So verwerten Sie Bodenaushub und sparen damit Entsorgungskosten

So verwerten Sie Bodenaushub und sparen damit Entsorgungskosten

Bei vielen Ihrer Baumaßnahmen fällt Bodenaushub an, den Sie entsorgen, also verwerten oder beseitigen müssen. Verwerten Sie Bodenaushub im technischen Bereich als Roh- oder Baustoff, dann leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Planen Sie bei Bau- und Abbruchmaßnahmen mit Ihrer Bauabteilung rechtzeitig die Verwertung von Bodenaushub. Die Verwertung von Bodenaushub kann deutliche Kosteneinsparungen gegenüber dessen Beseitigung bringen. So geht’s:


Diese Verwendungsmöglichkeiten gibt es für Bodenaushub

Bodenaushub kann sowohl als Baustoff im Baugewerbe als auch als Rohstoff für die Baustoffindustrie Verwendung finden. Auch im land- und forstwirtschaftlichen Bereich kann Bodenaushub eingesetzt werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Verwertung ist die Verwertungsplanung. Bei dieser müssen Sie vorhandene Daten (z. B. Baugrunduntersuchungen) frühzeitig auswerten. Eventuell sind weitere erforderliche Untersuchungen zur Verwertung von Ihnen zu veranlassen. Stimmen Sie Art und Umfang dieser Untersuchungen gegebenenfalls auch mit möglichen Verwertern ab. Dazu hilft Ihnen ein Verwertungskonzept.


Rechtliche Grundlagen

In § 12 der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) sind Anforderungen an das Aufbringen und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden festgelegt. Dies wird konkret in 12 Absätzen geregelt. Böden werden dort nach DIN 19731 definiert. Weisen Sie das Unternehmen, das Ihren Bodenaushub verwertet, bei der Auftragserteilung schriftlich auf die Einhaltung dieser Anforderungen hin. Dann haben Sie Ihre Sorgfaltspflicht bei der Auftragsvergabe erfüllt und brauchen das Unternehmen nicht zu kontrollieren. Formulieren Sie den Vertragstext am besten mit Hilfe Ihrer Rechtsabteilung.

Im Baugesetzbuch (BauGB) werden allgemeine Aussagen zum sparsamen und schonenden Umgang mit Boden gemacht, z. B. in § 1a Abs. 2: „Mit Grund und Boden soll sparsam und schonend umgegangen werden …“. Das Verwertungsgebot vor einer Beseitigung wird in § 5 KrW-/AbfG (Grundpflichten der Kreislaufwirtschaft) geregelt. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz formuliert in § 5 Grundpflichten für eine ordnungsgemäße und schadlose Verwertung von Reststoffen. In der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) sind die Verantwortlichkeiten für den Umgang mit Böden festgelegt. Dies hat Ihr Bauplaner zu beachten.


Definition Bodenaushub

Bodenaushub sind mineralische Stoffe aus nicht verunreinigtem Erd- oder Felsmaterial (z. B. Sand, Lehm, Ton, und Steine); nach DIN 4022/DIN 19731: Material von Boden oder Fels, das im Rahmen von Unterhaltungs-, Neu- und Ausbaumaßnahmen im terrestrischen Bereich anfällt; nach der Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (AVV) fällt er unter die Abfallschlüsselnummer 17 05 04 – Boden und Steine mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 05 03 fallen.

So organisieren Sie den Bodenaushub

* Überwachen Sie die Erdbaumaßnahmen gezielt, entweder selbst (als Abfallbeauftragter fällt dies in Ihren Verantwortungsbereich) oder Sie beauftragen Mitarbeiter vor Ort.
* Recherchieren Sie mögliche Abnehmer. Mitunter nimmt Ihnen eine Tiefbaufirma oder ein Garten- und Landschaftsbetrieb den Bodenaushub kostenlos ab, da er gerade für eine Bodenauffüllung benötigt wird.
* Überprüfen Sie auch die bauausführende Firma, ob sie den Bodenaushub nicht auf anderen eigenen Baustellen verwenden kann. Klären Sie das vor der Auftragserteilung und kontrollieren Sie den Transport.

Beim Aushub der Baugrube ist eine sortenreine Gewinnung unterschiedlicher Chargen vorteilhaft. Dann brauchen Sie den Aushub nicht zu separieren. Mit sortenreinem Bodenaushub finden Sie mehr Abnehmer zur Verwertung.


