Umweltcontrolling – Wie Sie mit Umweltkennzahlen Ihre Umweltkosten beherrschen

Umweltcontrolling – Wie Sie mit Umweltkennzahlen Ihre Umweltkosten beherrschen

Sicher haben Sie schon einmal versucht, Ihre anfallenden Umweltkosten zu erfassen, sei es im Rahmen der Abfallbilanz, der Berichterstattung nach Umweltstatistikgesetz oder für den Geschäftsbericht. Eine verursachergerechte Zuordnung der Kosten ist damit aber kaum möglich. Durch die Einführung eines Umweltkennzahlensystems erreichen Sie eine Transparenz der betrieblichen Stoff- und Materialströme, einschließlich Verbrauch, Entsorgung (Abfälle, Abwasser, Ausschuss) und Kostenverursacher. Sie können deren Umweltrelevanz erkennen und beeinflussen. So gehen Sie vor:

Das Umweltcontrolling ist Bestandteil eines Umweltmanagementsystems, kann aber auch separat zur verursachergerechten Erfassung, Bewertung und Beeinflussung der Umweltkosten eingeführt werden. Wenn Sie eine Abfallbilanz erstellen, können Sie auch über das Rechnungswesen die entsorgten Mengen und auch die Kosten erfassen, evtl. verursachergerecht. Dazu müssen Sie entsprechende Kostenstellen eingeführt haben. Idealerweise führen Sie aber auch Kostenstellen bzw. Kostenarten je nach Abfallgruppe bzw. Abfallschlüsselnummer ein. Bei den Abfallgebühren für Hausmüll und ähnliche Siedlungsabfälle aus Ihrer Verwaltung erhalten Sie in der Regel nur Gesamtkosten, die Sie nur so verwenden können.

Bei der Erfassung der Umweltkosten nach Umweltstatistikgesetz erhalten Sie die Kosten für laufende Aufwendungen und Investitionen getrennt nach den Umweltmedien (Gewässerschutz, Luftreinhaltung, Abfall, Naturschutz, …). Umweltkosten, wie Genehmigungsgebühren, Gutachten, Analysenkosten, Lärmmessungen, Ersatzpflanzungen bei Baumaßnahmen etc., sind oft in den Gesamtkosten der Investitionsmaßnahme „versteckt“. Die Planungsunterlagen nach Abschluss der Maßnahme noch mal nach diesen Kosten zu untersuchen, können Sie Ihren Planern nicht zumuten. Sie selbst haben nicht die Zeit dazu. Verwendung und Verbleib von Materialien sowie versteckte Umweltkosten können mit den Methoden des Rechnungswesens damit nur unvollständig verfolgt werden. Diese Daten sind zwar hilfreich für eine Gesamtbilanz der Umweltkosten, aber eine verursachergerechte Erfassung und Beeinflussung erzielen Sie damit nicht. Dem können Sie mit Umweltcontrolling Abhilfe schaffen.


Nutzen des Umweltcontrollings

Die Aussagen des Umweltcontrollings dienen Ihnen als Grundlage bei der

* Strategieentwicklung und Planung,
* Umsetzung und Koordination von Maßnahmen,
* Kontrolle von Maßnahmen,
* Korrektur der Strategie und Pläne.


Grundlagen des Umweltcontrollings

Controlling steht hier nicht für Kontrolle, sondern bedeutet ein Steuern wie in der Betriebswirtschaft. Sie planen, führen aus, überprüfen und handeln mit dem Ziel, den Umweltschutz im Betrieb kontinuierlich zu verbessern. Umweltcontrolling sollte fester Bestandteil der Betriebsabläufe werden. Umweltkennzahlen helfen den Beteiligten, den Überblick zu behalten, ob die gesteckten Ziele auch erreicht werden.

Jährliche Erfassung des Isopropanolverbrauchs im Verhältnis zum Farbverbrauch in einer Druckerei. Der Betrieb kann durch den Jahresvergleich
mit der Kennzahl einen ersten Eindruck erhalten, ob die durchgeführten Maßnahmen zur Isopropanolsenkung erfolgreich waren.

