Musterprojekt: So gestalten Sie ein Umweltmanagement nach ISO 14001

Musterprojekt: So gestalten Sie ein Umweltmanagement nach ISO 14001

Gerade in diesem Jahr wurden wir wieder mit Nachrichten über Umweltkatastrophen konfrontiert. Insbesondere die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko führte uns die verschiedenen Seiten von Umwelt- auswirkungen vor Augen.

Leider werden Aktivitäten im Bereich des betrieblichen Umweltschutzes von der Geschäftsleitung häufig mit Skepsis betrachtet. Der Grund:
Die damit verbundenen Kosten werden oft nicht als Zukunftsinvestition verstanden. Gewinnen Sie die Geschäftsleitung für ein verstärktes Engagement, denn:

Dadurch können Unternehmen Kundenanforderungen erfüllen und strategische Geschäftsvorteile erzielen. Natürlich spielt dabei auch die ökologische Reputation in der Öffentlichkeit eine entscheidende Rolle.

Mithilfe des Umweltmanagementsystems (UMS) sollen umweltrelevante Aktivitäten koordiniert und negative Umwelteinwirkungen reduziert werden. Dabei hat sich der Fokus von einem reagierenden hin zu einem präventiven Umweltmanagement verschoben. Umweltmanagement ist
ein wichtiges Thema – nutzen Sie Ihre Erfahrungen und methodischen Kenntnisse für das Umweltmanagement!

Was ein Umweltmanagementsystem ist

Wie auch in anderen Management systemen (z. B. Gesundheit oder Qualität) werden im Umweltmanagement Aktivitäten systematisiert, gesteuert und kontrolliert. Viele Unternehmen haben ihr Umweltmanage- mentsystem nach den Vorgaben der ISO 14001 aufgebaut und lassen es von externen Auditoren zertifizieren.

Durch die regelmäßigen Umweltmanagement-Audits überprüfen Sie die Funktionstüchtigkeit des Umweltmanagementsystems. Anschließend findet eine Managementbewertung statt.

Dabei fordert das Umweltmanagementsystem die Beschreibung aller umweltrelevanten Vorgänge eines Unternehmens. Darüber hinaus bezieht das System auch Ihre hergestellten Produkte mit ein.

Warum die PDCA-Methode?

Die ISO 14001 legt keine absoluten Anforderungen für die Umweltleistung fest. Sie fordert aber die Einhaltung der Verpflichtungen, die sich die Orga- nisation selbst in ihrer Umweltpolitik auferlegt hat. Das UMS ist so aufge- baut, dass es dem Unternehmen bei der Zielerreichung hilft. Es legt einen besonderen Schwerpunkt auf die regelmäßige Überprüfung der gesetzten Umweltziele.

Die kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung können Sie mit der PDCA-Methode (Plan – Do – Check – Act) erreichen. Dazu übernehmen Sie die Rolle des Moderators und bearbeiten die Themen gemeinsam im Team. Die Umweltaspekte ermitteln Sie prozessorientiert (Beschaffung, Produk- tion, Versand, Nutzung, Entsorgung).

So läuft das Verfahren nach ISO 14001

Die ISO 14001 setzt stark auf die Eigenverantwortung und überlässt es Ihnen, welche und wie viele Umweltinformationen öffentlich bekannt gegeben werden. Ihre einzige Pflicht ist die Veröffentlichung Ihrer Umweltpolitik. Die 5 Systemelemente Umweltpolitik, Planung, Implemen- tierung und Durchführung, Kontroll- und Korrekturmaßnahmen und die Bewertung durch die oberste Leitung sowie deren Beziehungen untereinander bilden den Kern der ISO 14001.

Die ständige Wiederholung des Umweltmanagementprozesses bringt Ihr Unternehmen in eine Spirale der kontinuierlichen Verbesserung und so sukzessive auf ein höheres Umweltschutzniveau.

Mit der Umwelterklärung gehen Sie an die Öffentlichkeit

Ihre Erklärung enthält mindestens die folgenden Informationen:

* eine Beschreibung der Tätigkeiten Ihres Unternehmens

* die Zusammenfassung aller direkten und indirekten Umweltaspekte
im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten

* eine Darstellung der Umweltpolitik und des Umweltmanagement- systems

* sonstige Faktoren, die den Umweltschutz betreffen

* Name und Zulassungsnummer des Umweltgutachters und das Datum der Gültigkeitserklärung

Die Richtigkeit der internen Dokumente der Umweltbetriebsprüfung sowie der Umwelterklärung wird von einem unabhängigen, staatlich zugelas- senen Umweltgutachter (www.uga.de) kontrolliert und in der Gültigkeits- erklärung bestätigt.