Die Vertragsgestaltung spielt eine wesentliche Rolle

Bei der Vergabe der Bauleistung geht der Bodenaushub in den meisten Fällen durch die gängige Vertragsgestaltung vom Bauherrn in den Besitz der ausführenden Baufirma über. Diese kann, z. B. als Generalunternehmer, für die Bodenaushubarbeiten einen Subunternehmer beauftragen. Damit findet wiederum ein Besitzerwechsel des Abfalls statt. Schließlich kann der Subunternehmer, z. B. ein Erdbauunternehmen, einen Transporteur einschalten. Der Transporteur kümmert sich vertraglich um die Aushubentsorgung. Die Zuständigkeiten für die Entsorgung wechseln damit in kurzer Zeit mehrmals. Diese gängige Praxis steht einer qualitativ hochwertigen Verwertung oftmals entgegen, da der Bodenaushub als zu beseitigender Abfall behandelt wird.


Das können Sie aber durch entsprechende Vertragsgestaltung ändern

* Verwertung durch den Bauherrn: Sie formulieren, dass Sie als Auftraggeber den gesamten Entsorgungsprozess selbst übernehmen. Dann überlässt das Bauunternehmen Ihnen alle Abfälle. Sie entscheiden selbst über deren Verwertung oder Beseitigung und können evtl. Erlöse erzielen. Der personelle Aufwand ist jedoch höher.
* Verwertung unter Beteiligung des Bauherrn: Sie behalten Einfluss auf die Verwertung und können Teile des Aushubs selbst verwerten. Formulieren Sie die Positionen in der Ausschreibung für einzelne Chargen, die Sie selbst verwerten wollen. Legen Sie Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten fest. Der Aufwand beschränkt sich auf die Kontrolle des Bauunternehmens.


Planen Sie die Verwertung des Bodenaushubs vor Baubeginn

Oftmals sind die Verwertungsmöglichkeiten eingeschränkt. Planen Sie Möglichkeiten zur Zwischenlagerung und zur evtl. Aufbereitung (Trennen, Zerkleinern, etc.) ein. Ohne konkrete Vorplanung der Aushubverwertung können Verwertungspotenziale ungenutzt bleiben.


So machen Sie mit Bodenaushub Gewinn

Der Marktwert von Bodenaushub hängt vor allem von seiner stofflichen Qualität ab. Hochwertiger, sortenreiner Boden ist oftmals als Auffüllmaterial gefragt und wird mitunter ganz ohne Kostenberechnung angenommen. Im günstigsten Fall können Sie für den Bodenaushub sogar einen Erlös erzielen.

Bodenaushub wird teilweise qualitativ hochwertig verwertet. Er kann z. B. als Dichtungsmaterial im Deponiebau, als Dammschüttmaterial beim Hochwasserschutz, als Rohstoff in der Baustoffindustrie oder als qualifizierter Baustoff im Tiefbau eingesetzt werden. Recherchieren Sie diese Abnahmemöglichkeiten für Ihren Bodenaushub bei Ihrer Abfallbehörde oder IHK.


Nutzen Sie diese Optimierungsansätze

So gehen Sie vor:

* Berücksichtigen Sie die Bodenaushubverwertung frühzeitig in der Bauplanung. Nehmen Sie die Verwertung des Bodenaushubs in die Verfahrensabläufe des Baugeschehens auf.
* Untersuchen Sie die Verwertungseignung des Bodenaushubs rechtzeitig durch Eignungsprüfungen. Nutzen Sie dazu bereits vorhandene Daten, z. B. aus Baugrundgutachten.
* Erstellen Sie ein Verwertungs- und Beseitigungskonzept, das auch die Verwertungslogistik beinhaltet.
* Beziehen Sie die Bodenaushubverwertung in die Ausschreibung ein.
* Begleiten und überwachen Sie die Verwertungsmaßnahme (z. B. die sortenreine Bodenentnahme, ggf. die Separierung).
* Bei kleineren Baumaßnahmen mit einer Aushubmenge < 500 m3 sollten Sie prüfen, ob durch Zusammenführen von gleichartigem Bodenaushub aus mehreren Baustellen eine größere Aushubmenge bereitgestellt werden kann.