Ziele des Umweltcontrollings

Das Umweltcontrolling beinhaltet

* die Definition von Umweltzielen,
* die Analyse, Planung und Kontrolle der betrieblichen Material- und Energieverbräuche und Umweltbelastungen.

Voraussetzung ist die Erfassung der Umweltdaten

Voraussetzung ist die Kenntnis der Umweltrelevanz der betrieblichen Prozesse. Als Umweltbeauftragter Ihres Unternehmens kennen Sie die Hauptemittenten, die Schwerpunkte der Abfallwirtschaft und in der Regel auch die Schwachstellen. Die Informationen, die dazu benötigt werden, können durch ein Umweltkennzahlensystem strukturiert werden. Die Kennzahlen helfen Ihnen dabei, die Informationen nutzerspezifisch bereitzustellen, zum Beispiel für das Management, die Einkäufer oder das Produktionspersonal. Ziel ist es also, die Daten so zu erfassen und aufzubereiten, dass sie für möglichst alle relevanten Fragestellungen (Produktionserweiterung, Umweltleistung, Verbrauchsminimierung von Material und Energie etc.) genutzt werden können. Die relevanten Daten zu Materialmengen, zum Einsatz von Chemikalien und Gefahrstoffen, Emissionen, Abfällen, Wasserverbrauch und Abwassermenge, einschließlich der Kosten und Erlöse sind oft im Unternehmen vorhanden, aber verstreut bei unterschiedlichen Nutzern. Größere Unternehmen haben oft Controlling-Abteilungen, die das koordinieren und regeln.

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Vergleichen Sie die Daten

Interessant ist zum Beispiel die Gegenüberstellung der Daten zwischen vergleichbaren Niederlassungen und Produktionsstätten und kann Einsparpotenziale liefern. Zum Beispiel ist die Frage interessant, warum Niederlassung X zu einer bestimmten Abfallart eine höhere Abfallmenge und damit höhere Entsorgungskosten hat als Niederlassung Y bei sonst gleichem Materialeinsatz. Durch Kontrollen erhalten Sie Informationen über die Ursachen, wie

* mangelhafte Abfalltrennung,
* unkorrekte Datenerhebung,
* vermehrter Anfall von Ausschussmaterial oder
* überteuerte Entsorgungskosten und können entsprechend reagieren.

Aber auch als kleines oder mittleres Unternehmen können Sie davon profitieren, denn die Datendichte bleibt oft überschaubar. Wichtig!

# Legen Sie die Umweltziele schriftlich fest.
# Dokumentieren Sie, mit welchen konkreten Maßnahmen und bis wann die Ziele erreicht werden sollen.
# Benennen Sie die jeweils verantwortlichen Personen.
# Beantragen Sie bei der Geschäftsführung ein Zeit- und Finanzbudget.


So bilden Sie Umweltkennzahlen

Organisieren Sie mithilfe Ihrer IT-Experten den Zugriff auf Datenbestände (Materialbuchungen, Rechnungen, Verbräuche, …), die Sie benötigen. Ordnen Sie Verursacher in einer Matrix hinzu und stellen Sie Prioritäten hinsichtlich der Umweltrelevanz auf, zum Beispiel Abfallentsorgung oder Abwasserreinigung.

Versuchen Sie nun, die Daten bezüglich der Kosten abzugleichen. Mitunter erkennen Sie schon, wo Kosteneinsparungen ohne viel Aufwand möglich sind, beispielsweise durch bessere Abfalltrennungen oder Wechsel der Entsorgungsfirma. Für geringere Betriebskosten bei der Abwasserreinigung müssen Sie evtl. in neue Technik investieren.

Umweltkennzahlen stellen absolute oder relative Zahlen zu Mengen oder Kosten dar.

Ein optimales Kennzahlensystem bauen Sie mit einer überschaubaren Anzahl an Daten auf. Sie werden damit in die Lage versetzt, Erfolg oder Misserfolg bei den wichtigsten Umweltzielen zu erkennen. Als Vergleichsmaßstab können Sie eigene Kennzahlen aus früheren Zeiträumen oder die Daten vergleichbarer Betriebe nutzen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer IHK, ob es dazu so genannte Benchmarks (Bestwerte) gibt.

