Energie- und Stoffstrommanagement – So entdecken Sie „schlummernde“ Reserven

Energie- und Stoffstrommanagement – So entdecken Sie „schlummernde“ Reserven

Auch Ihr Unternehmen ist seit Jahren einem ständig steigenden Kostendruck ausgesetzt. Sicher haben Sie bereits Optimierungsmaßnahmen durchgeführt. Bei vielen Unternehmen bestehen aber beim Energie- und Rohstoffeinsatz sowie bei den Produktionsprozessen und technischen Abläufen noch Verbesserungspotenziale. Durch ein Energie- und Stoffstrommanagement (ESSM) können mittels systematischer Analyse deutliche ökonomische und ökologische Potenziale aufgedeckt werden.

In den letzten Jahren haben Pilotprojekte in einigen Bundesländern gezeigt, dass im produzierenden Gewerbe 5 bis 10 % des Materialeinsatzes durch besseres Management, flexiblere Organisation oder durch innovative Techniken eingespart werden könnten. Das kann einige Prozent des Umsatzes ausmachen.


Setzen Sie ehrgeizige Ziele

Mit dem Energie- und Stoffstrommanagement sollen Einsparpotenziale in Ihrem Unternehmen aufgedeckt werden. Wo können weniger Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe bzw. Energien eingesetzt werden? Wo kann Abfall oder Ausschuss vermieden werden? Dazu müssen die Energie- und Stoffströme transparent gemacht werden. Oft sind die Daten ja vorhanden – nur bisher wurden sie nicht analysiert. Dazu sind aber eine gute Kenntnis der Produktionsprozesse notwendig und ein kritisches Hinterfragen der bisherigen Vorgehensweise ist Voraussetzung.

Damit Ihr ESSM-Projekt ein Erfolg wird, ist ein strukturiertes und konzentriertes Vorgehen entscheidend. Daten, die in Ihrem Unternehmen bereits vorliegen, müssen neu interpretiert und Datenlücken geschlossen werden. Hauptinhalt des Projekts ist aber die Auswertung und Analyse sowie die gemeinsame Bewertung von Handlungsalternativen. Dazu setzen Sie sich mit Planern und dem Produktionspersonal zusammen. Um die „Betriebsblindheit“ zu umgehen, ist oftmals ein externer Berater erforderlich. Machen Sie „Werbung“ für Ihr Projekt bei Mitarbeitern und Führungskräften. Mit den aus Praxisbeispielen erzielten Kosteneinsparungen gewinnen Sie auch die Geschäftsleitung. Mitarbeiter und Management müssen das Suchen nach Antworten auch auf kritische Fragen als einen gemeinsamen Weg zu einer besseren Lösung begreifen.

Das Management kann Prozesse nur beeinflussen, wenn genügend Informationen, z. B. detaillierte Zahlen über den Energieverbrauch oder das Abfallaufkommen, vorliegen. Helfen Sie mit Datenerhebungen und Analysen, diese Informationen zu beschaffen.


So gehen Sie vor

Die Herangehensweise ist wie bei anderen Optimierungsansätzen. Ziele werden definiert, die Produktionsstrukturen analysiert und Verbesserungspotenziale geprüft. Diese werden nach Wirtschaftlichkeit untersucht und möglichst umgesetzt. Bei jedem Schritt müssen Sie sich aber von Kosteneinsparungen und einer Minimierung von Energieverbräuchen leiten lassen. So können Sie als Umweltbeauftragter Ökologie und Ökonomie ideal miteinander verbinden.


Beziehen Sie externe Berater ein

Grenzen Sie zunächst gemeinsam den Untersuchungsumfang ein. Bei welchem Produktionsprozess bzw. Lagerung, Logistik, Verwaltung entstehen die größten Kosten bezüglich Material- und Energieeinsatz? Überprüfen Sie mit Ihren Kaufleuten die Kostenstrukturen des Unternehmens. Werden Mengen und Kosten erfasst und ausgewertet? Sind bei den Stoff- und Energiemengen die Kostenstellen den jeweiligen Verursachern (Verwaltung, Produktion, …) zugeordnet oder gibt es Verteilschlüssel? Identifizieren Sie die Verursacher hoher Materialund Energieverbräuche und fangen Sie dort mit Optimierungen an. Der externe Berater verhindert dabei, dass Sie jemandem auf die „Füße treten“.

Der externe Berater gibt in erster Linie Denkanstöße und Empfehlungen und kann die Umsetzung in Ihrem Unternehmen fördern. Kontaktieren Sie Ihre regionalen Industrie- und Handelskammern. Die haben sicher Empfehlungen. Mitunter haben diese branchenbezogene Leitfäden für ESSM, die Ihnen schon weiterhelfen. Fragen Sie auch bei Ihrem Fachverband nach. Manchmal besteht auch die Möglichkeit, an gemeinsamen Projekten teilzunehmen, die möglicherweise gefördert werden.


