-Bereichs in der Personalschleuse angelegt. Sie werden getragen, um das Risiko einer Kontamination des OP-Felds durch Mikroorganismen zu reduzieren, die von den Haaren des OP-Teams stammen. Ebenfalls dienen die OP-Hauben dem Schutz der OP-Mitarbeiter vor Kontamination mit potenziell infektiösen Materialien. Sie müssen die Kopfhaare vollständig bedecken. Nach Kontamination, spätestens jedoch beim Ausschleusen, sind die Hauben zu wechseln. Mehrfach verwendbare OP-Hauben dürfen nur verwendet werden, wenn sie als „waschfähig“ gekennzeichnet sind. Sie sind vor erneuter Wiederverwendung mit einem geeigneten Waschverfahren (Herstellerangabe) aufzubereiten. Sie dürfen, wie auch andere OP-Kleidung, nicht zu Hause gewaschen werden.


Der richtige Augen- und Gesichtsschutz

Nach der BGR 250 muss eine Schutzbrille getragen werden, wenn mit dem Verspritzen oder Versprühen (potenziell) infektiöser Materialien oder Flüssigkeiten zu rechnen ist. Als Augen- bzw. Gesichtsschutz im OP sind geeignet:

* Bügelbrillen mit Seitenschutz, ggf. mit Korrekturgläsern
* Überbrillen
* Mund-Visier-Kombinationen
* Gesichtsschutzschilde

Bei Tätigkeiten mit speziellen Gefährdungen, z. B. beim Umgang mit Lasern, ist dafür geeigneter Augenschutz zu tragen (s. u.).


Schutzkittel

Nach der chirurgischen Händedesinfektion legt das OP-Team im OP-Saal einen sterilen Operationskittel (Mehroder Einwegkittel) und anschließend sterile OP-Handschuhe an. Die sterile OP-Kleidung muss die Funktion einer Schutzbarriere gegenüber Krankheitserregern erfüllen. Bei Operationen, bei denen ein Durchfeuchten nicht auszuschließen ist, sind flüssigkeitsundurchlässige OP-Kittel erforderlich.

Medizinische Handschuhe

Zum Einsatz kommen sterile und unsterile medizinische Einmalhandschuhe, die puderfrei und allergenarm sein müssen, z. B. aus Latex, Vinyl oder Nitrilkautschuk. Im operativen Bereich ist das Tragen von Indikatorhandschuhen (die eine Perforation sofort sichtbar machen) oder das Tragen von 2 Paar verschiedenfarbigen Handschuhen übereinander zu empfehlen. Dies gilt besonders bei Eingriffen mit hoher Verletzungsgefahr bzw. bei Patienten mit Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C, die durch Blut übertragen werden. Auch diese Maßnahme bietet jedoch keinen vollständigen Schutz vor Stich- und Schnittverletzungen. Denn viele Beschäftigte sind bei ihrer Tätigkeit Gefährdungen durch Stich- und Schnittverletzungen durch benutzte Instrumente oder einen sonstigen Kontakt mit Körperflüssigkeiten, insbesondere durch Schleimhautkontakt, ausgesetzt. Für den „Fall des Falles“ müssen in einem Notfallplan Sofortmaßnahmen zur Abwendung und Eingrenzung einer Infektion festgelegt werden. Sorgen Sie dafür, dass alle betroffenen Kollegen diesen Plan kennen.


Hautschutz und Hautpflege

OP-Personal muss nicht nur oft viele Stunden am Tag Handschuhe tragen, sondern die Hände auch übermäßig häufig waschen und desinfizieren – das nimmt die Haut schnell übel. Achten Sie darum besonders darauf, dass sich alle an den festgelegten Hautschutzplan halten. Wer die ersten Symptome von Hauterkrankungen an sich entdeckt, darf nicht zögern, sich unverzüglich an den Betriebsarzt zu wenden, damit dieser die notwendigen Schritte einleiten kann, bevor es zu möglicherweise irreparablen Schäden kommt.


Woran Sie noch denken sollten

Wenn in Ihrem OP Laser eingesetzt werden, müssen alle Personen im OP-Saal bei Laseranwendungen eine spezielle Laserschutzbrille tragen. Dies gilt auch für Brillenträger (Überbrille).

Wenn in Ihrem OP Röntgengeräte eingesetzt werden, ist Folgendes zu beachten:

* Sofern die strahlenexponierten Mitarbeiter vom Strahlenschutzbeauftragten, der für ihren Bereich zuständig ist, anhand eines sogenannten Strahlenexpositionsbogens in die Kategorie A eingeteilt werden, ist für diese Mitarbeiter eine jährliche arbeitsmedizinische Pflichtuntersuchung nach der Röntgenverordnung erforderlich.
* Bei einer Durchleuchtung mit dem chirurgischen C-Bogen müssen alle Mitarbeiter im OP-Saal Röntgenschutzkleidung und ein Personendosimeter zur Aufzeichnung der Strahlenbelastung tragen.
* Die Röntgenschutzkleidung besteht mindestens aus Röntgenschutzschürzen (einseitig oder rundum geschlossen), die vom Halsansatz bis zu den Kniescheiben das gesamte Brustbein und die Schultern bedecken, sowie einem Schilddrüsenschutz. Bei Bedarf wird diese Schutzkleidung durch Röntgenschutzbrillen, Röntgenschutzhandschuhe (Haltemaßnahmen bei Aufnahmen) oder chirurgische Röntgenschutzhandschuhe ergänzt.


Umgang mit Gefahrstoffen

Im OP können unterschiedliche Gefahrstoffe vorhanden sein, u. a. Formaldehyd, Inhalationsanästhetika, flüssiger Stickstoff und Zytostatika. Welche PSA beim Umgang mit diesen Stoffen zu benutzen ist, hängt in erster Linie von der Art der jeweiligen Gefahrstoffe sowie von der Art der Tätigkeit ab. Erfassen Sie beides im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung und legen Sie dementsprechend die notwendigen Schutzmaßnahmen fest – darunter auch, welche PSA wann zu verwenden sind.

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