Wie sieht die Energiesituation für Deutschland bei den endlichen Energieträgern aus?

Wie sieht die Energiesituation für Deutschland bei den endlichen Energieträgern aus?

Wenn Sie sich den Markt für Energierohstoffe anschauen, stoßen Sie auf sehr viele unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Aussagen und Stellungnahmen. Wie sieht es wirklich mit der Zukunft der konventionellen Energierohstoffe aus? Wie viel verbrauchen wir momentan von welchen Rohstoffen und wie hoch sind die Anteile der erneuerbaren Energien?

Die Situation im Energiemarkt ist geprägt von Einflüssen der Wirtschaft, der Verbände, der Lobbys und Regierungen. Dabei entsteht ein extremes Spannungsfeld, denn Aufschwung oder auch nur der Erhalt unserer Standards verbraucht enorme Energiemengen. Und das sind zum Großteil Ressourcen, die uns nur in begrenztem Maße zur Verfügung stehen. In diesem Dilemma macht sich schnell eine Vogel-Strauß-Strategie breit: „Ob das Öl nun 10 Jahre früher oder später zu Ende geht, ist doch auch irgendwie egal.“

Aber genau diese Frage ist der entscheidende Faktor, denn wir haben wenig Zeit für neue Technologien, neue Ideen und zum Umdenken. Vor allem das Umdenken scheint der schwierigste Prozess zu sein, denn Erdöl ist ein so kostbarer Rohstoff, dass es einfach eine Schande ist, ihn gedankenlos zu verheizen.


„Eh alles zu spät“ und „halb so schlimm“?

Beide Einstellungen haben die gleiche Wirkung: Wir machen so weiter wie bisher und ignorieren die Folgen. Wir müssen aber die Notwendigkeit zur Veränderung erkennen und gleichzeitig auch die Chancen, die sich uns bieten. Das schaffen Sie nur, wenn Sie über wirklich objektive und aussagekräftige Zahlen und Fakten verfügen.

Für ein einzelnes Land ist aber nicht nur die globale Verfügbarkeit von großer Wichtigkeit, sondern auch die Frage: Wie abhängig sind wir von Energie- und Energierohstoff-Importen? Für Deutschland ist die Antwort darauf alles andere als beruhigend. Denn statt die Importabhängigkeit zu reduzieren, ist sie in den letzten Jahren sogar noch weiter gestiegen. Das belegen Zahlen einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (www.bgr.bund.de).

Einzig und allein bei der Braunkohle sind wir Weltmeister, wenn es um die Fördermenge geht. Bei Erdgas, Erdöl und Steinkohle sinken die Anteile der heimischen Produktion weiter.

Energieträger Gesamtverbrauch Importanteil
Erdöl 160 97 %
Erdgas 114 82 %
Steinkohle 68 67 %
Braunkohle 55 0 %
Kernenergie 52 0 %
Wasser-, Wind und Solarenergie 7 0 %
Sonstige Energieträger 24 0 %

Der Verbrauch ist in Mio. t Steinkohleeinheiten (SKE) angegeben. Stand: 31.12.2007. Quelle: AGEB 2007, BGR-Datenbank

Diese enorme Abhängigkeit von Energieimporten gewinnt durch die unsicheren Energiemärkte weiter an Brisanz. Die Erdgaskrise zwischen Russland und der Ukraine, die plötzliche Preisexplosion beim Rohöl im Juli 2008 auf ca. 147 $ pro Barrel und der dann folgende Einbruch auf unter 50 $ Anfang 2009 zeigen uns, wie wenig Planungssicherheit wir in dieser Situation haben.

Ein Lichtblick ist allerdings die Tatsache, dass der Erdölverbrauch in Deutschland zwischen 1997 und 2007 von 196 auf 160 Mio. t SKE gesenkt werden konnte. Damit laufen wir dem globalen Trend entgegen.