Die Unternehmensleitung schenkt dem Thema „Umwelt“ durch die gestiegenen Kosten für Energie und Entsorgung erhöhte Aufmerk- samkeit. Scheuen Sie sich nicht, Vorschläge beharrlich vorzubringen. Möglichkeiten, Kosten zu sparen, werden immer gern gesehen. Ebenso erwarten zahlreiche Kunden einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Folgende Argumente können Sie gegenüber Ihrer Unternehmensleitung unterstützend einsetzen:

1. Durch Einsparung von Ressourcen erhöhen wir langfristig die Gewinnmargen.

2. Schon heute, aber viel mehr noch in Zukunft, bewerten unsere Kunden auch das Umweltverhalten des Unternehmens.

3. Durch ein umweltorientiertes Verhalten verbessert sich unser Unternehmensimage.

4. Wenn wir präventiv Vorgaben erfüllen, haben wir bessere Möglichkeiten, uns den Änderungen des umweltgesetzlichen Rahmens anzupassen.

Legen Sie Ihre Umweltpolitik fest

Bevor Sie sich an die Umsetzung eines UMS machen, prüfen Sie zunächst mit der Checkliste, ob Ihr Unternehmen tatsächlich ein Umweltmanage- mentsystem benötigt:

Haben Sie sich für die Einführung eines UMS entschieden, legen Sie nun Ihre Zielsetzung und die notwendigen Prozesse fest, um die Umweltpolitik in die Praxis umzusetzen.

Die Inhalte Ihres UMS

Mit der Umweltpolitik legt das Unternehmen für alle Aktionen und Ergebnisse die Richtlinien fest, mit denen die Umweltziele des Unter- nehmens erreicht werden sollen. Sie definieren, wie Sie die darin festgelegten Umweltziele verfolgen und den Zielerreichungsgrad bewerten.

Ihre Bestandsaufnahme der bedeutenden umweltrelevanten Aspekte sieht wie folgt aus:

1. Rechtliche Verpflichtungen ermitteln

2. Umweltaspekte (Ursachen) ermitteln und bewerten (A = große, B = mittlere, C = geringe Wirkung) Achtung! Die Bewertung sollte an die Unternehmenssituation angepasst sein. Sie sollte nachvollziehbar und reproduzierbar sein. Bewertungskriterien können sein: Gesundheit, Kosten, Rechtssicherheit, Öffentlichkeit.

3. Umweltauswirkungen (Wirkungen) formulieren

4. Umweltziele formulieren, sodass die Belastung der Umwelt vermieden wird. Dies können Sie insbesondere durch Schonung von Ressourcen und Reduzierung von Emissionen erreichen.

5. Umweltprogramm erarbeiten
Festlegung von messbaren Kennzahlen, die das individuelle Umweltziel beschreiben.

Beispiel eines Umweltziels

Vermeiden von Kontaktmöglichkeiten beim Umfüllen von Gefahrstoffen

Rechtliche Verpflichtungen: Beachten Sie rechtliche Handlungsvorschriften und Sicherheitsdatenblätter für Gefahrstoffe

Umweltaspekt:

* Bewertung: A

* Die Emission von Gefahrstoffen ist die Ursache für resultierende Auswirkungen.

* Sie hat große Bedeutung.

Umweltauswirkung: Die toxische Wirkung auf Mensch und Ökosystem (= Umweltauswirkung) finden Sie in den Sicherheitsdatenblättern der Gefahrstoffe.

Umweltziel: Mit der Reduzierung von Emissionen können Sie einen wesentlichen Beitrag leisten, Ihr Umweltziel zu erreichen.

Umweltprogramm: Legen Sie eine Kennzahl fest, z. B. Reduzierung von Emissionen um 70 %.

Verwirklichung und Betrieb: Verantwortlichkeiten klären

In der Phase der Umsetzung/Realisierung legen Sie die Abläufe und Ver- fahren sowie die Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege fest und dokumentieren diese. Sie testen und optimieren Ihre Lösungen und legen dann einen neuen „Standard“ fest. Sie führen diesen neuen Standard auf breiter Front ein. Das heißt konkret:

* Sie legen gemäß den Anforderungen der Norm klar fest, wer mit welcher Befugnis wofür in welchen Situationen verantwortlich ist. Wer entschei- det über die zur Verfügung stehenden Ressourcen?

* Sie stellen sicher, dass die Verantwortlichen auf ihre Arbeitsinhalte hin geschult werden, und regeln die internen und externen Kommunika- tionswege.

* Sie legen alle umwelt- und qualitätsrelevanten Vorgänge fest (Doku-mentationen erstellen) und beschreiben diese Vorgänge sowie ein Verfahren zum Notfallmanagement.

Sie stellen die Gebindeart von Eimergebinden auf Kanister mit feiner Dosiermöglichkeit um. So erreichen Sie, dass die Emissionen und Kontaktmöglichkeiten signifikant reduziert werden. Weiterhin führen Sie Schulungen durch und lassen Arbeitsanweisungen erstellen.

