Ganz entspannt: So sorgen Sie für sicheres „Arbeiten unter Spannung“

Ganz entspannt: So sorgen Sie für sicheres „Arbeiten unter Spannung“

Strom abschalten – im Fachjargon: „Freischalten“ – ist das 1. Gebot, wenn Arbeiten an elektrischen Anlagen und Geräten durchgeführt werden müssen. Leider ist das nicht immer möglich – z. B. wenn dadurch Ampelanlagen außer Betrieb gesetzt würden und das zu schweren Verkehrsunfällen führen könnte. Darum lässt die Berufsgenossenschaftliche Vorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (BGV A3) Ausnahmen von diesem Sicherheitsgrundsatz unter bestimmten Bedingungen zu – wenn Sie dabei die notwendigen Schutzmaßnahmen beachten. Beschrieben sind diese wiederum in der Berufsgenossenschaftlichen Regel „Anforderungen und Schutzmaßnahmen für Arbeiten unter Spannung an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln“ (BGR A3).

Für welche Tätigkeiten gilt die BGR A3?

Mit „Arbeiten unter Spannung“ (AuS) ist jede Tätigkeit gemeint, bei der eine Person mit Körperteilen oder Gegenständen (Werkzeuge) unter Spannung stehende Teile berührt oder in die Gefahrenzone gelangt. Eine Gefahrenzone ist z. B. auch dort gegeben, wo ein Lichtbogen entstehen kann. Manche Arbeiten (nach Abschnitt 1.2 der BGV A3) sind jedoch von der Regel ausgenommen, etwa das Abklopfen von Raureif mit isolierenden Stangen oder das Anspritzen unter Spannung stehender Teile bei der Brandbekämpfung.


Wann sind Arbeiten unter Spannung erlaubt?

Erlaubt sind Arbeiten an gefährlichen stromführenden Teilen nach der BGV A3 nur, wenn sie aus zwingenden Gründen notwendig sind. Als „zwingende Gründe“ erkennt die Durchführungsanweisung (DA) zur BGVA3 – neben der vorstehend bereits erwähnten möglichen Verkehrsgefährdung infolge des Stromabschaltens – z. B auch einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden für den Betrieb oder die Behinderung des Bahnbetriebs durch stromlos gemachte Fahrleitungen an.


Gefährdungsbeurteilung ist Pflicht

Stehen AuS-Arbeiten an, müssen Sie bzw. Ihr Chef vorher durch eine Gefährdungsbeurteilung ermitteln, ob sie sicher ausgeführt werden können. Dabei ist nicht nur der ganz normale Arbeitsablauf zu betrachten, sondern Sie müssen z. B. auch „Pannen“ durch Abrutschen des Werkzeugs oder Herabfallen von Teilen berücksichtigen. In Betrieben mit über 10 Beschäftigten muss die Beurteilung schriftlich dokumentiert werden.


Sorgen Sie für eine schriftliche Arbeitsanweisung

Für AuS-Arbeiten muss eine schriftliche Arbeitsanweisung erstellt werden. Darin ist neben genauen Regelungen zum Arbeitsablauf u. a. festzulegen,

* dass der beauftragte Beschäftigte vor Ort eigenverantwortlich entscheiden kann, dass die Arbeit nicht sicher auszuführen ist, z. B. wegen fehlender Standsicherheit bei Arbeiten in der Höhe,
* welche Materialien und Werkzeuge eingesetzt werden dürfen bzw. müssen,
* welche Persönlichen Schutzausrüstungen benutzt werden müssen,
* wann die Arbeiten ausgeführt werden müssen, etwa wegen möglicher Auswirkungen auf ein öffentliches Stromnetz,
* dass – wenn die Gefährdungsbeurteilung dies ergibt – eine 2. Person an der Arbeitsstelle anwesend sein muss, die mindestens elektrotechnisch unterwiesen ist und eine Erste-Hilfe-Ausbildung hat,
* welche Maßnahmen zum Schutz vor und von unbeteiligten Dritten ggf. anzuwenden sind.


