Die Menge macht´s: Gefahrguttransport in Kleinmengen

Die Menge macht´s: Gefahrguttransport in Kleinmengen

Häufig müssen Gefahrgüter transportiert werden. Auch kleine Unternehmen können davon betroffen sein.

Für den Gefahrguttransport im Straßenverkehr gibt es in dem europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) und in der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) eine Reihe gesetzlicher Auflagen.

Doch wenn Sie nur kleine Mengen gefährlicher Güter transportieren, brauchen Sie unter Umständen nicht alle Vorschriften der GGVSEB zu beachten. Viele kleine und mittlere Unternehmen können sich diese Kleinmengenregeln zunutze machen, die eine „erleichterte Beförderung“ zulassen.

!sites/default/files/uploads/img/Gefahrguttransport_neu.JPG(Gefahrguttransport_neu.JPG)!

*Abbildung:* Auch beim Gefahrguttransport im Kleinunternehmen muss ordnungsgemäß gekennzeichnet sein.

Es kann sich also für Sie und Ihr Unternehmen lohnen, beim Transport von Gefahrgütern auf die Mengenbegrenzungen dieser Regeln zu achten.

Grundsätzlich wird dabei zwischen der sogenannten Beförderung im Rahmen der Haupttätigkeit und Versorgungstransporten unterschieden.

Kleinmengentransport im Rahmen der Haupttätigkeit bedeutet, dass mit dem Fahrzeug gefährliche Güter transportiert werden, um sie vor Ort zu verwenden. Dazu gehören beispielsweise der Werkstattwagen mit Öl an Bord.

Dabei dürfen die höchstzulässigen Mengen (siehe nachfolgende Tabelle) und die Maximalmenge von 450 l je Verpackung nicht überschritten werden. Der Transport darf nicht für die interne oder externe Versorgung erfolgen. Das Transportgut muss so gesichert sein, dass es unter normalen Transportbedingungen nicht austreten kann. Eine besondere Kennzeichnung ist dann nicht erforderlich.


Für Versorgungsfahrten gelten andere Regeln

Von dieser Art des Transports sind sogenannte Versorgungsfahrten zu unterscheiden, bei denen das gefährliche Gut lediglich zu Versorgungszwecken von A nach B transportiert wird. Dazu gehört beispielsweise der werkseigene Transporter, der mehrere Baustellen mit Material versorgt.

Hier dürfen auch Behälter über 450 l Inhalt transportiert werden, wenn sie in bauartgeprüfter Verpackung befördert werden. Außerdem müssen die zutreffenden Gefahrenzettel und UN-Nummern an der Verpackung angebracht sein. Ein 2-kg-ABC-Löscher muss an Bord sein. Rauch, Feuer und offenes Licht in und am Fahrzeug sind verboten. Ebenso ist es der Fahrzeugbesetzung nicht erlaubt, die Verpackung der Güter zu öffnen.

Bei Versorgungsfahrten hilft Ihnen die folgende Checkliste:

Checkliste: Kleinmengen beim Gefahrguttransport
 Nr.  Aufgabe/Frage  erledigt (Ja/Nein) Maßnhamen zu erledigen bis
 1. Werden die erlaubten Höchstmengen (max. 450 l) nicht überschritten?   Bei Nein: Menge reduzieren/auf mehrere Fahrten aufteilen.
 2. Erfolgt der Transport in bauartgeprüften
Verpackungen?
  Bei Nein: Kleinmengenregelung
kann nicht angewendet
werden!
 3. Sind Gefahrzettel und UN-Nummern auf der Verpackung angebracht?   Bei Nein: Ordnungsgemäße
Kennzeichnung vornehmen!
 4. Werden geprüfte Feuerlöscher der Brandklassen ABC (mindestens 1 2-kg-Löscher) mitgeführt?   Bei Nein: Feuerlöscher vor Fahrtantritt nachrüsten.
 5. Offenes Licht und Feuer sind am und im Fahrzeug verboten. Ist der Fahrer entsprechend unterwiesen?   Bei Nein: Unterweisung vornehmen
und dokumentieren.
 6.  Sind Fahrer/Beifahrer darüber informiert, dass sie keine Packstücke öffnen dürfen?   Bei Nein: Unterweisung vornehmen
und dokumentieren.

Wenden Sie die 1.000-Punkte-Regel an

Wird nur ein einzelner Stoff oder ein Produkt transportiert, können Sie die Höchstmengen der vorstehenden Tabelle oder dem ADR entnehmen.