Führen Sie Eignungsprüfungen zur Verwertung durch

Mit einer Eignungsprüfung ermitteln Sie verwertungsspezifische Materialkennwerte wie Korngrößen und Beimischungen und ermöglichen eine Zuordnung als Baustoff oder Rohstoff. Prüfkriterien sind die Hauptbodenart, Fremdbeimengungen, der Steingehalt, der Anteil an organischer Substanz und ggf. gesetzliche Vorgaben.

Orientieren Sie sich an der DIN 19731: „Verwertung von Bodenmaterial“

Wann welcher Untersuchungsumfang notwendig und wirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal festlegen. Lassen Sie Bodenproben in einem Labor auf bodenmechanische Kenngrößen (Korngrößenverteilung, Wassergehalt, Glühverlust, chemische Analyse etc.) untersuchen. Erstellen Sie bei großen Aushubmengen Mischproben. Beraten Sie sich dazu mit Ihrem Bauplaner.


Erstellen Sie einen Eignungsnachweis

Im Eignungsnachweis dokumentieren Sie die Eignungsprüfungen und belegen die Verwertungseignung. Das Dokument besteht aus der Beschreibung der durchgeführten Prüfungen sowie Ihrer Bewertung der Ergebnisse bezüglich der Verwertungseignung. Versuchsprotokolle und Laboranalysen fügen Sie als Anlagen bei.

*Vorteil:* Der Bodenaushub erhält somit ein „Zertifikat“ seiner Qualität. Damit verliert der nachweislich verwertungsfähige Bodenaushub seinen Charakter als „Abfall zur Beseitigung“ nach KrW-/ AbfG. Er kann als sekundärer Bau- oder Rohstoff in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden.

Orientieren Sie sich zum Untersuchungsumfang von Bodenaushub auch am Merkblatt der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall – LAGA M 20 TR Boden: „Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Abfällen“.

So erstellen Sie Ihr Verwertungskonzept

Dokumentieren Sie die Untersuchungsergebnisse und die Verwertungseignung in Form eines Verwertungskonzepts. Im Verwertungskonzept berücksichtigen Sie neben der Aushubqualität (Eignungsnachweis) auch die terminlichen, baubetrieblichen und logistischen Abläufe. Dies überlassen Sie am besten Ihrem Bauplaner. Zusätzlich sollten Sie diese Positionen in das Konzept einarbeiten:

* Angaben über Art, Menge und Verbreitung eventueller schadstoffhaltiger Aushubpartien
* eine Klassifikation der Aushubmassen in verwertbaren Anteil und zu beseitigenden Anteil
* Aussagen von geologischen Daten der Baugrube, um den Aushub selektiv und möglichst sortenrein zu gewinnen
* Vorgaben für den Abbau, die Zwischenlagerung und die eventuelle Separierung der Aushubmaterialien

*Achtung:* Die Transportkosten können bei der Verwertung eine wichtige Rolle spielen. Vermeiden Sie Leerfahrten, um die Transportkosten zu senken. Die Qualität von angebotenem und nachgefragtem Bodenaushub sollte übereinstimmen. Abweichungen können Sie je nach Wirtschaftlichkeit durch eine Aufbereitung vor Ort ausgleichen. Als Bauherr sollten Sie schon frühzeitig einen konkreten Abnehmer finden, der Ihnen den Boden in der Qualität (nach den Ergebnissen der Eignungsprüfung) abnimmt.


Verwertungs- und Beseitigungsnachweis

Der Verwertungs- und Beseitigungsnachweis dient zum Nachweis Ihrer tatsächlich durchgeführten Verwertungen und Beseitigungen. Die in der Baugrube beim Aushub vorgefundenen Bodenverhältnisse können dabei teilweise von der Prognose im Entsorgungskonzept abweichen. Die Angaben zu den verwerteten/beseitigten Mengen erhalten Sie von der ausführenden Baufirma. Dies sollten Sie bereits in der Ausschreibung mitangeben. Der Verwertungs- und Beseitigungsnachweis ist jedoch nicht zwingend erforderlich, wenn es sich um unbelasteten, nicht überwachungsbedürftigen Aushub handelt.

Fragen Sie bei Ihrer Kommune/Landkreis oder IHK nach „Bodenbörsen“. Diese stellen Ihnen Informationen über Angebot und Nachfrage von Bodenaushub in der Regel unentgeltlich zur Verfügung oder vermitteln Partner.

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