Guter Zustand? Schlechter Zustand? Darauf sollten Sie bei einer Inspektion achten

Inspektion, Zustandskontrolle, Inspektionseinheiten, Instandhaltung

Die wichtigsten Kriterien für die Zustandskontrolle

Die Inspektion gehört zu den Kernaufgaben der Instandhaltung. Dabei ist die Festlegung, welche Kenngrößen kontrolliert werden, ausschlaggebend für den Erfolg der Maßnahme, aber auch für den Aufwand und die Kosten. Um beides zu optimieren, sollten Sie sich nicht nur auf die Vorgaben des Herstellers verlassen.

Bei der Inspektion geht es darum, den momentanen Zustand eines Systems zu bewerten. Sie vergleichen also immer den festgestellten Ist- mit dem gewünschten Sollzustand und vergeben je nach Größe der Abweichung ein Urteil. Um einen Inspektionsprozess im Hinblick auf Effektivität und Effizienz zu optimieren, müssen wir uns die einzelnen Phasen genauer anschauen:

1. Phase: Definieren Sie die Inspektionseinheiten

Sie können Systeme anhand ihrer Komplexität unterteilen. Dabei interessiert uns weniger die akademische Definition, sondern lediglich die Frage, wie sich diese Unterteilung auf unsere Praxis auswirkt. Die Komplexität wird durch die Anzahl der Zustandsgrößen bestimmt, durch die sich der Gesamtzustand bestimmen lässt. Dazu kommen wir aber erst in der 2. Phase. Hier geht es nur darum, das zu betrachtende System zu definieren. In der Regel ist das eine konkrete Maschine oder ein exakt umgrenzter Teil einer Anlage. Das muss aber nicht immer die zweckmäßigste Aufteilung sein.

Beispiel: Wenn Sie als Systemdefinition eine komplette Maschine festlegen, müssen Sie alle Faktoren ermitteln, die auf den Zustand der Maschine einen Einfluss haben. Das kann eine extrem große Anzahl sein, von denen einige sich sehr schnell verändern, andere aber über lange Zeit stabil sind. In diesem Fall wäre es äußerst schwierig, einen sinnvollen Inspektionszeitraum zu finden.
Eine sinnvolle Alternative dazu wäre die Definition gleichartiger Subsysteme, die sich in mehreren Maschinen Ihres Unternehmens finden. Voraussetzung ist hier aber eine möglichst identische Nutzungsart (Dauer und Belastung).

Beispiel: Sie legen ähnliche Getriebe als Inspektionseinheiten fest und führen die Inspektionen dann in einem zusammenhängenden Ablauf durch.
Mit einer solchen Strategie erreichen Sie die folgenden Vorteile:
● Die Mitarbeiter führen immer die gleichen Schritte durch, wodurch sich die Effizienz erhöht.
● Sie reduzieren den Einsatz von Werkzeugen und Messgeräten, die für die Arbeitsschritte benötigt werden.
● Die Inspektionsintervalle lassen sich aufgrund der gleichartigen Voraussetzungen leichter optimieren.

2. Phase: Legen Sie die einzelnen Zustandsgrößen fest

Dies ist der schwierigste Schritt einer effektiven Inspektion, denn er setzt eine extrem genaue Kenntnis des Systems voraus. Wichtig ist dabei die strikte Trennung zwischen Zustandsgröße und Einflussfaktoren! Eine Zustandsgröße ist geeignet, um den Zustand eines Systems zu bestimmen.

Beispiele:
● der Durchmesser einer Welle
● die Belagstärke einer Kupplungsscheibe
● der Fremdpartikelgehalt im Öl
● Einflussfaktoren hingegen haben eine Wirkung auf die Zustandsgröße, das heißt, sie können sie verändern.

Beispiele:
● Temperatur
● Grad der Belastung
● Verschmutzungen

Betrachten Sie diese Phase deshalb nie als abgeschlossen. Es können weitere Faktoren hinzukommen, andere können aufgrund ihrer geringen Relevanz wegfallen. Neben der reinen Identifikation ist natürlich auch die Wichtigkeit entscheidend.
Es gibt Größen, die nur einen geringen Einfluss haben, und es gibt die sogenannten „durchschlagenden“ Faktoren, die allein den Gesamtzustand bestimmen können.

Beispiel: Stellen Sie bei einer Inspektion eine gebrochene Antriebswelle fest, so schlägt dieser Einzelfaktor voll auf das zu betrachtende übergeordnete System (Getriebe, Maschine) durch.
Diese Einteilung erweist sich vor allem dann als sinnvoll, wenn Sie die Strategie „Online-Offline-Inspektion“ nutzen (s. weiter unten). In diesem Fall betrachten Sie zuerst den durchschlagenden Faktor, der am einfachsten erkannt werden kann. Im Extremfall können Sie allein damit schon den Gesamtzustand des Systems bestimmen.


