Flucht- und Rettungswege: Mit der ASR A2.3 auf der sicheren Seite

Flucht- und Rettungswege: Mit der ASR A2.3 auf der sicheren Seite

Nach der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) müssen der Arbeitgeber bzw. Sie als Sicherheits- fachkraft Vorkehrungen treffen, damit Ihre Kollegen sich bei Gefahr unverzüglich in Sicher- heit bringen und schnell gerettet werden können (§ 4 ArbStättV). Dazu gehört auch ein Flucht- und Rettungsplan. Verzichten können Sie nur dann darauf, wenn die Art, Lage und Be- nutzung der Arbeitsstätte keinen Plan erfordern – was im Klartext bedeutet: Außer etwa in 2-Mann-Büros mit direkter Verbindung ins Treppenhaus oder ins Freie ist er für alle Betriebe Pflicht.
Genauere Anforderungen an Flucht- und Rettungspläne und Wege enthält die Technische Regel für Arbeitsstätten „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ (ASR A2.3). Hier steht das Wichtigste daraus für Sie im Überblick.

Geltungsbereich und Ausnahmen

Die ASR A2.3 fasst die entsprechenden Bestimmungen aus den bereits im Sep- tember 2007 zurückgezogenen Arbeitsstättenrichtlinien „Türen und Tore“ (ASR 10/1), „Verkehrswege“ (ASR 17/1,2) und „Sicherheits- beleuchtung“ (ASR 7/4) in einer Regel zusammen.

Sie gilt für Arbeitsstätten in Gebäuden und vergleichbaren Einrichtungen. Im Freien liegende Arbeitsstätten und Baustellen sind vom Geltungs- bereich ausgenommen (Nr. 2 der ASR). Die Regel soll demnächst um entsprechende Bestimmungen ergänzt werden; bis es so weit ist, sollten Sie die allgemeinen Festlegungen der Arbeitsstättenverordnung oder des Arbeitsschutzgesetzes an- wenden. Außerdem müssen Sie für Rettungs- wege und Notausgänge immer auch zusätzlich die Anforder- ungen des Bauordnungsrechts der Länder berücksichtigen.

Diese Anforderungen müssen Sie erfüllen

Die ASR enthält zunächst einen allgemeinen Teil (Abschnitt 4). Danach sind z. B. Fluchtwege deutlich erkennbar und dauerhaft zu kennzeichnen, Fluchtwege und Notausgänge ständig freizuhalten und Notausgänge, die von außen verstellt werden können, auch von außen zu kennzeichnen und durch weitere Maßnahmen zu sichern (z. B. durch die Anbringung von Ab- standsbügeln für Kraftfahrzeuge).

Weitere Abschnitte der ASR A2.3 enthalten zusätzliche spezielle Anforderungen

• zur Anordnung und zu den Abmessungen
von Flucht- und Rettungswegen,
• zu Türen in Fluchtwegen und zu
Notausgängen,
• zur Kennzeichnung von Flucht- und
Rettungswegen sowie von Notausgängen,
• zur Sicherheitsbeleuchtung und
• zum Flucht- und Rettungsplan.

Wie lang darf ein Fluchtweg sein?

Die ASR A2.3 schreibt für die Länge von Fluchtwegen vor, dass es von einem beliebigen Punkt in einem Arbeitsraum nicht weiter als 35 m bis zum nächsten Ausgang sein dürfen, in Räumen mit besonderen Gefähr- dungen sogar weniger (z. B. maximal 10 m in explosionsgefährdeten Räumen). Achtung: Mit dieser Entfernung ist nicht die Luftlinie gemeint. Vielmehr darf die tatsächliche Laufweglänge nicht mehr als das 1,5fache der erlaubten Fluchtweglänge betragen. Das kann z. B. bedeuten, dass Sie in einem Lager mit langen Regalreihen Durchlässe vorsehen müssen, um die neue Bestimmung zu erfüllen.

Flucht- und Rettungspläne

Flucht- und Rettungspläne müssen aktuell, übersichtlich, gut lesbar und farblich unter Verwendung von Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen gestaltet sein. Dies sind die bekannten Symbole aus der ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ wie z. B. das folgende:

!sites/default/files/uploads/img/flucht1.jpg(flucht1.jpg)!

Die Pläne müssen (nach DIN 4844-3 „Sicherheitskennzeichnung – Teil 3: Flucht- und Rettungspläne“) grafische Darstellungen enthalten über:

• den Gebäudegrundriss oder Teile davon,

• den Verlauf der Flucht- und Rettungswege,

• die Lage der Erste-Hilfe-Einrichtungen (Verbandkästen, Notduschen, Krankentragen),

• die Lage der Brandschutzeinrichtungen (Feuerlöscher, Löschdecken, Hydranten),

• die Lage der Sammelstellen nach Verlassen des Gebäudes,

• den Standort des Betrachters.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt dieses Beispiel:

!sites/default/files/uploads/img/rettungsplan1.jpg(rettungsplan1.jpg)!

Damit jeder die verwendeten Bildzeichen versteht, müssen Sie sie in einer
Legende erläutern, z. B. so:

!sites/default/files/uploads/img/legende1.jpg(legende1.jpg)!

Wichtig: Der Flucht- und Rettungsplan muss mindestens das Format DIN A3 aufweisen. Hängen Sie den Plan in ausreichender Zahl an geeigneten Stellen aus. Das sind beispielsweise zentrale Bereiche in Fluchtwegen, an denen sich häufi ger Personen aufhalten, z. B. vor Aufzugsanlagen, in Pausenräumen, in Eingangsbereichen, vor Zugängen zu Treppen und an Kreuzungspunkten Ihrer innerbetrieblichen Verkehrswege.

Woran Sie noch denken müssen

• Halten Sie Flucht- und Rettungspläne immer auf dem aktuellen Stand.

• Stellen Sie die Erkennbarkeit von Flucht- und Rettungsplänen bei Ausfall der Stromversorgung durch Verwendung lang nachleuchtender Material- ien, Beleuchtung oder Hintergrundbeleuchtung sicher.

• Überprüfen Sie mindestens alle 2 Jahre, ob die Flucht- und Rettungs- pläne in ordnungsgemäßem Zustand und gut erkennbar sind.

Sie dürfen den Flucht- und Rettungsplan zusammen mit der Brandschutzordnung und dem Alarmplan in einer gemeinsamen betrieblichen Regel zusammenfassen.

Unterweisen Sie Ihre Kollegen

Die ASR A2.3 fordert außerdem, dass der Arbeitgeber die Beschäftigten über den Inhalt der Flucht- und Rettungspläne sowie über das Verhalten im Gefahrenfall regelmäßig – vorzugsweise mindestens einmal jährlich – im Rahmen einer Begehung der Fluchtwege informiert.

Darüber hinaus sind in der neuen ASR Räumungsübungen auf der Grund- lage des Flucht- und Rettungsplans verbindlich vorgeschrieben (s. dazu das Schwerpunktthema auf S. 5).

Die ASR A1.3 und A2.3 können Sie im Premiumbereich unserer Website www.bwr-media.de downloaden.

* **Selbstverständlich können Sie den Spezial-Report auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2019 Produktionsportal. Impressum | Datenschutz