Die weltweite Entwicklung der nächsten 3 Jahrzehnte

Im November 2007 hat die internationale Energieagentur (IEA) in Paris ihren „World Energy Outlook“ (WEO) veröffentlicht. Demnach ist mit einem Anstieg des globalen Energieverbrauchs um ca. 52 % zu rechnen. Für die Deckung dieses Energiehungers kommen nach Schätzungen der IEA zu 83 % die nicht erneuerbaren Energieträger zum Einsatz. Allerdings bezweifeln viele Experten, dass im Jahr 2030 überhaupt noch eine Fördermenge von ca. 5,6 Gt Erdöl zur Verfügung steht. Laut Hilmar Rempel, einem der Autoren der BGR-Studie, steht beim Erdöl „die Ampel mindestens auf Gelb“. Bei dieser Ressource werden wir eine physische Verknappung als Erstes spüren.

Vor allem die Entwicklung in China hat gezeigt, dass es eine extrem hohe Unsicherheit gibt, was die Berechnung des Energiebedarfs angeht. Über 20 % der Weltbevölkerung verfügen momentan über keine elektrische Energieversorgung und mehr als 40 % decken ihren Energiebedarf über natürliche Vorkommen der Biomasse.

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*Bild:* Prognose der Entwicklung der Deckung des globalen Energieverbrauchs nach Energieträgern
Um den steigenden Bedarf an Erdöl decken zu können, ist zu befürchten, dass auch ökologisch heftig umstrittene Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Dazu zählen:

* Bohrungen in der Tiefsee,
* Erschließung von Erdölvorkommen in der Arktis,
* Nutzung von Ölsand und
* Gewinnung von Öl aus Ölschiefer.

Durch diese aufwändigen und weniger effizienten Verfahren und Vorgehensweisen wird der Erdölpreis weiter steigen. Die Entwicklung der Preise fiel in den letzten Jahren laut BGR-Studie besonders drastisch aus. Allein beim Uran ist der Preis auf das 7fache angestiegen.

Energieträger 2002 2007
Natururan 18 $/kg 120 $/kg
Kohle 43 $/t 90 $/t
Erdöl 23 $/Barrel 70 $/Barrel
Erdgas 20 $/Barrel 48 $/Barrel

*Angabe in Erdöl-äquivalenter Menge


Wie viele Reserven und Ressourcen haben wir noch?

Als Reserven werden die Energievorkommen bezeichnet, die wir mit den momentan zur Verfügung stehenden Technologien auch nutzen können und deren Vorkommen nachgewiesen ist. Ressourcen sind Vorkommen, die derzeit nicht genutzt werden können, die Menge basiert teilweise auf Schätzungen. Damit Sie die Werte in der Übersicht leichter vergleichen können, wurden die Angaben in SKE umgerechnet, die Maßeinheit ist die Gigatonne (Gt).

Energieträger Reserven Ressourcen
Erdöl 234 117
Erdgas 237 268
Ölsand/Schwerstöl 93 94
Ölschiefer 1 263
Hartkohle 602 12.519
Weichbraunkohle 110 1.693
Uran 25 77-148
Thorium 30 33

Aus der Tabelle können Sie ersehen, dass die Ressourcen besonders bei der Kohle noch enorm groß sind. Um an diese Vorkommen zu gelangen, wären aber neue Technologien erforderlich.

Neben den aufgeführten Energieträgern gibt es noch weitere Ressourcen, die teilweise ein großes Energiepotenzial darstellen, zurzeit aber noch nicht nutzbar sind. In porösem Gestein ist das darin vorhandene Wasser unter Druck in der Lage, Gas zu binden. Würde dieses Gestein an die Oberfläche gebracht und der Druck vermindert, würde das Gas entweichen. In diesen Topologien, die als „Aquifere“ bezeichnet werden, befinden sich schätzungsweise 1.038 Gt SKE Erdgas. Auch Gashydrate wie das Methanhydrat bilden mit 649 Gt SKE ein ernst zu nehmendes Potenzial. Der Abbau wäre aber mehr als kritisch, denn Methan ist eines der wirkungsvollsten Treibhausgase.

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