Quelle: Kzenon, fotolia.de

Wichtig sind die regelmäßigen Gespräche mit dem Maschinenbediener vor Ort und die Beobachtung der Maschine im regulären Betrieb.

3. Phase: Festlegung der äußeren Einflussfaktoren

Die erfassten einzelnen Zustandsgrößen können auch von den jeweiligen Umgebungs- und Betriebsbedingungen abhängen. Messen Sie z. B. die Lagertemperatur, hat die Umgebungstemperatur Auswirkungen darauf. Der Betriebsstrom eines Elektromotors wiederum ist in hohem Maße von der konkreten Belastung abhängig. Sie können diese Einflussfaktoren kompensieren (a), dokumentieren (b) oder eliminieren (c):
a) Die Kompensation ist der beste Weg, allerdings nicht immer durchführbar. Dabei berechnen Sie für die geänderten Einflussfaktoren neue Zustandsgrößen. Das kann anhand einer zu erstellenden Tabelle oder einer Funktion geschehen. Diese Methode kann äußerst aufwendig werden und ist deshalb nur dann sinnvoll, wenn der Einfluss der Zustandsgröße eine entsprechend hohe Relevanz hat.
b) Die Dokumentation nutzen Sie dann, wenn keine Kompensation möglich ist und der Einfluss (zum jetzigen Zeitpunkt) als nicht besonders relevant angesehen werden kann. Sie halten lediglich die Bedingungen fest, um später aus einem umfangreicheren Datenmaterial die Abhängigkeiten zu konkretisieren.
c) Bei der 3. Strategie geben Sie die Randbedingungen für eine Inspektion exakt vor. Die Inspektion wird in diesem Fall nur dann möglich, wenn diese Bedingungen im Bereich der erlaubten Grenzen liegen. Dieser Weg wird dann genutzt, wenn die Einflussgrößen nicht kompensiert werden können, Sie aber davon ausgehen müssen, dass sie einen wichtigen Einfluss auf den aktuellen Zustand haben.

Mit diesen Strategien optimieren Sie Ihre Inspektionsergebnisse. Um ein Optimum zwischen Aufwand und Nutzen zu erreichen, sollten Sie die folgenden Strategien in Ihre Inspektionen integrieren.

1. Strategie: Nutzen Sie alle Möglichkeiten der Dokumentation
Dokumentieren Sie nicht nur die typischen Messwerte, sondern halten Sie möglichst viel vom Umfeld fest. Filmen Sie die Abläufe, fotografieren Sie das System aus unterschiedlichen Perspektiven, nehmen Sie Geräusche auf.

2. Strategie: Etablieren Sie Inspektionsaudits
In vielen Betrieben werden Inspektionen von den jeweils zuständigen Mitarbeitern durchgeführt und dokumentiert. Der Rest der Instandhaltungsabteilung bekommt vom Ablauf und den Ergebnissen nichts mit. Damit verschenken Sie ein enormes Potenzial. Führen Sie im gesamten Team regelmäßige Analysen Ihrer Inspektionen durch. Nutzen Sie dazu das erstellte Datenmaterial. Besprechen Sie dann, was verbessert werden könnte. Welche Aspekte werden nicht berücksichtigt? Sind die Inspektionsintervalle optimal?

3. Strategie: Erstellen Sie zweckgebundene Inspektionen
Im Regelbetrieb werden Inspektionen in festgelegten statischen oder dynamischen Intervallen durchgeführt. Es gibt allerdings eine Reihe von Ereignissen, bei denen eine themen- oder zweckgebundene Inspektion sinnvoll sein kann. Erstellen Sie dazu geeignete Inspektionspläne.

4. Strategie: Nutzen Sie die Vorteile der Offline-Inspektion
Inspektionen können zum Teil sehr aufwendig und damit langwierig sein. Sind sie zudem nur im Stillstand möglich, können längere Produktionsausfälle oder -behinderungen die Folge sein. Um das zu umgehen, können Sie komplexe Inspektionen auch „offline“ durchführen.
Dazu tauschen Sie eine größere Komponente (z. B. ein Getriebe) vorsorglich komplett aus, wenn dies wesentlich weniger Zeit erfordert als die aufwendige Inspektion. Die zu untersuchende Komponente wird dann in der Werkstatt in Ruhe inspiziert und ggf. gewartet und steht danach wieder zum Austausch zur Verfügung.

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