Nicht jeder darf

Wegen der besonderen Gefahren bei AuS ist die Qualifikation aller an der Anordnung und Durchführung dieser Arbeiten Beteiligten streng geregelt. Die Einhaltung dieser Anforderungen liegt in der Verantwortung des Arbeitgebers. Die folgende Übersicht zeigt die Funktionen der und Anforderungen an die Beteiligten. So hat der Arbeitgeber einen Arbeitsverantwortlichen zu benennen, der über eine spezielle Ausbildung verfügen muss.


Arbeitsverantwortliche: Spezialausbildung vorgeschrieben

An Beschäftigte, die AuS durchführen, werden hohe Anforderungen gestellt: Sie müssen

* Elektrofachkraft und
* mindestens 18 Jahre alt sein,
* die erforderliche gesundheitliche Eignung mitbringen (Nachweis z. B. durch die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 25 „Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten“),
* eine Erste-Hilfe-Ausbildung einschließlich Herz-Lungen-Wiederbelebung absolviert haben.

Neben dieser Berufserfahrung ist eine genau auf die vorgesehenen Arbeiten zugeschnittene Ausbildung vorgeschrieben, die auch im Betrieb erfolgen kann. Die Inhalte sind in Abschnitt 3.2 der BGR A3 aufgelistet. Dazu gehören u. a.:

* Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften
* elektrische Gefährdungen und wichtige Unfallursachen
* Schutzmaßnahmen
* Arbeitsanweisungen
* praktische Arbeitsverfahren bei AuS

Die Ausbildung endet mit einer theoretischen und praktischen Prüfung durch den (innerbetrieblichen) Ausbilder. Sie ist schriftlich zu dokumentieren; die ausgebildete Person erhält hierüber ein Zeugnis.


Kenntnisse auffrischen und erweitern

Die Prüfung gilt nicht für die Ewigkeit: Sie muss regelmäßig wiederholt werden – einschließlich der Erste-Hilfe-Ausbildung. Empfohlene Fristen nach der BGR A3: alle 4 Jahre. Die jährliche Sicherheitsunterweisung nach dem Arbeitsschutzgesetz ist davon unabhängig. Auch andere Gründe können es notwendig machen, die Ausbildung (und Prüfung!) ganz oder teilweise zu wiederholen, z. B. bei Fehlhandlungen, wenn die Arbeiten lange nicht mehr ausgeführt wurden oder neue Arbeitsverfahren hinzukommen.


AuS-Pass empfohlen

Der Chef darf Beschäftigte nur dann mit AuS-Tätigkeiten beauftragen, wenn er sich vorher überzeugt hat, dass sie die oben beschriebenen Voraussetzungen erfüllen. Dieser muss dem vorgesehenen Mitarbeiter eine schriftliche Berechtigung für diese Arbeiten ausstellen – am besten durch einen „AuS-Pass“: Dieser sollte neben dem Namen seines Trägers u. a. die genauen Arbeitsberechtigungen (z. B. für Arbeiten an Zähleranlagen), die Ausbildungsstätte, das Datum der Prüfung und die Gültigkeit des Passes bzw. das Datum der nächsten Prüfung beinhalten.


Lebenswichtig: Schutzausrüstungen und Werkzeuge prüfen

AuS-Arbeiten ohne wirksame Schutzausrüstungen, z. B. isolierende Schutzbekleidung, sind nur etwas für Lebensmüde. Auch Hilfsmittel wie Spannungsprüfer usw. können tödlich sein, wenn sie durch langen Gebrauch möglicherweise schadhaft geworden sind. Die sorgfältige und regelmäßige Prüfung der Schutzausrüstungen, Werkzeuge und Hilfsmittel kann deshalb Leben retten. Sorgen Sie deshalb dafür, dass diese nach den empfohlenen Vorgaben regelmäßig geprüft werden.

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