So gehen Sie mit umweltrelevanten Fehlern um

Bei der Überprüfung (internes Audit) nutzen Sie Kontroll- und Korrek-turmaßnahmen, mit deren Hilfe Sie die Arbeit hinsichtlich ihrer Umwelt-auswirkungen kontrollieren und die Erfüllung der Vorschriften überwachen. So überprüfen Sie die Funktionsfähigkeit des UMS. In diesem Rahmen kontrollieren Sie regelmäßig die Einhaltung des Standards:

* Sie stellen sicher, dass die rechtlichen Vorschriften eingehalten werden, und bewerten die Prozesse nach klaren Anforderungen.

* Sie gleichen die Verfahren zum Umgang mit umweltrelevanten Fehlern und Vorbeugemaßnahmen an die entsprechenden Qualitätsvorgaben an.

* Sie klären die Kommunikation im Prozess, falls Fehler festgestellt werden.

* Sie zeichnen diese Abläufe auf und verteilen die Dokumente an alle Beteiligten.

Im Rahmen von internen Audits überprüfen Sie, ob die Arbeits- anweisungen eingehalten werden.

Die Managementbewertung ist das Paradestück

Bei der Managementbewertung muss die Funktionsfähigkeit des UMS anhand der Ergebnisse des Audits bewertet und gegebenenfalls geändert werden. Die genauen Inhalte der Managementbewertung:

* Ergebnisse der Umweltleistung bewerten

* Status der Maßnahmen analysieren

* Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen veranlassen

* Folgemaßnahmen definieren

Beispiele:
Präsentationen/Workshop, Management-Feedback

Die Tabelle zeigt Ihnen im Detail, wie Sie ein Umweltmanagementsystem integrieren:

Integration eines Umweltmanagements – ausgehend von der UM-Norm DIN EN ISO 14001:2004
Planung     
Umweltaspekte Die Ermittlung der bedeutenden umweltrelevanten Aspekte und eine Bestandsaufnahme fordert die ISO 14001.
Rechtliche Verpflichtungen Die für die Organisation geltenden Gesetze und Verordnungen sind einzuhalten. Die Dokumente,
in denen diese festgehalten sind, müssen regelmäßig aktualisiert und auf umwelt- und qualitäts-relevante Gesetze abgestimmt werden.
Zielsetzung, Einzelziele
und -programme
abstimmen
Formulieren Sie auf allen Ebenen messbare Umwelt- und Qualitäts- ziele, gleichen Sie diese Ziele mit der Unternehmenspolitik und zwischen den einzelnen Ebenen an. ISO 14001 fordert die Festlegung von Programmen für die Umweltziele.
Do  
Ressourcen,
Aufgaben, Verantwortlichkeiten
und Befugnisse
Stimmen Sie die Verantwort- lichkeiten und Ressourcen für einzelne Bereiche und alle Ebenen aufeinander ab. Es kann ein integrierter Management- beauftragter (aus der obersten Führung) benannt werden, da ISO 14001 einen vom Top-Management benannten UM-Beauftragten fordert.
Fähigkeit, Schulung
und Bewusstsein
Passen Sie die Arbeitsinhalte von UM- und Qualitätsmanagement- schulungen aufeinander ab. Vereinheitlichen Sie die Doku- mentation und die Verwaltung.
Kommunikation Stimmen Sie die internen Kommunikationswege aufeinander ab. Die externe Kommunikation muss für die ISO 14001 geregelt werden.
Dokumentation Erstellen Sie eine Dokumentation sowie ein Handbuch mit Prozess- beschreibungen und Verfahrens- anweisungen.
Lenkung von
Dokumentationen
Erstellen Sie ein integriertes Lenkungssystem für Dokumente oder erweitern Sie ein bestehendes System.
Ablauflenkung ISO 14001 fordert die Festlegung aller umweltrelevanten Vorgänge. Spezielle UM-Abläufe müssen
erstellt werden.
Notfallvorsorge und
Gefahrenabwehr
Erstellen Sie ein Verfahren zum Notfallmanagement.
Check  
Überwachung
und Messung
Koordinieren Sie die regelmäßigen Überprüfungen von Abläufen und Prozessen.
Bewertung
und Messung
ISO 14001 fordert von der Organisation ein Verfahren, das die Einhaltung der rechtlichen Verpflichtungen sicher- stellt und auswertet.
Nichtkonformität,
Korrektur- und Vorsorgemaßnahmen
Passen Sie die umweltrelevanten Vorgänge an Ihr Qualitäts- managementverfahren der Fehlerbehandlung und der Vorbeugemaßnahmen an.
Lenkung von
Aufzeichnungen
Erweitern Sie Ihr Verfahren der Lenkung von Qualitätsmanage- mentaufzeichnungen um die Aufzeichnungen des UM.
Internes Audit Führen Sie regelmäßig interne Audits durch.
Act  
Managementbewertung Organisieren Sie eine Manage- mentinformation für die Geschäftsführung. Hierzu bereiten Sie alle Auditberichte und alle weiteren Daten prozessbezogen auf. Beide Normen geben Input- und Output-Daten für die Bewertung des Managements vor. Eine gemeinsame Management- bewertung kann erstellt werden.

_Günter Stein_

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