Werden aber verschiedene Gefahrgüter transportiert, so müssen Sie die 1.000-Punkte-Regel anwenden, um zu ermitteln, ob ein erleichterter Transport möglich ist. Dazu multiplizieren Sie die Menge jedes einzelnen Gefahrguts mit dem zugehörigen Faktor (siehe Tabelle). Die Ergebnisse summieren Sie für alle zu transportierenden Güter auf. Ist die Summe daraus < 1.000, so können Sie die Regeln für den vereinfachten Gefahrguttransport anwenden. Wenn die Summe jedoch ≥1.000 ist, müssen Sie alle Anforderungen der Gefahrgutverordnung umsetzen.

Sie transportieren auf Ihrem Lieferwagen 2 Kanister à 20 l mit Dieselkraftstoff, die Sie auf einer Baustelle benötigen. Außerdem führen Sie 2 Flaschen à 30 kg mit Propangas mit. Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

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Dieser Transport kann nach den Bedingungen für die Kleinmengenregelung ausgeführt werden. Sie transportieren auf Ihrem Lieferwagen 6 Kanister à 20 l mit Dieselkraftstoff. Außerdem führen Sie 9 Flaschen à 30 kg mit Propangas mit. Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

!sites/default/files/uploads/img/Bsp-Rechnung02.JPG(Bsp-Rechnung02.JPG)!

_Dieser Transport darf nicht nach den Bedingungen für die Kleinmengenregelung ausgeführt werden._

Beachten Sie auch in diesem Fall die rechtlichen Zuständigkeiten: Der Unternehmer und Fahrzeughalter trägt die Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Diese Verantwortung kann nicht delegiert werden!

Gefahrgutliste mit Angaben zur Höchstmenge und Berechnungsfaktor für Kleinmengen gemäß ADR (beispielhaft):

Klasse

UN-

Nummer

Klassifi-

zierungs-

code

Verpack-

ungs-

gruppe

Stoffe/

Zubereitung

Höchst-

menge*
Faktor

    333
3
1000
1
2 1001 4F   Acetylen, gelöst x  
1072 10   Sauerstoff, verdichtet   x
1965 2F  

Kohlenwasser-

stoffgas, gemischt, verflüssigt,
N.A.G. (Propan)

x  
1950 5F   Druckgaspackung (feuergefährlich) x  
3 1133 F1 II Klebstoff x  
1133 F1 III Klebstoff   x
1202 F1 III Dieselkraftstoff   x
1203 F1 II Benzin x  
1263 F1 II Farbe x  
1263 F1 III Farbe x  
4.1 3175 F1 II Feste Stoffe, die entzündliche Flüssigkeite
enthalten (Putzlappen)
x  
6.1 2810 T1 III giftiger, organischer, flüssiger Stoff, N.A.G. x  
2902 T6 III Pestizid, flüssig, giftig, N.A.G. x  
2927 TC1 II giftiger, organischer, flüssiger Stoff, ätzend, N.A.G. x  
3287 T4 III giftiger, anorganischer, flüssiger Stoff, N.A.G. x  
8 1719 C5 II ätzender, alkalischer, flüssiger Stoff x  
1719 C6 III ätzender, alkalischer, flüssiger Stoff   x
1760 C9 II ätzender, flüssiger Stoff x  
1760 C9 III ätzender, flüssiger Stoff   x
2796 C1 II Batterieflüssigkeit, sauer x  

*Absender* können Unternehmer, Bauleiter, Poliere oder Vorarbeiter sein. Auch sie tragen Verantwortung. Sie müssen beispielsweise den Verlader darauf hinweisen, seine Ladung ordnungsgemäß zu sichern und zu kennzeichnen. Stellen Sie also sicher, dass sich dieser Personenkreis seiner Verantwortung bewusst ist. Unterweisen Sie diese Personen regelmäßig (mit Dokumentation) und nehmen Sie eine schriftliche Pflichtenübertragung vor.

Als Verlader haben Sie unter anderem die richtige Zusammenstellung der Ladung (Zusammenlagerungsverbote, Transportvorschriften etc.) und die ordnungsgemäße Ladungssicherung zu prüfen.

Dokumentieren Sie etwa durch eine Checkliste und Fotos, dass eine Ladung ordnungsgemäß gesichert Ihr Unternehmensgelände verlassen hat. Damit schützen Sie sich und Ihr Unternehmen vor möglichen späteren Regressansprüchen.

Der *Fahrzeugführer* hat die Verkehrssicherheit seiner Ladung sicherzustellen. Dazu gehören beispielsweise die richtige Verladung und Sicherung wie eine ordnungsgemäße Kennzeichnung des Fahrzeugs. Durch eine entsprechend dokumentierte Unterweisung können Sie die Verantwortung dafür auf den Kraftfahrer übertragen. Der Unternehmer bzw. seine verantwortlichen (leitenden) Mitarbeiter haben sich aber zu vergewissern, dass die Fahrer ihrer Verpflichtung auch wirklich nachkommen!

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