Identifizieren Sie die Potenziale

Beim Energie- und Stoffstrommanagement gibt es keine festgelegte Analysemethode, denn Ziel ist immer die Effizienzsteigerung im Material- und Energieeinsatzbereich. Potenziale bestehen in den Versorgungssystemen. Wird Abwärme oder Abwasser in Ihrem Unternehmen genutzt? Prüfen Sie, ob mit Energie und Einsatzmaterialien sparsam umgegangen wird. Wenn sich durch Änderung der Stoff- und Energieströme Investitionen vermeiden lassen, hat Ihr ESSM-Projekt einen wichtigen Beitrag geleistet. Überprüfen Sie, ob die prozessbezogene oder die produktbezogene Analyse Einsparpotenziale liefert.


Prozessbezogene Analyse

Eine einfache Methode ist die Aufstellung einer Input-/Output-Bilanz auf einer Mengenbasis. Sie kann unterteilt werden nach Material- und Energieart. Kennen Sie die Hauptverursacher, dann stellen Sie die Bilanz pro Verursacher auf. Oft ergibt die Überprüfung, dass die Bilanz nicht aufgeht. Mitunter wird Materialschwund entdeckt, der bisher nicht bekannt war. Hier haben Sie ein Potenzial, wo Sie ansetzen können und die Ursachen erforschen müssen.

Bringt diese Methode keine Erkenntnisse, verfolgen Sie die Material- und Energieströme in der gesamten Produktionskette für jeden einzelnen Prozess (Fertigung, Lackierung, Konfektionierung, Montage, …). Dieser Schritt ist aufwändiger, bringt aber detaillierte Erkenntnisse und mögliche Einsparpotenziale.


Visualisieren Sie die Ergebnisse

Die Ergebnisse visualisieren Sie mit so genannten Sankey-Diagrammen. Sankey-Diagramme stellen den relativen Wert eines (Stoff-)Flusses über die Breite der entsprechenden Linien im Diagramm
dar. Damit können die Flüsse (Menge pro Zeiteinheit) von z. B. Energie und Material durch ein System (Produktionsprozess) grafisch dargestellt werden. Am bekanntesten sind Energiefluss- Diagramme. Nicht nur Mengen lassen sich durch die Pfeile abbilden, sondern auch die damit verbundenen Kosten. So erlangen Sie bereits eine große Kostentransparenz.

!sites/default/files/uploads/img/Sankey-Diagramm.JPG(Sankey-Diagramm.JPG)!


Produktbezogene Analyse

Manchmal kann es interessant sein, die Energie- und Materialaufwendungen für ein typisches oder besonders wichtiges Produkt zu ermitteln. Damit können Sie ein Optimierungspotenzial aus der Sicht eines Produkts erhalten. Das erlaubt Rückschlüsse auf die Produktkalkulation und die künftige Preisgestaltung, wenn Sie die Kosten für die ermittelten Stoff- und Energieströme berücksichtigen. Möglicherweise erfolgte dies bisher pauschal. Sie ermitteln die Kosten für Material, Abfälle, Ausschuss, Energieverbräuche, Logistik, … entlang der Produktkette.


Versuchen Sie es mal mit der Pinchmethode

Der Ursprung der Pinchmethode liegt in der Thermodynamik. Diese Analysemethode vergleicht die Mengen und die Qualität von Stoff- und Energieströmen, die benötigt werden und zur Verfügung stehen, aber nicht genutzt werden. Dabei handelt es sich regelmäßig um Abwärme und Abwasser, das nach Reinigung wieder genutzt werden könnte. Nach der Analyse prüfen Sie, welche technischen Maßnahmen erforderlich und wirtschaftlich sind. Fragen Sie Ihren externen Berater zur Durchführung der Pinchmethode.

Für Analyse- und Auswertemethoden steht spezielle Software am Markt zur Verfügung. Die Stoffstromsoftware erleichtert die Analyse und ermöglicht eine exzellente Visualisierung. Fragen Sie Ihren Berater und lassen Sie den Einsatz der Software von Ihren IT-Spezialisten prüfen. Vielleicht reicht Ihnen aber auch das Programm Excel.

Als wichtiger Nebeneffekt Ihrer Analysen ist die Transparenz von Unternehmens- und Produktionsabläufen und damit verbundener Kostenstrukturen nicht zu unterschätzen. Sie erzielen darüber hinaus eine Motivationssteigerung und Sensibilisierung der Belegschaft für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in Ihrem Unternehmen.


Setzen Sie technische Maßnahmen nach der Analyse auch um

Die Maßnahmenvorschläge, die Sie mit Ihrem Berater erarbeiten, orientieren sich meist an bereits verfügbarer branchenüblicher Technik. Planen Sie auch längerfristig, denn manche Investitionen, vor allem im Energiebereich, amortisieren sich erst nach mehreren Jahren.

Stellen Sie den Investitionen die Einsparungen an Energie, Materialien, Roh- und Hilfsstoffen gegenüber.

* **Selbstverständlich können Sie den Spezial-Report auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2019 Produktionsportal. Impressum | Datenschutz