Beispiele für Umweltkennzahlen

* Ressourcenverbrauch (Energie, Wasser, …) pro Produkteinheit
* Emissionen pro Betriebstätte oder Anlage
* Ausschussquoten pro Betriebsstätte oder Lager
* Verpackungsanteil/Abfallquote pro Produktlinie

Ein wichtiges Ziel zum Umweltschutz und zur Kosteneinsparung ist die Verringerung des Energieverbrauchs der Heizung bzw. der Raumluftklimatisierung. Dieser Verbrauch hängt von mehreren Faktoren ab, wie Produktion, Raumvolumen, Wetter. Daher ist die geeignete Bezugsgröße für den Energieverbrauch der Raumluftklimatisierung die beheizte Fläche in Quadratmetern oder das Volumen in Kubikmetern. Beim Wasserverbrauch sollte eine getrennte Erfassung von Produktionswasser und Sanitärwasser stattfinden. Eine geeignete Bezugsgröße für das Sanitärwasser ist die Anzahl der Mitarbeiter. Bezugsgröße für das Produktionswasser kann die Kapazität der Anlage sein. Stellen Sie nach Möglichkeit einen Bezug zu den Kostenstellen her.

*Beispiel aus der Papierindustrie:*

Ein Beispiel für eine relative Kennzahl aus der Papierindustrie ist der Frischwasserverbrauch pro spezifischer Produktion (Karton/Magazin/ Verpackungsmaterial) monatlich an Maschine 1 in m3/kg. Haben Sie den Verbrauch mehrerer Maschinen erfasst, können Sie einen Mittelwert als Kennzahl bilden. Effizienzkennzahlen bilden Sie, um den Bezug der betrachteten Kennzahl zu betrieblichen Abläufen zu verdeutlichen. Dabei stellen Sie den Input-Daten (Material, Wasser, Energie) die Output-Daten (Produkte sowie Abfälle, Abwasser, Abluft) gegenüber. Ein Beispiel ist der Energieverbrauch Gas pro spezifischer Produktion (Karton/Magazin/Verpackungsmaterial) monatlich an Maschine 1 in m3/kg, bzw. Abwasseranfall pro spezifischer Produktion (Karton/Magazin/ Verpackungsmaterial) monatlich an Maschine 1 in m3/kg. Nutzen Sie Visualisierungsmöglichkeiten für die Darstellung der Umweltkennzahlen wie Diagramme.

*Fazit:* Mit einem Umweltkennzahlensystem schaffen Sie die Grundlagen zur kontinuierlichen Senkung des Verbrauchs von Stoffen und Energie und von Schadstoffemissionen. Sie erfassen die Kosten für Ihre gesetzlich notwendigen und freiwilligen Umweltleistungen verursachergerecht und können darauf Einfluss nehmen. Die Daten können Sie verwenden zur Rechenschaftslegung gegenüber Kunden, Partnern, Behörden und der Öffentlichkeit, zum Beispiel im Rahmen eines Umweltberichtes.


7 Schritte zur Realisierung des Umweltcontrollings

* Konkretisieren Sie die Ziele, die Sie mit dem Umweltcontrolling erreichen möchten.
* Bilden Sie eine Arbeitsgruppe mit Kaufleuten, Entscheidungsträgern, Mitarbeitern mit Fachwissen und IT-Mitarbeitern.
* Ermitteln Sie, welche Anforderungen die Benutzer an die Informationen zur Realisierung des Umweltcontrollings stellen.
* Analysieren Sie, welche umweltrelevanten Daten in Ihrem Unternehmen bereits vorhanden sind.
* Wählen Sie ein Kennzahlensystem (Effizienzkennzahl, relative Kennzahl) aus.
* Prüfen Sie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, ob das Instrument für Ihre Zwecke geeignet ist.
* Beantragen Sie ein Budget bei der Geschäftsleitung.

Verwenden Sie für die Ermittlung Ihrer betrieblichen Umweltkosten die VDI-Richtlinie 3800 „Ermittlungen der Aufwendungen für Maßnahmen zum betrieblichen Umweltschutz“, Berlin 2001.

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